Thessaloniki - gegründet 315 vor Christus

Thessaloniki ist eine griechische Großstadt in Zentralmakedonien und mit rund 325.000 Einwohnern die zweitgrößte Metropole des Landes. Die Stadt am Thermaischen Golf wird bereits in der Bibel erwähnt und die zahlreichen frühchristlichen Kirchen und Kathedralen wurden im Jahr 1988 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Thessaloniki
Thessaloniki - gegründet 315 vor Christus

Thessaloniki liegt an den Ausläufern des Chortiatis-Bergmassivs und ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region Makedonien. Die Hafenstadt wurde am Schnittpunkt bedeutender Handelsrouten errichtet, über die bereits vor Jahrtausenden Waren vom Orient nach Europa gelangten. Der Handelshafen der Stadt besitzt eine große wirtschaftliche Bedeutung für den gesamten Balkan und es bestehen Fährverbindungen zu verschiedenen Anrainerstaaten des östlichen Mittelmeeres. Darüber hinaus befindet sich in Thessaloniki der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt Griechenlands. Das Klima in der Stadt ist mediterran mit heißen Sommern und milden Wintern. Zwischen Juni und August erreichen die Tageshöchsttemperaturen regelmäßig Werte jenseits der 30-Grad-Marke. Im Winter kommt es hin und wieder zu Kaltlufteinbrüchen mit Schneefällen und Bodenfrost.

Die Großstadt am Thermaischen Golf blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück und gehörte verschiedenen Herrschaftsbereichen an. Makedonier, Römer, Byzantiner und Osmanen hinterließen ihre Spuren in Thessaloniki. Die Stadtgründung datiert auf das Jahr 315 v. Chr. und erfolgte durch den makedonischen König Kassandros. Bis zum Einfall der Römer im Jahr 168 v. Chr. war Thessaloniki die Hauptstadt des Königreiches Makedonien. Für die antike Großmacht besaß die Stadt durch ihre strategisch günstige Lage eine große wirtschaftliche Bedeutung, denn über Thessaloniki verlief mit der Via Egnatia eine Haupthandelsroute zwischen Rom und dem Orient. Unter den Römern wurde Thessaloniki zur Hauptstadt der Provinz Macedonia. Die bedeutendsten römischen Bauwerke entstanden um das Jahr 300 n. Chr. unter Kaiser Galerius. Der Galeriusbogen gehört noch heute zu den populärsten Sehenswürdigkeiten im Stadtgebiet. Unter byzantinischer Herrschaft entstanden zahlreiche christliche Kirchenbauten und Thessaloniki stieg neben Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zur bedeutendsten Metropole im Byzantinischen Reich auf. Nach einer kurzen Periode venezianischer Herrschaft, die von 1423 bis 1430 andauerte, wurde die Stadt an das Osmanische Reich angegliedert und verblieb bis zum Jahr 1913 unter türkischer Vorherrschaft.

Thessaloniki hat eine Fülle an attraktiven Sehenswürdigkeiten zu bieten. Trotz des reichen kulturellen Erbes dient die Stadt vielen Touristen häufig nur als Durchreisestation in die touristischen Zentren auf der Halbinsel Chalkidiki. Die zahlreichen Bauwerke aus verschiedenen Jahrhunderten bilden einen faszinierenden Architekturmix mit römischen, byzantinischen und osmanischen Elementen. Zahlreiche frühchristliche und byzantinische Kirchen prägen das Antlitz der Innenstadt. Im Jahr 1988 erklärte die UNESCO die Bauwerke zum Weltkulturerbe und stellte sie damit unter besonderen Schutz. Dazu gehört unter anderem das Vlatades-Kloster, dessen Gründung auf das 14. Jahrhundert datiert wird. Dabei handelt es sich um die einzige erhaltene Klosteranlage aus byzantinischer Zeit im Stadtzentrum von Thessaloniki. Zu den bedeutendsten Kirchenbauten gehören die Hagia Sophia aus dem 7. Jahrhundert, die Kirche der Agia Ekaterini aus dem späten 13. Jahrhundert, die Kirche der Heiligen Apostel aus dem 14. Jahrhundert und die Hagia Demetrios aus der Mitte des 7. Jahrhunderts.

Die Hagia Demetrios ist dem Hl. Demetrios von Thessaloniki geweiht, der als Schutzheiliger der griechischen Metropole besonders verehrt wird. Der Vorgängerbau wurde im 4. Jahrhundert auf den Grundmauern einer römischen Therme errichtet. 100 Jahre später entstand an dieser Stelle eine dreischiffige Basilika, die zur Mitte des 7. Jahrhunderts einem fünfschiffigen Kirchenbau weichen musste. Unter osmanischer Vorherrschaft wurde die Kirche, wie viele andere christliche Gotteshäuser in Thessaloniki, als Moschee genutzt. Zu den wertvollsten Fresken gehören byzantinische Mosaike aus dem 5.-9. Jahrhundert, die nach einem Brand im Jahr 1917 freigelegt wurden. Einflüsse der venezianischen Renaissance sind an einem Marmorgrabmal aus dem Jahr 1481 zu erkennen und in der Euthymios-Kapelle können Sie kunstvolle Malereien aus dem 14. Jahrhundert bewundern. Die frühchristliche Basilika besitzt zwei Arkadenreihen im Innenraum und eine Krypta, die an dem Ort platziert wurde, an der der Überlieferung zufolge der Hl. Demetrios getötet worden sein soll.

Zu den Wahrzeichen von Thessaloniki gehört mit dem Galeriusbogen ein Bauwerk aus der römischen Antike. Kaiser Galerius war der Nachfolger von Diokletian und regierte das Römische Reich von 305 bis zu seinem Tod im Jahr 311 n. Chr. Der Galeriusbogen ist ein Triumphbogen, der an den Sieg der Römer über den Perserkönig Narses erinnert. Das vierteilige Bauwerk bestand ursprünglich aus vier Pfeilern, die von einem Tonnengewölbe überdeckt waren. Heute sind von dem Triumphbogen nur noch zwei Pfeiler erhalten, die mit zahlreichen Reliefs verziert sind. Sie zeigen Szenen aus dem Perserfeldzug, den der römische Kaiser Galerius siegreich beendete. Die Darstellungen wurden in einem Zyklus angeordnet, der durch eine fortlaufende Nummerierung in römischen Ziffern gekennzeichnet wird. Der Triumphbogen wird heute als ein Meisterwerk der antiken römischen Propaganda angesehen, denn in zahlreichen Reliefs wird der Kaiser und sein Sieg über den Gegner verherrlicht.

Zu den eindrucksvollsten Festungsbauten in Thessaloniki gehört das Heptapyrgion. Die Zitadelle erhebt sich auf dem als Akropolis bezeichneten Burgberg der Stadt und die Grundmauern stammen vermutlich aus dem 4. Jahrhundert. Übersetzt bedeutet Heptapyrgion so viel wie "Sieben Türme". Die fünf Türme im nördlichen Bereich der Festung stammen vermutlich aus dem 9. Jahrhundert, während die beiden südlichen Türme erst im 12. Jahrhundert errichtet worden sein dürften. Nach der Eroberung Thessalonikis durch die Osmanen im Jahr 1431 wurde die Festung ausgebaut. Dabei wurden Teile der alten byzantinischen Stadtmauer einbezogen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte die türkische Garnison hinter den historischen Mauern ihren Sitz, danach wurde das Heptapyrgion bis zum Jahr 1989 als Gefängnis genutzt. Ein Jahr später zogen verschiedene Institute der Cornwell-Universität und der Aristoteles-Universität in die Festung ein. Bemerkenswert sind die an der Südseite des Torturmes eingemauerten Skulpturen aus byzantinischer Zeit.

Unmittelbar am Ufer des Mittelmeeres erhebt sich mit dem sogenannten Weißen Turm das Wahrzeichen der Hafenstadt Thessaloniki. Das Bauwerk wurde im 15. oder 16. Jahrhundert errichtet und bildete den südöstlichen Abschluss der Seemauern, die die Stadt einst umgaben. Der Weiße Turm ersetzte einen Vorgängebau aus byzantinischer Zeit und ist osmanischen Ursprungs. Er diente im Verlauf der Jahrhunderte als Verteidigungsbollwerk, als Garnisonsstandort und als Gefängnis. Heute ist in dem alten Gemäuer ein Museum untergebracht. Bis zum Jahr 1917 war der Weiße Turm von einer Mauer umgeben. Der Turm besteht aus zwei übereinanderliegenden Bauteilen, die durch einen umlaufenden Wehrgang unterbrochen werden. Im Innenbereich liegen sechs Stockwerke mit einem zentralen Raum übereinander, die einen freien Zugang zu den in der Außenmauer eingelassenen Schießscharten ermöglichten. Der Aufgang windet sich spiralförmig im Inneren des Turmes in die Höhe. Die Bezeichnung Weißer Turm erhielt das Bauwerk im Jahr 1912, als die Hafenstadt Thessaloniki von griechischen Truppen erobert wurde und der Turm anschließend einen blendend weißen Anstrich erhielt.

Thessaloniki ist ein bedeutendes kulturelles Zentrum Griechenlands und war im Jahr 1997 Europäische Kulturhauptstadt. In der Metropole wurde der Gründer des türkischen Staates Atatürk im Jahr 1881 geboren. Sein Geburtshaus ist heute ein Museum und eine Gedenkstätte. In der Dauerausstellung werden alte Fotografien und Gegenstände aus dem persönlichen Besitz des ersten Präsidenten der Türkei gezeigt. Zahlreiche Museen in der Innenstadt locken darüber hinaus kultur- und kunstinteressierte Besucher an. Im Weißen Turm ist das Museum der byzantinischen Kultur untergebracht und im ehemaligen Lazaristen-Kloster befindet sich heute das Staatliche Museum für Zeitgenössische Kunst. Dort werden Kunstwerke griechischer Künstler präsentiert. Daneben zählen das als Noesis bezeichnete Wissenschaftszentrum und Technisches Museum sowie das Jüdische Museum zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Stadt. In Letzterem wird anhand zahlreicher Exponate und Fotografien die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Thessaloniki dokumentiert.

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