Tartu – die Universitätsstadt

Die Universitätsstadt Tartu liegt am Ufer des Flusses Emajogi und ist die zweitgrößte Stadt in der Republik Estland.

Tartu
Tartu - die Universitätsstadt

Tartu ist nach der Hauptstadt Tallinn die zweitgrößte Stadt Estlands und gleichzeitig die älteste Stadt des Baltikums. Die erste urkundliche Erwähnung der rund 103.000 Einwohner zählenden Metropole stammt aus dem Jahr 1030. Im Mittelalter erlangte Tartu wirtschaftliche Bedeutung als Bindeglied zwischen der Hansestadt Reval an der estnischen Ostseeküste und den russischen Städten. Die Stadt wurde im späten Mittelalter Bischofssitz und im Jahr 1721 in das russische Zarenreich eingegliedert. Im Jahr 1775 zerstörte ein verheerender Großbrand große Teile des historischen Stadtzentrums. Aus diesem Grund stammen die ältesten Gebäude in Tartu aus dem späten 18. Jahrhundert. Das Rathaus der Stadt wurde im Jahr 1789 neu erbaut.

In Tartu ist eine der ältesten Universitäten Nordeuropas beheimatet. Der schwedische König Gustav II. Adolf gründete die Hochschule bereits im Jahr 1632. Im Jahr 1802 wurde aus der Universität die einzige deutschsprachige Hochschule im russischen Zarenreich. Die damalige Neugründung war einer Kooperation von deutschstämmigen Balten mit dem russischen Zaren Alexander geschuldet. Während der bedingungslosen Russifizierung Estlands zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Deutsch als Lehrsprache abgeschafft und die Mehrzahl der Dozenten und Professoren siedelte nach Deutschland über. Heute ist die Universität in Tartu die bedeutendste Hochschule Estlands. Knapp 20.000 Studenten besuchen die Lehreinrichtung in der estnischen Metropole. Darüber hinaus nimmt die wissenschaftliche Forschung einen wichtigen Platz an der Universität ein. Mehrere Tausend Publikationen werden von den Forschungseinrichtungen alljährlich veröffentlicht. Die Hochschule brachte im Lauf ihres Bestehens einige hervorragende Wissenschaftler und Gelehrte hervor.

Das jugendliche Stadtbild von Tartu wird maßgeblich von den Studenten geprägt. Die Stadt gilt seit Jahrhunderten als das intellektuelle und kulturelle Zentrum Estlands. Hier haben die estnischen Sängerfeste und das estnische Theaterspiel ihre Wurzeln. Das ganze Jahr über finden in der Stadt zahlreiche Konzerte, Theateraufführungen und Festivals statt. Im Sommer werden Freilichtaufführungen und Promenadenkonzerte am Ufer des Flusses veranstaltet. Ein Ereignis von überregionaler Bedeutung sind die Hansetage. Insgesamt 20 Museen machen Tartu zur Kunst- und Kulturmetropole. Zahlreiche Grünflächen und Parks laden zu einem Bummel ein und auf den Plätzen der Grünanlagen musizieren in den Sommermonaten verschiedene Straßenkünstler und Studenten. Zu den beliebtesten Aufenthaltsorten der Stadt gehört der botanische Garten der Universität. In der Altstadt erwarten Sie unzählige Cafés, Restaurants und Szenebars, in denen am Abend Musikveranstaltungen und Live-Konzerte stattfinden.

Das architektonische Erbe von Tartu können Sie auf einem Bummel durch die Altstadt bewundern. Im Zentrum liegt der Rathausplatz, von dem Einkaufsstraßen in alle Himmelsrichtungen abzweigen. Das Hauptgebäude der Universität wurde im klassizistischen Baustil errichtet und gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Weitere Universitätsgebäude liegen über das ganze Stadtgebiet verteilt. Ein Wahrzeichen von Tartu ist die Johanniskirche. Die Grundmauern des gotischen Backsteinbaus stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die mehr als 1.000 Terrakotta-Figuren an der Außenfassade und im Innenraum der Kirche besitzen einen gewaltigen kunsthistorischen Wert und sind in dieser Häufung einmalig in Nordeuropa. Das Bauwerk wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Mit dem Wiederaufbau wurde erst zur Jahrtausendwende begonnen und im Jahr 2005 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Mitten im Stadtgebiet von Tartu erhebt sich mit dem Domberg eine Anhöhe, auf der sich die Ruinen des mittelalterlichen Doms befinden. Der ausgebaute und renovierte Chor der Kirche beherbergt heute das Museum der Universität. Neben dem Dom befinden sich mit dem Observatorium und dem anatomischen Theater weitere Universitätsgebäude.

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