Mont Saint-Michel

Mont Saint-Michel ist eine kleine französische Felseninsel vor der Küste der Normandie, auf der sich ein Benediktinerkloster aus dem 11. Jahrhundert erhebt. Gemeinsam mit der gleichnamigen Bucht gehört die Klosteranlage zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Mont Saint Michel
Mont Saint Michel

Die Felseninsel Mont Saint-Michel liegt etwa einen Kilometer vor der Küste des französischen Festlandes im Wattenmeer des Ärmelkanals. Ohne Gebäude ragt die Insel 92 Meter hoch aus dem Meer. Der Berg im Wattenmeer besitzt einen Umfang von lediglich 830 Metern und wird dominiert von einem befestigten Benediktinerkloster. Rund 3,5 Millionen Menschen statten der Klosterinsel an der Mündung des Flusses Couesnon alljährlich einen Besuch ab und machen Mont Saint-Michel damit zu einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Anfänglich war die Insel ausschließlich bei Ebbe zu erreichen, wenn das Wasser sich im Lauf der Gezeiten zurückzog. Um das Jahr 1877 wurde ein erster Damm errichtet, der eine dauerhafte Verbindung zum französischen Festland herstellte.

Die Gründung des Klosters auf dem Mont Saint-Michel geht auf das 8. Jahrhundert zurück. Der Überlieferung zufolge soll im Jahr 708 der Erzengel Michael dem Bischof von Avranches erschienen sein und ihn zum Bau einer Kapelle auf der Felseninsel aufgefordert haben. Als der Bischof der mehrfach wiederholten Aufforderung nicht nachkam, brannte der Erzengel dem Geistlichen mit seinem Finger ein Loch in den Schädel. Der Schädel wird heute in der Kirche Saint-Gervais in Avranches aufbewahrt. Ein erstes Sanktuarium ließ der Bischof im Jahr 709 auf der Insel errichten. Mit dem Einfall der Wikinger im Jahr 867 ging Mount Saint-Michel in den Besitz des bretonischen Herzogs über, der sich erfolgreich gegen die eindringenden Wikinger zur Wehr setzte. Die Insel wurde nicht von den als Normannen bezeichneten Eindringlingen aus dem Norden geplündert und im Jahr 965 gründete eine Gruppe Benediktinermönche das Kloster auf der Felseninsel. Mit dem Bau der zentralen Klosteranlage wurde im Jahr 1017 begonnen und erst im Jahr 1520 war die Anlage endgültig fertiggestellt.

Ab dem 12. Jahrhundert besuchten zahlreiche Pilger die Abtei vor der französischen Küste und das Benediktinerkloster gewann zunehmend an Einfluss. Bemerkenswert sind die zahlreichen Kinderwallfahrten aus Deutschland, die zwischen 1456 und 1458 stattfanden. Während der Französischen Revolution wurde aus der Felseninsel ein Gefängnis. Ihren Ruf als Wallfahrtsort hatte die Abtei verloren und die Gebäude verfielen zunehmend. Erst im Jahr 1966 zogen Brüder und Schwestern der Gemeinschaft von Jerusalem wieder in das historische Gemäuer und wohnen seither auf der Klosterinsel. Mont Saint-Michel war seit dem frühen Mittelalter ein sagenumwobenes Eiland. Die Felseninsel wird in der Artussage in Zusammenhang mit dem Heiligen Gral erwähnt und einige Forscher vermuteten das religiöse Heiligtum hinter den alten Mauern der Klosteranlage. Gefunden wurde er allerdings nie. Die Abtei Mont Saint-Michel empfängt Sie mit bedeutenden architektonischen Schätzen, die als beispielhaft für die Entstehung und Entwicklung der französisch-normannischen Architektur gelten.

Ein Rundgang auf der Felseninsel führt Sie am vorgeschobenen Bollwerk, den Wehrgängen und den Klostergärten vorbei. In den engen Gassen drängen sich historische Gebäude aus mehreren Jahrhunderten aneinander. Auf dem Klostergelände erheben sich eine vorromanische Abteikirche aus dem 11. Jahrhundert, gotische Konventsgebäude und Wohnhäuser aus dem 14. Jahrhundert. Zu besichtigen ist im Inneren der Anlage unter anderem ein vierschiffiger Rittersaal, der den Mönchen einst als Arbeitszimmer diente. In der zweiten Etage zieht sich ein Kreuzgang aus dem Jahr 1228 entlang. Ein Almosenraum und ein Vorratskeller befinden sich im Erdgeschoss. Dort trafen sich die Pilger nach ihrer langen Reise und fanden in der angeschlossenen Herberge Unterschlupf. Seit Jahren ist die Bucht von Mont Saint-Michel vom Verlanden bedroht. Grund dafür ist der 120 Jahre alte Damm, der die Insel mit dem Festland verbindet und verhindert, dass Sand und Schlick mit der Flut zurück ins Meer gespült werden. Mit einem ehrgeizigen Projekt versucht die französische Regierung in der Gegenwart, diesen Prozess umzukehren und die Bucht zu renaturieren.

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