Die Geschichte Australiens - ein Überblick

Wann genau die Besiedelung Australiens begann, ist bis heute umstritten, es wird jedoch allgemein davon ausgegangen, dass die ersten Menschen sich zwischen 60.000 und 32.000 Jahren v. Chr. hier ansiedelten. Trotz der isolierten geografischen Lage des fünften Kontinents standen die Aborigines in Kontakt mit anderen Kulturen in Ozeanien.

Australien Aboriginal
Australien Aboriginal

Vor allem mit Papua Neuguinea gab es regelmäßige Kontakte, bis die Landbrücke zwischen den beiden Landmassen vor rund 6000 Jahren überflutet wurde. Die übriggebliebenen Inseln, die heute als Torres Strait Islands bekannt sind, wurden vor ungefähr tausend Jahren durch melanesische Seefahrer besiedelt, welche den Kontakt zu den Bewohnern auf dem Festland suchten und aufrechterhielten.

Auch chinesische, indische und indonesische Händler und Fischer besuchten bereits vor Tausenden von Jahren immer wieder den australischen Kontinent. Dieser Umstand wird durch Felsmalereien der Aborigines belegt. Ein weiterer Beleg für die Besuche aus dem asiatischen Raum ist der Dingo, ein australischer Wildhund, der vermutlich vor circa 6.000 Jahren durch südostasiatische Seeleute ins Land gebracht wurde.

Die ersten Europäer gingen im 16. und 17. Jahrhundert in Australien an Land. Dabei handelte es sich in erster Linie um spanische Seefahrer. Im Jahr 1770 erreichte schließlich Kapitän James Cook die Ostküste. Er nahm das Land für die englische Krone in Besitz und nannte es New South Wales. Nach der Unabhängigkeit Amerikas von der britischen Kolonialmacht nutzte England Australien als neue Sträflingskolonie. Die ersten Schiffe mit tausend Strafgefangenen landeten 1788 an der Ostküste und die dort errichtete Kolonie erhielt den Namen Sydney nach dem damaligen englischen Außenminister. Eine weitere Strafkolonie entstand rund 30 Jahre später im Gebiet des heutigen Brisbane.

Auch immer mehr freie Siedler kamen nach Australien und drangen in den Norden und ins Landesinnere vor. Das führte 1851 zur Gründung der von New South Wales losgelösten Kolonie Victoria sowie acht Jahre später zur Unabhängigkeit Queenslands. 1829 gründeten erste freie Siedler Perth. Eine Strafkolonie in dieser Gegend war nicht vorgesehen, doch die freien Siedler forderten auch hier billige Arbeitskräfte in Form von Sträflingen an. Auch South Australia sollte sträflingsfrei bleiben. Adelaide wurde im Gründungsjahr 1836 als britische Provinz ausgerufen. Das Northern Territory wurde schließlich 1863 als eigenständige Kolonie gegründet. Bis zum Jahr 1868, als man mit dem Sträflingstransport nach "Down Under" aufhörte, wurden insgesamt rund 160.000 Sträflinge hierher deportiert.

Goldfunde nördlich von Melbourne führten Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem regelrechten Goldrausch überall im Land. Regelmäßig landeten neue Schiffe, die Goldgräber aus England, Amerika und auch aus China ins Land brachten. Die Chinesen wurden wie die Aborigines als Menschen zweiter Klasse betrachtet. Die zunehmende Ausbreitung der weißen Siedler brachte zunehmende Konflikte mit den Ureinwohnern mit sich. Es kam vermehrt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Massakern, was die britische Kolonialmacht dazu veranlasste, den Aborigines eigene Protektorate zuzuweisen. Hier sollten die bisher größtenteils nomadischen Völker in festen Siedlungen Ackerbau und Viehwirtschaft betreiben. Um die "wilden" Aborigines zu "zivilisieren", wurden ab Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre Tausende Kinder zwangsweise von ihren Familien getrennt und in Heime und Missionen gesteckt, um dort assimiliert zu werden.

Dieses dunkle Kapitel der australischen Geschichte ist bis heute ein heikles Thema und erst 2008 entschuldigte sich die australische Regierung unter dem damaligen Premier Kevin Rudd erstmals offiziell bei der indigenen Bevölkerung für dieses Vorgehen. Die entführten und zwangsmissionierten Kinder sind heute als "gestohlene Generationen" bekannt. Die Aborigines setzten sich seit den 1960er-Jahren vermehrt für eigene Rechte ein und 1965 gestand ihnen auch Queensland als letzter Bundesstaat das volle Wahlrecht zu.

1901 vereinten sich die einzelnen Kolonien auf australischem Boden zum Commonwealth of Australia mit Melbourne als Hauptstadt und 1907 erlangte der Australische Bund die beinahe vollständige Unabhängigkeit von Großbritannien. 1911 beschloss man, mit Canberra eine neue Hauptstadt zu schaffen; da sich die Bauarbeiten aber in die Länge zogen, blieb Melbourne bis 1927 Regierungssitz.

Australische Truppen nahmen sowohl am Ersten als auch am Zweiten Weltkrieg und am Vietnamkrieg teil. Im Rahmen des Ersten Weltkriegs besetzte Australien 1914 den unter deutscher Hoheit stehenden Teil von Neuguinea. Außerdem beteiligten sie sich auch fern der Heimat am Kriegsgeschehen und zahlreiche australische Soldaten verloren in der Schlacht von Gallipoli ihr Leben. Darwin wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig durch japanische Bomber zerstört.

Australien ist heute trotz strenger Bestimmungen ein klassisches Einwanderungsland. Auch wenn immer mehr Immigranten aus dem asiatischen Raum kommen, wird die australische Bevölkerung von europäischstämmigen Australiern mit einer Mehrheit von über 70 Prozent bestimmt.

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