Tower Bridge - kombinierte Hänge- und Klappbrücke

Die Tower Bridge ist eine Klappbrücke, die den Fluss Themse überquert und die Londoner Stadtbezirke Tower Hamlets und Southwark verbindet.

Großbritannien London Tower Bridge
London Tower Bridge

Die Tower Bridge ist die östlichste Stadtbrücke der britischen Hauptstadt und wurde nach dem Tower of London benannt, der sich am nördlichen Flussufer in unmittelbarer Nähe der Brücke erhebt. Auf der gleichen Seite liegen die St. Katharine Docks, die einst Teil des Londoner Hafens waren und später zum Wohn- und Vergnügungsviertel umgebaut wurden. Am Südufer erhebt sich mit der City-Hall das moderne Rathaus der Millionenmetropole an der Themse. Die Tower Bridge wurde im Jahr 1894 eingeweiht und für den Verkehr freigegeben. Das wachsende Verkehrsaufkommen in der britischen Hauptstadt machte zum Ende des 19. Jahrhunderts einen Brückenneubau erforderlich. Da sich wichtige Hafenanlagen stromaufwärts befanden, wurde eine fest installierte Brückenkonstruktion von Anbeginn ausgeschlossen. Im Jahr 1876 wurde eine Kommission eingesetzt, die sich mit der Lösung dieser Aufgabe befassen sollte. Acht Jahre später wurde ein Vorschlag des Stadtbaumeisters der City of London angenommen und der Brückenbau genehmigt.

Die Grundsteinlegung für die Tower Bridge erfolgte im Jahr 1886. Dabei wurden zunächst die beiden Stützpfeiler mit einem Gewicht von jeweils 70.000 Tonnen im Flussgrund verankert. Die Türme wurden im neugotischen Stil erbaut und mit einer Kalksteinfassade verkleidet, um das darunterliegende Stahlgerüst vor Korrosion zu schützen. Die Tower Bridge war sowohl als Straßen- als auch als Fußgängerbrücke konzipiert. Der Übergang für die Fußgänger liegt oberhalb der Fahrbahn und der Eingang befindet sich jeweils in einem der beiden Türme. Zwischen 1910 und 1982 war der Übergang für Fußgänger geschlossen, weil er als Tummelplatz für Taschendiebe und Prostituierte galt. Seit der Wiedereröffnung im Jahr 1982 dient der Fußgängerübergang als Museum und Aussichtspunkt. Fußgänger können die Brücke auch passieren, wenn die Verkehrsfläche für eine Schiffspassage hochgeklappt werden musste. Heute wird dieser Vorgang nur noch durchgeführt, wenn größere Kreuzfahrtschiffe die Tower Bridge passieren. Die Schiffe der Londoner Ausflugsschifffahrt und Privatjachten unterqueren die Brücke, ohne dass die Klappmechanismen zum Einsatz kommen.

Die Tower Bridge ist eine kombinierte Hänge- und Klappbrücke. Sie besitzt eine Länge von 244 Metern und die Fahrbahn liegt rund neun Meter über der Wasseroberfläche der Themse. Die Türme sind 65 Meter hoch und der Abstand zwischen den Stützpfeilern beträgt 61 Meter. Oben werden die Türme durch die Fußgängerstege verbunden, die gleichzeitig eine stabilisierende Funktion besitzen. Die Fußgängerbrücke liegt 43 Meter über der Themse und kann nicht eingeklappt werden. Die einklappbaren Brückenteile können bei Bedarf bis zu einem Winkel von 86 Grad aufgestellt werden. Der Öffnungs- und Schließmechanismus basiert auf einem hydraulischen System, das ursprünglich über Wasserdruck betrieben wurde. Dabei wurde Wasser in zwei Druckspeicher gepumpt und auf diese Weise Energie gespeichert, die beim Hochklappen der Fahrbahn freigesetzt wurde. Das System war außerordentlich effizient. Innerhalb von zwei Minuten konnten bereits am Ende des 19. Jahrhunderts die Fahrbahnhälften angeklappt werden.

Als wichtiger Teil des Londoner Straßennetzes wird die Tower Bridge täglich von mehr als 40.000 Fahrzeugen überquert. Eine Mautpflicht besteht nicht, allerdings ist die Geschwindigkeit auf dem Londoner Wahrzeichen auf 20 Meilen pro Stunde begrenzt, was mithilfe eines automatischen Kamerasystems überwacht wird. In der Gegenwart wird die Tower Bridge nur noch zu zeremoniellen Anlässen geöffnet und um Kreuzfahrtschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Vollständig aufgeklappt wurde die Fahrbahn beispielsweise anlässlich der Trauerfeier für den britischen Premierminister Sir Winston Churchill im Jahr 1965 und zum 60-jährigen Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. im Jahr 2012. Im Nordturm der Tower Bridge ist ein Museum untergebracht, das anhand von Dokumenten und Bildern die Geschichte der berühmten Brücke erzählt. Der Zugang ist nur gegen die Zahlung eines Eintrittsgeldes möglich. Das Ticket berechtigt gleichzeitig zum Besuch des ehemaligen Maschinenraumes mit den historischen Hydraulikanlagen, der sich am Südufer befindet.

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