Insel Saaremaa - Heimat zahlreicher Robbenarten

Saaremaa ist die größte Insel Estlands. Sie begrenzt im Norden den Rigaischen Meerbusen und ist mit dem Festland über einen Damm und verschiedene Fährverbindungen verbunden.

Insel Saaremaa
Insel Saaremaa - Heimat zahlreicher Robbenarten; hier: Kalksteinbogen

Die estnische Insel Saaremaa erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 2.600 km² und besitzt an der breitesten Stelle eine Ausdehnung von 90 Kilometern. Auf der Insel leben rund 36.000 Einwohner. Mehr als ein Drittel der Bewohner lebt in der Inselhauptstadt Kuressaare. Der Ort ist die einzige Stadt auf Saaremaa. Die Insel ist ein uralter Siedlungsraum in der Ostsee. Archäologische Funde belegen eine durchgehende Besiedlung des Eilandes seit der Bronzezeit. Bekanntester Fund auf Saaremaa ist das Wikingerschiffsgrab von Salme. Die Ausgrabung förderte die Überreste eines Wikingerschiffs zutage, dessen Erbauung auf die Zeit zwischen 700 und 900 n. Chr. datiert wird. Später gehörte die Insel zu unterschiedlichen Herrschaftsbereichen. Im 13. Jahrhundert unterwarf der Deutsche Orden die Insel. Steinernes Zeugnis dieser Epoche ist die mächtige Bischofsburg im Stadtpark der Hauptstadt Kuressaare.

Das milde maritime Klima auf Saaremaa war die Voraussetzung für die Entwicklung einer artenreichen Flora und Fauna. Die Insel liegt im Durchzugsgebiet zahlreicher Zugvögel, die bei ihren jährlichen Wanderungen im Frühjahr und Herbst auf Saaremaa einen Zwischenstopp einlegen. Die Küstengewässer rund um die Insel sind die Heimat zahlreicher Robbenarten. Die artenreiche Pflanzenwelt konnte sich aufgrund der Lage in der gemäßigten Klimazone mit mildem Seewetter hervorragend entwickeln. Rund 80 Prozent aller in Estland beheimateten Pflanzenarten kommen auf der Insel vor. Allein 120 Arten stehen auf Saaremaa unter Naturschutz. Bedingt durch die weitestgehend isolierte Lage hat sich die Ostseeinsel ihren einzigartigen Charakter bis heute bewahrt. Weit über die Insel verstreut liegen zahlreiche Bockwindmühlen, die sich in unterschiedlichem Bauzustand befinden. Viele Gehöfte sind mit alten Steinzäunen umgeben und die Gebäude besitzen Dächer aus Schilfrohr.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit der Insel ist die Arensburg in Kuressaare. Sie wurde im Jahr 1380 vom Deutschen Orden für die Bischöfe erbaut und gehört zu den wenigen komplett erhaltenen mittelalterlichen Festungsanlagen im Baltikum. Die mächtige Trutzburg besitzt einen quadratischen Grundriss und ist von einer hohen Mauer umgeben. Weithin sichtbares Wahrzeichen der Bischofsburg ist der 29 Meter hohe Turm mit der Bezeichnung Pikk Hermann. Die gesamte Anlage ist heute ein Museum, das sich thematisch mit der Geschichte der Insel Saaremaa beschäftigt. Die Überreste einer noch älteren Festung befinden sich nordöstlich der Ortschaft Valjala. Zahlreiche Steinkirchen auf der Insel stammen aus der Zeit des Mittelalters. Der älteste Sakralbau ist die Valjala Martini Kirik. Die Kirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Die kleinste Steinkirche Saaremaas finden Sie in der Ortschaft Karja. Sie stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Vor rund 4.000 Jahren ereignete sich auf Saaremaa ein Meteoriteneinschlag, deren Spuren noch heute auf der Insel sichtbar sind. Der Kaali-Meteoritenkrater liegt rund 18 Kilometer von der Inselhauptstadt Kuressaare entfernt in einem kleinen Waldstück. Der mit Wasser gefüllte Krater besitzt eine nahezu perfekte Kreisform und einen Durchmesser von 50 Metern. Deutlich zu erkennen ist der 16 meterhohe Erdwall, der ringförmig um den Einschlagsbereich verläuft. Der Krater wurde vom größten Fragment des Hauptmeteoriten verursacht, der in einer Höhe von etwa 10 Kilometern auseinanderbrach. Die Spuren der kosmischen Katastrophe sind am Kraterrand noch deutlich sichtbar. Durch die Wucht des Einschlags wurden die umliegenden Felsen schräg aufgefaltet. Untersuchungen haben ergeben, dass das Bruchstück zur Zeit des Aufpralls ein Gewicht zwischen 20 und 60 Tonnen besessen haben muss.

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