Pointe du Raz

Pointe du Raz ist die westlichste Landspitze der Bretagne. An dem windumtosten Kap im Westen Frankreichs stürzen die schroffen Felsen 72 Meter tief in das smaragdgrüne Meer hinab.

Pointe du Raz
Die Pointe du Raz in der Bretagne

Pointe du Raz ist der spektakuläre westlichste Ausläufer des Cap Sizun in der Bretagne. Die Landzunge läuft extrem spitz zu und ragt rund 30 Kilometer in den Atlantischen Ozean hinein. Cap Sizun trennt die keltische See mit dem Eingang des Ärmelkanals von der Biskaya, die sich im Süden anschließt. Pointe du Raz markiert den westlichsten Punkt dieser Landspitze und ist eine der charakteristischen Landmarken an der bretonischen Küste. Wind und Wasser haben die wildromantische Felsklippe geformt, die mehr als 70 Meter tief zum Meer abfällt. Der Blick schweift von hier über die grünlich schimmernde Wasseroberfläche des Atlantischen Ozeans bis zur kleinen Insel Île de Sein, die etwa acht Kilometer westlich von Point du Raz aus dem Meer ragt.

Pointe du Raz verdankt ihren Namen einer gewaltigen Meeresströmung, die das Gewässer zwischen der Landspitze und der Insel Île de Sein unberechenbar macht. Im Bretonischen wird diese Meeresströmung mit dem Wort "raz" bezeichnet. Seinen Ursprung hat das Wort im Sprachschatz der Wikinger und gelangte mit dem Einfall der Normannen an der französischen Küste im frühen Mittelalter in die Bretagne. Wegen der Unberechenbarkeit der Meeresströmung war die Meerenge früher bei Seefahrern gefürchtet und lieferte den Stoff für zahlreiche Sagen und Legenden. Tief im Felsen soll sich der Sage nach die sogenannte Hölle von Plogoff befinden. Dieser Stollen wurde durch das Meer in das felsige Kap gegraben und ist der Legende nach ein Ort, an dem ertrunkene Seeleute wieder an Land gebracht werden. Das Stöhnen der Ertrunkenen soll hin und wieder aus den Felsen zu vernehmen sein. Um den Schiffen einen sicheren Weg durch die berüchtigte Meerenge zu weisen, wurden auf zwei winzigen vorgelagerten Inselchen Leuchttürme errichtet, die heute unbewohnt sind.

Der Leuchtturm Phare de la Vieille wurde zwischen 1879 und 1887 auf einem winzigen Eiland zwischen Pointe du Raz und der Île de Sein erbaut. Er besitzt eine Höhe von 34 Metern und war anfangs ständig mit zwei Leuchtturmwärtern besetzt, die in regelmäßigen Abständen abgelöst wurden. Häufig erschwerten die raue See und das Fehlen eines Landungssteges auf der Insel diesen Vorgang. Bis zur endgültigen Automatisierung im Jahr 1995 war der Leuchtturm durchgehend besetzt. Im Jahr 1875 nahm der Leuchtturm Phare de Tévennec den Dienst auf. Im Verbund mit dem Phare de la Vieille sollte sein Leuchtfeuer auf die Gefahren der Meeresströmung hinweisen. Er besitzt eine Höhe von 24 Metern und erhebt sich ebenfalls auf einem kleinen felsigen Eiland in der Meerenge. Die Versorgung und Ablösung der Leuchtturmwärter gestaltete sich noch schwieriger als bei seinem größeren Verwandten und die Automatisierung wurde bereits im Jahr 1910 eingeleitet.

Die Felsklippe Pointe du Raz gehört zu den populärsten Sehenswürdigkeiten der Bretagne und zu den meistbesuchten Orten im Westen Frankreichs. Die große Popularität des Küstenabschnittes und die zahlreichen Besucher erforderten zum Ende des 20. Jahrhunderts die Einleitung strenger Umweltschutzmaßnahmen, um den ursprünglichen Bewuchs nicht zu gefährden bzw. wieder herzustellen. Zwischen 1996 und 2000 wurden diese Maßnahmen durchgeführt. In einigem Abstand vom Kap wurden ein Touristenzentrum und ein Besucherparkplatz angelegt. Pointe du Raz ist nur noch mit dem Shuttlebus oder zu Fuß zu erreichen. Das felsige Kap ist darüber hinaus die Heimat zahlreicher Seevögel, die in den felsigen Nischen der Küstenregion ihre Brutplätze haben. Auf ausgewiesenen Wegen kann das Kap heute erkundet werden. An Pointe du Raz endet der europäische Fernwanderweg E5, der von diesem westlichen Zipfel Frankreichs auf einer Länge von mehr als 3.000 Kilometern über Verona bis nach Venedig führt. An der Bucht Baie des Trépassés laden Wellen und Brandung zum Surfen ein.

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