Palast von Knossos - Anlage auf Kreta

Der Palast von Knossos ist eine minoische Palastanlage auf der Insel Kreta, die zwischen 2100 und 1800 v. Chr. errichtet wurde und das steinerne Zeugnis der ältesten bekannten Hochkultur auf dem europäischen Kontinent ist.

Palast von Knossos
Palast von Knossos - Anlage auf Kreta

Die archäologischen Ausgrabungsstätten des Palastes von Knossos befinden sich rund fünf Kilometer von der Stadt Heraklion entfernt auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta. Die Palastanlage ist das größte bekannte Bauwerk der minoischen Kultur, die nach dem sagenumwobenen König Minos benannt wurde. Auf der Insel Kreta begannen sich im 3. Jahrtausend v. Chr. durch zunehmenden Wohlstand kleine Königreiche zu entwickeln. Neben Knossos sind Palastanlagen in Phaitos, Kato Zakros und Malia nachgewiesen. Der Palast von Knossos ist die eindrucksvollste und prächtigste aller auf Kreta entdeckten Palastanlagen. Errichtet wurde das antike Bauwerk von den Minoern zwischen 2100 und 1800 v. Chr. Es wird vermutet, dass der alte Palast durch mehrere Erdbeben und schließlich durch den gewaltigen Vulkanausbruch auf der Insel Santorin im Jahr 1628 v. Chr. zerstört wurde.

Auf den Grundmauern des alten Palastes entstand eine noch größere und prunkvollere Anlage, deren Ruinen Sie heute bei einem Besuch in Knossos besichtigen können. Bei dem Palast von Knossos handelt es sich um eine Gebäudeansammlung, die eine Fläche von rund 21.000 Quadratmeter bedeckte. Archäologen gehen davon aus, dass die Palastanlage etwa 1.300 Räume besessen haben muss, von denen bisher 800 nachgewiesen werden konnten. Eine Befestigungsanlage, die den Palast vor Übergriffen schützt, fehlt völlig. Im Zentrum befindet sich ein rechteckiger Innenhof. Auf diesen Mittelpunkt der Palastanlage laufen aus vier Richtungen schmale Gänge, dekorierte Korridore und säulengesäumte Galerien zu. Verwirrend ist die scheinbare chaotische Anordnung der verwinkelten Gänge, die einem Labyrinth gleichen. Die Innenräume des Palastes waren reich geschmückt und aufwendig mit Malereien verziert. Insbesondere die Treppenhäuser und Gänge wiesen zahlreiche kunstvolle Mal- und Ornamentarbeiten auf.

Die Ausgrabungen im Palast von Knossos förderten rund 400 steinerne Gefäße ans Tageslicht, die den Amphoren aus der griechischen und römischen Antike ähneln. Einige Tonkrüge besitzen ein Fassungsvermögen von bis zu 78.000 Litern. In den Gefäßen wurden Olivenöl, Wein, Getreide und Honig gelagert, was den Schluss nahelegt, dass sich in Knossos Lagerhäuser und Werkstätten befunden haben. Der bedeutendste Raum im Palast ist der sogenannte Thronsaal. Er wurde nach einem im Inneren aufgefundenen Alabasterthron benannt. An den Seitenwänden ziehen sich steinerne Sitzbänke entlang und im vorderen Bereich steht eine Schale aus vulkanischem Porphyr, die vermutlich zur rituellen Reinigung genutzt wurde. Eine bemerkenswerte Treppenanlage befindet sich am Rand des Palastes von Knossos. Die Treppen stoßen im rechten Winkel aufeinander und werden als Theaterbau gewertet. Bis zu 500 Zuschauer sollen einst auf den Rängen Platz gefunden haben. Schätzungen gehen davon aus, dass in der minoischen Zeit zwischen 10.000 und 100.000 Menschen in der Stadt Knossos gelebt haben.

Zu den spektakulärsten Funden in der Palastanlage gehören farbige Fresken, die seit rund 4.000 Jahren die Wände verzieren. Die Darstellungen zeigen Jungen und Mädchen bei sportlichen Wettbewerben, in deren Verlauf ein akrobatischer Stiersprung ausgeführt wird. Die Damenmode der damaligen Zeit zeigt schmale Röcke und ausgestellte Puffärmel. Überraschend waren Funde innerhalb der Wohngebäude. Bereits im Jahr 1600 v. Chr. waren die Warmwasserheizung, Sitzbadewannen und Latrinen mit Wasserspülung bekannt. Mit viel Aufwand wurde das Regenwasser über ausgeklügelte Leitungssysteme von den Dächern abgeleitet und in Zisternen gesammelt.

Die minoische Kultur gilt heute als die älteste bekannte Hochkultur Europas. Eine genaue Zuordnung einer bestimmten Epoche der Zeitgeschichte gelang wegen des Fehlens schriftlicher Überlieferungen bis heute nicht. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die minoische Kultur etwa ab dem Jahr 3300 v. Chr. durch ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum auf der Insel Kreta entstanden ist. Ab dem Jahr 1100 v. Chr. ist ein Verschmelzen der minoischen mit der mykenischen Kultur festzustellen.

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