Wasserburg Trakai - heute rekonstruiert

Die Wasserburg Trakai war im Mittelalter die Residenz litauischer Großfürsten und wurde auf einer Insel inmitten eines Seelabyrinthes in der Nähe der litauischen Hauptstadt Vilnius errichtet.

Wasserburg Trakai
Wasserburg Trakai - heute rekonstruiert

Die Wasserburg Trakai gehört zu den populärsten Sehenswürdigkeiten Litauens. Das malerisch auf einer Insel im Galve-See gelegene Bauwerk zieht alljährlich Tausende Besucher an und ist Austragungsort für Ritterspiele und Veranstaltungsort für Konzerte. Im späten Mittelalter war Trakai die Hauptstadt Litauens. In der Stadt residierten die litauischen Großfürsten. Zum Ende des 14. Jahrhunderts gaben der Fürst Kestutis und sein Sohn Vytautas den Bau zweier Befestigungsanlagen in Auftrag. Die Burgen sollten auf Inseln inmitten einer Seenplatte errichtet werden. Auf diese Weise wurden die natürlichen geografischen Gegebenheiten ausgenutzt, die es Angreifern erschweren sollten, die Festungen einzunehmen oder zu belagern. Im ausgehenden 14. Jahrhundert war das Baltikum dem Expansionsdrang des Deutschen Ordens ausgesetzt, der bereits große Teile der Ostseeregion unter seine Kontrolle gebracht hatte.

Die Wasserburg Trakai war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die Residenz litauischer Großfürsten. Sie diente der Fürstenfamilie als Wohnsitz und erfüllte eine repräsentative Funktion beim Empfang von anderen hochgestellten Persönlichkeiten und Würdenträgern der damaligen Gesellschaft. Häufiger Besucher der Wasserburg war der polnische König Jagiello, ein Verwandter des Großfürsten Vytautas. Gemeinsam hatten die Heere der Verbündeten im Jahr 1410 in der Schlacht bei Tannenberg die Truppen des Deutschen Ordens geschlagen. Besucher der Großfürsten wurden gewöhnlich in der zweiten Burg untergebracht, von der heute nur noch Ruinen erhalten sind. Im 16. Jahrhundert verlor die Wasserburg Trakai ihren Charakter als Verteidigungsbauwerk und wurde fortan als Gefängnis genutzt. Im Jahr 1655 kam es auf dem Gebiet von Litauen zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Russland. Im Zuge der militärischen Handlungen wurde die Wasserburg Trakai zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Erst im 20. Jahrhundert besann man sich auf die Burg als nationales Denkmal und begann mit dem Wiederaufbau des bedeutendsten Sitzes litauischer Großfürsten. Der Wiederaufbau zog sich bis zum Ende der 1980er Jahre hin. Teilweise mussten die Mauern komplett neu hochgezogen werden, weil kaum noch Überreste der einstigen Anlage vorhanden waren. Um den Originalzustand möglichst genau zu kopieren, wurden zum Bau sowohl Feld- als auch Backsteine verwendet. Die Anlage wird von einem tiefen Burggraben umgeben, der die Hauptburg von der Vorburg trennt. In der Vorburg befanden sich einst die Unterkünfte für die Belegschaft und die Wachmannschaften. Sie ist über eine Zugbrücke mit der Hauptburg verbunden. Der Wassergraben liegt heute trocken, weil der Wasserspiegel des Sees im Lauf der Jahrhunderte um mehr als einen Meter gefallen ist. Zu den beeindruckendsten Räumen auf der Wasserburg gehört der Saal, in dem Empfänge stattfanden und Audienzen abgehalten wurden. Er wird von einem gotischen Sterngewölbe überspannt und an den Wänden sind Reste byzantinischer Fresken aus dem 15. Jahrhundert erkennbar.

In den Räumen der rekonstruierten Wasserburg Trakai ist heute ein Museum untergebracht, das sich thematisch mit dem Leben der litauischen Großfürsten im Mittelalter und der Geschichte der Stadt Trakai beschäftigt. Die einstige Hauptstadt Litauens war im Mittelalter ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Hier lebten jüdische Einwohner gemeinsam mit deutschen Handwerkern und der ethnischen Gruppe der Karaimanen. Die Angehörigen eines turkstämmigen Nomadenvolkes wurden vom Großfürsten Vytautas im 15. Jahrhundert in Trakai angesiedelt. Zahlreiche Ritterklubs nutzen die Wasserburg Trakai regelmäßig, um Turniere zu veranstalten und mittelalterliche Märkte abzuhalten. Vor dem historischen Hintergrund der Burgmauern werden Schlachten inszeniert und Wettbewerbe ausgetragen. Darüber hinaus finden im Sommer Freiluftkonzerte und Opernaufführungen auf dem Burggelände statt.

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