Griechenland und seine Geschichte - ein Überblick

Das antike Griechenland, die "Wiege Europas", trägt diese Bezeichnung nicht ohne Grund. Viele Bereiche der westlichen Kultur, unter anderem Kunst, Philosophie, Naturwissenschaften und Sport, sind geprägt von dem weitreichenden Einfluss der griechischen Antike.

Griechenland Geschichte
Griechenland Geschichte - Insel Samos

Ihre Geschichte begann vor mehr als 4.000 Jahren mit der Vermischung der damals ansässigen vorgriechischen Bewohner mit einwandernden indogermanischen Stämmen der Ionier, Äolier und Achaier. Im weiteren Verlauf entstanden zwei welthistorisch bedeutende Kulturen, deren Einfluss sich über ganz Europa ersteckte. Auf der Insel Kreta verbreitete sich die minoische oder kretisch-minoische Kultur, die als die früheste Hochkultur Europas gilt, wohingegen sich nach ihrem Untergang auf dem griechischen Festland unter kretischem Einfluss die mykenische Kultur bildete.

Das Leben der antiken Bewohner Kretas war geprägt von der damaligen Königsherrschaft auf der Insel, die sich in den Palästen von Knossos, Phaistos und Malia manifestierte, deren Ruinen bis heute erhalten sind und besichtigt werden können. Die Paläste galten als wichtige Zentren des Wirtschaftslebens und Handwerks. Der Grund für den Untergang dieser Hochkultur ist nicht eindeutig geklärt. Sicher ist aber, dass nach der Zerstörung der wirtschaftlichen und politischen Zentren die Blütezeit der mykenischen Kultur auf dem Festland begann.

Die griechische Antike kann in drei politische und kulturelle Epochen eingeteilt werden. Die erste "archaische" Epoche dauerte etwa von 750 bis 500 v. Chr. und war geprägt durch die Entstehung griechischer Stadtstaaten. In der darauf folgenden griechischen "Klassik" standen die Machtkämpfe zwischen den beiden führenden Stadtstaaten Athen und Sparta im Mittelpunkt. Die dritte Epoche, der "Hellenismus", bezeichnet die Zeit, in der Alexander der Große seine Regentschaft antrat und der wechselseitige Einfluss der griechischen Kultur auf den Orient begann.

Auch wenn sich Griechenlands antike Kultur weit ausbreitete, mussten die Griechen ihren permanenten Kampf um politische Unabhängigkeit schließlich aufgeben. Im Jahr 146 v. Chr. musste sich das Land der Macht des Römischen Reiches beugen und wurde somit um 330 v. Chr. Teil des byzantinischen Reiches. Als Byzanz 1453 an das Osmanische Reich fiel, stand auch Griechenland die kommenden 400 Jahre unter osmanischer Herrschaft.

Erst in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts nahmen die Griechen, die ihrem nationalen Erbe stets treu geblieben waren, den Kampf um ihre Unabhängigkeit wieder auf. Sie konnten sich gegen die Türken behaupten und erhielten in den kommenden hundert Jahren nach und nach Teile ihres Landes zurück. Mit dem großen Volksaufstand im Jahr 1821 begann für die Griechen die politische Wende. Begünstigt wurde ihre Situation gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch den Machtzerfall des Osmanischen Reiches, den Einfluss der Französischen Revolution und durch die Entstehung einer neuen Bildungsschicht von Kaufleuten und Fernhändlern. Eine neue Nationalbewegung entstand, die sogar Unterstützung in politischen Kreisen West- und Mitteleuropas erhielt.

Einer der wichtigsten zeitgenössischen geistigen Wegbereiter der griechischen Revolution war der Schriftsteller und Revolutionär Rigas Velestinlis aus Thessalien. Auf der Grundlage seiner Vision von einem unabhängigen Griechenland in Form einer Föderation gründete er einen politischen Verband, der dem erwachenden Verlangen nach Unabhängigkeit Rechnung tragen sollte. Dabei setzte Velestinlis unter anderem auf die Unterstützung Napoleons, zu dem er während des italienischen Feldzugs 1797 erstmalig Kontakt aufgenommen hatte. Seine politischen Tätigkeiten im Ausland endeten 1798 in Triest, wo er bereits kurz nach seiner Ankunft festgenommen und an die osmanischen Behörden in Belgrad übergeben und hingerichtet wurde.

Erst 1814 entstand in Odessa ein neuer politischer Verband, der den Freiheitskampf wieder aufnahm. Auf die kriegerischen Auseinandersetzungen in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts folgte am 3. Februar 1830 die Abfassung des Londoner Protokolls, welches Zentralgriechenland, den Peloponnes und die Kykladen als selbstständigen griechischen Staat mit der Hauptstadt Nafplio erklärte. Dieser wurde drei Monate später vom Osmanischen Reich anerkannt.

Doch trotz dieses historisch und politisch bedeutsamen Umbruchs sahen sich die griechischen Staatsbürger weiterhin mit Spannungen konfrontiert. Sowohl der Erste als auch der Zweite Weltkrieg hinterließen ihre Spuren im ohnehin konfliktgebeutelten Griechenland. In den Jahren von 1914 bis 1918 vervielfachte sich die Einwohnerzahl Athens innerhalb kürzester Zeit aufgrund der großen Flüchtlingsbewegungen aus der Türkei. Im Zweiten Weltkrieg erlebte Griechenland einen wirtschaftlichen Zusammenbruch.

Auf den Zweiten Weltkrieg folgte fast übergangslos der Beginn des Griechischen Bürgerkriegs, der zahllose Opfer forderte.

Die in den 1960er-Jahren errichtete Militärdiktatur hielt das Land in den kommenden 14 Jahren trotz Gegenbewegungen und Protesten seitens der Bevölkerung fest im Griff. Erst 1974 kehrte die Demokratie unter Konstantin Karamanlis zurück und konnte sich in einer Volksabstimmung klar gegen eine Wiedereinführung der Monarchie behaupten.

Heute präsentiert sich Griechenland als moderne, dienstleistungsorientierte Wirtschaftsnation mit einer florierenden Tourismusbranche, die jedoch stark unter der Wirtschaftskrise zu leiden hat. Es kommt daher auch immer wieder zu Demonstrationen und Ausschreitungen.

TOP