Berg der Kreuze - ein Wallfahrtsort

Der Berg der Kreuze ist ein bedeutender Wallfahrtsort für Anhänger des katholischen Glaubens. Der Kreuzberg liegt rund 12 Kilometer von der litauischen Großstadt Šiauliai entfernt.

Berg der Kreuze
Berg der Kreuze - ein Wallfahrtsort

Der Berg der Kreuze ist Pilgerort und Touristenattraktion zugleich. Die katholische Wallfahrtsstätte liegt abseits der Straße, die die Städte Šiauliai und Riga miteinander verbindet. Bei dem Berg handelt es sich um einen lang gestreckten, 10 Meter hohen Hügel, der mit Zehntausenden Kreuzen bedeckt ist, die Pilger aus der ganzen Welt dort aufgerichtet haben. Auf die Geländeerhebung führt eine schmale Holztreppe. Die Gläubigen stellen die Kreuze aus Dankbarkeit auf dem Hügel auf oder verbinden damit verschiedene Wünsche. Feste Termine für einen Besuch des Pilgerortes existieren nicht. Die Gläubigen suchen den Ort ganzjährig und unabhängig von christlichen Traditionen und Feiertagen auf. Um die Entstehung des Berges der Kreuze ranken sich viele Mythen und Legenden.

Der Überlieferung nach soll es sich um einen Burghügel handeln, auf dem sich einst eine mittelalterliche Befestigungsanlage befunden hat. Im Jahr 1348 soll die Burg von Kreuzrittern zerstört worden sein. Eine Legende berichtet von einem litauischen Großfürsten, der gegen einen anderen Angehörigen des Adelgeschlechtes prozessiert haben soll. Das Gericht trat in Riga zur Urteilsverkündung zusammen und der Fürst passierte auf dem Weg in die Stadt den Hügel. Der Legende nach gelobte er, ein Kreuz auf dem Berg zu errichten, wenn der Prozess zu seinen Gunsten entschieden werden würde. Das erhoffte Ereignis trat ein und auf dem Rückweg ließ der Großfürst aus Dankbarkeit ein Kreuz am höchsten Punkt des Hügels aufstellen. Die Kunde vom eingelösten Versprechen verbreitete sich danach im ganzen Land und der Ort wurde zur Pilgerstätte von gläubigen Christen, die dem Herrscher mit dem Errichten weiterer Kreuze nacheiferten.

Wahrscheinlicher ist ein geschichtlicher Hintergrund für die Entstehung des Wallfahrtsortes. Im 19. Jahrhundert befanden sich weite Teile Litauens und Polens unter russischer Herrschaft. In zwei Aufständen kam es zu blutigen Auseinandersetzungen mit den Truppen des zaristischen Regimes, bei denen zahlreiche Bewohner der Umgebung getötet wurden. Die Angehörigen sollen die Kreuze zu Ehren der Gefallenen auf den Hügel aufgestellt haben. Um das Jahr 1940, als Litauen von sowjetischen Truppen besetzt und okkupiert wurde, befanden sich rund 400 Kreuze auf dem Hügel. Den kommunistischen Machthabern war der Berg der Kreuze in den folgenden Jahrzehnten lange ein Dorn im Auge. Im Jahr 1961 wurden auf Anordnung der Sowjetregierung sämtliche 2.179 Kreuze zerstört und vernichtet. Bereits in der folgenden Nacht wurden von der Bevölkerung neue Kreuze auf dem Hügel errichtet. Die Vernichtungsaktionen wiederholten sich in den 1970er Jahren mehrmals und hatten dennoch nicht eine dauerhafte Auslöschung des Wallfahrtsortes zur Folge. Der Kreuzberg bei Šiauliai wurde zunehmend zum Symbol des stummen nationalen Widerstandes des litauischen Volkes. 1990 sollen bereits um die 40.000 Kreuze auf dem Hügel gestanden haben.

Eine Würdigung und weitere Aufwertung erfuhr der Ort durch den Besuch des Papstes Johannes Paul II. im Jahr 1993. Rund 100.000 Gläubige fanden sich an dem Ort ein, als der oberste Vertreter der katholischen Kirche eine Messe am Berg der Kreuze las. Johannes Paul II. beauftragte die Mönche des Franziskaner-Ordens mit dem Bau eines Klosters an dem heiligen Ort. Das Bauwerk war im Jahr 2000 fertiggestellt. Der Grundriss besitzt die Form eines litauischen Kreuzes und die zweistöckigen Gebäude liegen an einem Kreuzgang. Eine kleine Kapelle befindet sich zu ebener Erde und die großen Glasfenster des Altarraumes geben den Blick auf den Berg der Kreuze frei. Im Erdgeschoss befinden sich der Speisesaal, die Küche, Büros und eine Bibliothek. In der oberen Etage liegen die Zellen der Ordensbrüder. Das Kloster wird als Ausbildungsstätte für angehende Mönche und als Gebetsort genutzt.

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