Athen - Hauptstadt mit Vergangenheit

Athen ist die Hauptstadt Griechenlands und mit einer Einwohnerzahl von rund 664.000 gleichzeitig die größte Metropole des Landes. Eine kontinuierliche Besiedlung des Stadtgebietes konnte seit der Jungsteinzeit nachgewiesen werden, was Athen zu eine der ältesten menschlichen Ansiedlungen auf dem europäischen Kontinent macht.

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Athen - Hauptstadt mit Vergangenheit

Erste Anzeichen einer dauerhaften Besiedlung des heutigen Stadtgebietes von Athen sind 7.500 Jahre alt. Um das Jahr 1.300 v. Chr. wurde in der Bronzezeit auf dem als Akropolis bezeichneten Burgberg ein mykenischer Palast errichtet. Unter König Theseus entwickelte sich Athen zum größten griechischen Stadtstaat und erlebte im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. eine Zeit kultureller Blüte. Im Jahr 86 v. Chr. geriet die Stadt unter römische Vorherrschaft, konnte sich jedoch den Status eines geistigen und kulturellen Zentrums bewahren. Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert erlebte Athen einen wirtschaftlichen Niedergang, der erst mit der Ernennung als Bischofssitz im 9. Jahrhundert beendet wurde. Anschließend gehörte die Metropole wechselnden Herrschaftsbereichen an und verlor an Bedeutung und Einfluss. Im Jahr 1834 wurde Athen Hauptstadt des neu gegründeten Griechischen Königreiches und wuchs danach in hohem Tempo bis zur heutigen Größe an.

Das Klima in Athen ist bedingt durch die geografische Lage und die topografischen Besonderheiten einzigartig in Europa. Die Stadt wird in drei Himmelsrichtungen von Gebirgszügen umringt, die das Vordringen kalter Luftmassen aus dem Norden verhindern. Lediglich in Richtung Süden öffnet sich das Stadtgebiet zum Mittelmeer. Diese Konstellation führt zu extrem hohen sommerlichen Temperaturen, die nicht selten jenseits der 40-Grad-Marke liegen. Die dichte Bebauung lässt selbst nachts kaum eine Abkühlung zu, sodass die nächtlichen Werte meist oberhalb von 25 Grad liegen. Vorherrschende Luftströmungen aus dem Süden lassen im November die Temperaturen noch auf bis zu 25 Grad klettern. Das Frühjahr beginnt hingegen spät und im April kann es in der Stadt noch empfindlich kühl werden. Knapp 350 Sonnentage im Jahr machen Athen zu einem der sonnigsten Orte in Europa. Niederschläge fallen über das Jahr verteilt kaum, wobei die Sommermonate von extremer Trockenheit gekennzeichnet sind.

Im Stadtbild Athens finden Sie Bauwerke aus zahlreichen Epochen von der Antike bis zur Gegenwart. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Stadt kaum 4.000 Einwohner. Das heutige Zentrum entstand auf der Grundlage der Planungen des preußischen Architekten Eduard Schaubert und des griechischen Stadtplaners Stamatios Kleanthis. Zahlreiche wichtige öffentliche Gebäude wurden im Stil des Klassizismus errichtet. Im Zentrum der Stadt liegt das sogenannte Handelsdreieck mit dem Syntagma-Platz. Dort erhebt sich das griechische Parlamentsgebäude mit dem Nationalgarten. Südlich davon liegt das antike Panathinaiko-Stadion, das anlässlich der Olympischen Spiele im Jahr 1896 wieder aufgebaut wurde und das als Zappeion bezeichnete Multifunktionsbauwerk aus dem Jahr 1888. Die Athener Trilogie ist ein klassizistisches Gebäudeensemble, das sich aus alter Universität, Bibliothek und Akademie zusammensetzt. Direkt daneben erhebt sich die katholische Bischofskirche aus dem Jahr 1865.

In der als Plaka bezeichneten Altstadt von Athen befinden sich die ältesten Bauwerke der griechischen Hauptstadt. Dort liegt der unter dem Namen Agora bekannte Marktplatz, der in der griechischen Antike als Versammlungs- und Gerichtsort genutzt wurde. Er wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. angelegt. Das römische Forum entstand unter Kaiser Augustus zwischen dem 19. und 11. Jahrhundert v. Chr. Der rechteckige Platz wurde einst von Säulengängen und Geschäften gesäumt. An der östlichen Seite des Platzes steht der sogenannte Turm der Winde. Dieses achteckige Bauwerk diente während der Römerzeit als Wetterstation und Uhr. Zu erkennen sind im römischen Forum noch die Überreste öffentlicher Latrinen und eines Marktgebäudes. Die Ruinen der Hadriansbibliothek befinden sich am Nordostende des Forums. Erhalten ist von dem Bibliotheksgebäude die Westfassade mit den charakteristischen Säulen. Unmittelbar daneben erhebt sich die ehemalige Tsidarakis-Moschee, die im 18. Jahrhundert unter osmanischer Vorherrschaft errichtet wurde und heute eine Sammlung Keramikfunde beherbergt.

Das weltberühmte Wahrzeichen Athens ist die als Akropolis bekannte Stadtfestung auf dem Burgberg. Auf der felsigen Erhebung im Stadtzentrum befinden sich die ältesten Teile der griechischen Hauptstadt, bestehend aus dem Propyläen, dem Niketempel, dem Erechtheion und dem Partheon-Tempel, der einst der Stadtgöttin Athene geweiht war. Die Bauwerke wurden zwischen 467 und 406 v. Chr. errichtet. Seit 1986 gehört das Gebäudeensemble auf dem 156 Meter hohen Berg zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Geschichte der Besiedlung des Burgberges reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. Um 1.300 v. Chr. wurde ein mykenischer Palast auf dem Berg erbaut, der den damaligen Königen als Herrschersitz diente. Nach der Einführung demokratischer Strukturen im antiken Athen wurde die Akropolis als Tempelbezirk ausgebaut und zum Sitz der Götter erklärt. Um 480 v. Chr. nahmen die Perser die Stadt ein und zerstörten einen Großteil der alten Tempelanlagen. Unter dem griechischen Staatsmann Perikles wurde die Anlage im 5. Jahrhundert v. Chr. neu aufgebaut. Dominierendes Bauwerk wurde der als Athena-Tempel bekannte Partheon mit dem Bildnis der Göttin Athene. Als zentrales Bauwerk beherrscht der Tempel seit mehr als 2.500 Jahren die Silhouette von Athen. Das Erechtheion ist die zweitgrößte Tempelanlage auf dem Berg Akropolis und der Niketempel im westlichen Bereich ist das kleinste religiöse Bauwerk.

Unter römischer Vorherrschaft kamen weitere Bauwerke wie der Tempel der Roma und des Augustus hinzu. Der erste römische Kaiser hielt sich mehrmals in Athen auf und ließ Tempelanlagen und religiöse Bauten instand setzten. Von der Anlage sind heute nur noch halbhohe Säulen und einige Kapitelle erhalten. Der Partheon-Tempel wurde im 6. Jahrhundert n. Chr. in eine christliche Kirche umgewandelt und diente im Mittelalter als Verteidigungsanlage. Die Osmanen machten den antiken Tempel nach der Eroberung Athens zu einer Moschee und errichteten ein Minarett. Schwer beschädigt wurde der Partheon-Tempel im 17. Jahrhundert im Rahmen bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen Venezianern und Osmanen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden große Teile des Skulpturen- und Reliefschmucks der Tempel auf der Akropolis entfernt und nach London gebracht. Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts finden umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen auf dem Athener Burghügel statt, die der Sicherung der antiken Bausubstanz dienen.

Neben dem Partheon-Tempel ist das Erechtheion die bedeutendste Tempelanlage auf der Akropolis. Die Bauzeit umfasste einen Zeitraum von 14 Jahren und dauerte von 420 v. Chr. bis zum Jahr 406 v. Chr. Der Tempel erhebt sich an der Stelle, an der sich einst der Palast des sagenumwobenen Königs Erichthonios befunden haben soll. Die Anlage war der Verehrung mehrerer Gottheiten gewidmet und besitzt komplexe architektonische Strukturen. Um das Erechtheion ranken sich Mythen und Legenden. Angeblich wurde in dem Gebäude das vom Himmel gefallene Bild der Göttin Athene aufbewahrt und in dem Bauwerk befand sich der Überlieferung nach eine Erdspalte, in der eine heilige Schlange gelebt haben soll. Darüber hinaus schloss der Komplex den heiligen Ölbaum der Athene und eine Salzquelle ein, die der Meeresgott Poseidon bei einem Wettstreit entstehen ließ.

Bekanntestes Merkmal der antiken Tempelanlage sind die sechs überlebensgroßen steinernen Mädchenfiguren, die die Vorhalle des Erechtheions tragen. Die Skulpturen wurden anstelle von Säulen eingesetzt und werden als Karyatiden bezeichnet. Im Lauf der Jahrtausende wurde der Tempel für unterschiedliche Zwecke genutzt. Im 7. Jahrhundert erfolgte die Umwandlung in eine frühchristliche Kirche und im 15. Jahrhundert befand sich in dem antiken Bauwerk ein Harem für die Offiziere der osmanischen Streitkräfte. Am Ende des 20. Jahrhunderts wurden die überlebensgroßen Mädchenfiguren durch Kopien ersetzt und ins Museum gebracht. Dieser Schritt wurde notwendig, um die Skulpturen vor den Folgen der zunehmenden Luftverschmutzung im Ballungsraum Athen zu schützen. Eine Figur wurde im Jahr 1811 entfernt und vom britischen Diplomaten und Kunsträuber Lord Elgin nach London transportiert, wo sie heute im Britischen Museum ausgestellt ist.

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