Binh Tay Markt - gelebte chinesische Kultur

Der Binh Tay Markt befindet sich im chinesischen Viertel der Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt und ist ein Stück gelebte chinesische Kultur in Vietnam.

Binh Tay Markt
Binh Tay Markt

Der stark frequentierte Binh Tay Markt liegt im westlichen Teil des Stadtviertels Cholon, das überwiegend von Chinesen bewohnt wird. Er spiegelt eindrucksvoll die chinesische Kultur und die Bräuche des Reiches der Mitte wider. Der Markt wurde im Jahr 1928 eingerichtet und bestand von seiner Gründung bis zum Jahr 1991 aus nur einer Etage. Um dem Wunsch der Händler und dem zunehmenden Handelsvolumen gerecht zu werden, erfolgte danach der Bau einer zweiten Etage. Heute präsentiert sich das Marktgelände als zweigeschossiges Bauwerk mit insgesamt 11 Eingängen, das von einer Vielzahl unterschiedlicher Marktstände beherrscht wird. Mehr als 1.400 Stände befinden sich im Innenhof des Erdgeschosses und weitere 1.000 liegen in der oberen Etage. Den regen Zulauf verdankt der Binh Tay Markt unter anderem der verkehrsgünstigen Lage. Mit dem Cholon Busbahnhof und dem Mien Tay Busbahnhof befinden sich zwei Verkehrsknotenpunkte von Ho-Chi-Minh-Stadt in unmittelbarer Nähe des Marktgeländes.

Täglich zwischen 6 und 19 Uhr öffnet der Binh Tay Markt seine Tore für den Besucherverkehr. Hier finden Sie neben Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs unzählige kunstgewerbliche Gegenstände sowie Schmuck, Kleidung und Keramiktöpfe. Wertvolle Seidenstoffe, kunstvolle Seidenmalereien und zahlreiche Schmuckgegenstände aus Gold und Silber werden auf dem Binh Tay Markt angeboten. Von knallbunten Süßigkeiten über tropische Früchte bis hin zu getrocknetem Fisch bleiben keine Wünsche der Kunden unerfüllt. Die auffällige Architektur des Marktes fällt bereits aus der Entfernung auf. Die gelben Dächer bestehen aus mehreren Stufen und Drachen winden sich an der Fassade. Zwei Kaufhausblöcke rahmen das Gelände ein. Sie sind mit jeweils vier maurischen Kuppeln ausgestattet. Im Steinbecken des Marktes zünden die Händler im Gedenken an den Gründer Quach Djam häufig Räucherstäbchen an, die Glück und gute Geschäfte bringen sollen. Nach dem Tod des Gründers wurde ihm zu Ehren ein Denkmal auf dem Marktgelände errichtet.

Eine Besonderheit des Marktes sind die zahlreichen Stände, an denen gekocht wird und landestypische Gerichte zu Verkauf angeboten werden. Frischer Fisch und Meeresfrüchte spielen in der Ernährung der Bevölkerung seit Jahrtausenden eine große Rolle. Die Trocknung des Fisches erfolgte aus der Not, um den Fang länger haltbar zu machen. Heute werden unzählige Sorten getrockneten Fisches auf dem Binh Tay Markt angeboten. Besonders populär ist in Vietnam die traditionelle würzige Fischsoße. Sie wird als Ergänzung zu zahlreichen Gerichten gereicht und auf dem Markt ist sie in verschiedenen Variationen erhältlich. Den ganzen Tag herrscht auf dem Binh Tay Markt ein emsiges Treiben. Die Aufbauten der Händler muten nicht selten abenteuerlich an. Küchengeschirr mit Pfannen, Töpfen und Plastikschalen türmen sich oft meterhoch übereinander. An Ständen mit Kunstgegenständen stehen erstaunlich gute Kopien berühmter Gemälde neben den Originalen vietnamesischer Künstler.

Der Stadtteil Cholon ist ein chinesisch dominiertes Viertel in der Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt. Rund eine halbe Million Menschen haben ihre ethnischen Wurzeln im benachbarten China. Die Vorfahren wanderten im Lauf der Jahrhunderte aus den südchinesischen Provinzen ein und behielten ihre Sitten und Gebräuche bei. Heute gibt es in Cholon chinesische Apotheken, Geschäfte und Restaurants. Es existieren sogar unterschiedliche Tempelanlagen für Einwohner, die aus verschiedenen chinesischen Provinzen stammen. Zu den bedeutendsten Pagoden zählen die Thien-Hau-Pagode und die Quan-Am-Pagode. Der Thien-Hau-Tempel wurde nach der chinesischen Beschützerin der Seefahrer benannt. Chinesische Flüchtlinge, die sogenannten Boat-People, suchten die Anlage nach ihrer erfolgreichen Überfahrt nach Vietnam auf, um der Göttin für das sichere Geleit über das Meer zu danken. Das Dach des Tempels ist mit zahlreichen Statuen geschmückt. Während Cholon zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Vergnügungsviertel einen zweifelhaften Ruf besaß, wandelte sich das Bild in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und nach der Wiedervereinigung mit Nordvietnam.

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