Irlands Geschichte – ein kurzer Überblick

In Irland sind viele Zeugnisse der bewegten Geschichte des Landes zu sehen, egal, ob Steinkreise, Klosterruinen oder keltische Kreuze. Die Grüne Insel ist über Tausende von Jahren immer wieder der Schauplatz von Eroberungen und Zerstörungen gewesen. Doch den irischen Willen nach Unabhängigkeit konnten auch die englischen Besetzer nicht brechen. Im Jahr 1921 wurde die Insel bis auf Nordirland eigenständig und ist seit 1973 auch Mitglied der Europäischen Union.

Irland Geschichte - Christchurch in Dublin
Irland Geschichte - Christchurch in Dublin

Auf der Insel leben heute etwas mehr als vier Millionen Menschen, wobei es vor rund 150 Jahren noch fast doppelt so viele waren. Die Menschen sowie die Geschichte Irlands sind von den zahlreichen Invasionen durch fremde Völker geprägt und die Besetzung durch die Engländer führte beispielsweise dazu, dass die Amtssprache in ganz Irland Englisch ist.

Höchstwahrscheinlich wurde Irland um 10.000 v. Chr. von den ersten Menschen besiedelt. Diese ersten Völker sind als "Tuatha de Danaan" und "Firbolgs" bekannt; viel mehr als diese Namen weiß man jedoch nicht über sie. Den ersten Siedlern folgten keltische Einwanderer, die aus dem nordfranzösischen Raum kamen. Diese bildeten verschiedene kleine Königreiche, die sie im Laufe der Zeit zu fünf großen Herrschaftsgebieten zusammenschlossen: Connacht, Leinster North, Leinster South, Munster und Ulster. Die Hauptstadt war Tara und erst 1998 wurde eine aus dieser Zeit stammende Straße entdeckt, die von den Ballyhoura Hills zu den Nagle Mountains führt.

Irland wurde anders als viele Regionen in Europa niemals von den Römern erobert und bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. war die Insel zumeist sich selbst überlassen. Das änderte sich mit der Ankunft des Missionars Patrick, der die Insel christianisierte, was zu einem religiösen und kulturellen Aufschwung führte. Im 7. Jahrhundert folgten erste Klöster und die adligen Äbte, Bischöfe und Landbesitzer wurden immer mächtiger.

Die Wikinger überfielen die Insel von 795 bis ins 11. Jahrhundert immer wieder und ließen sich teilweise auch in Irland nieder. So sind beispielsweise die Städte Dublin, Limerick, Waterford und Wexford von den Wikingern gegründet worden. 1014 wurden die Wikinger vom Hochkönig Brian Boru besiegt.

Mit Billigung der Kirche fiel der englische König Heinrich II in den Jahren 1171/72 in Irland ein und erklärte die Insel zur Lordschaft Irland. Die gälischen Aristokraten wurden von den englischen Baronen, die ein Feudalsystem errichteten, vertrieben. 1541 ließ sich Heinrich zum König von Irland ausrufen. Er wollte die Iren der anglikanischen Kirche anschließen, diese weigerten sich aber und es kam zu Aufständen. Heinrich ließ daraufhin 400 irische Klöster zerstören und verteilte die Ländereien an getreue Landsleute aus England. Seine Nachfolger betrieben diese Politik weiter und alle Aufstände der Iren in den Jahren 1569 bis 1595 blieben erfolglos.

Das von den Stammesführern eingeführte soziale und politische System wurde im Jahr 1603 von König Jacob I beseitigt und in Dublin etablierte sich eine Zentralgewalt. Die Widerstände der irischen Bevölkerung hielten an, bis schließlich im 17. Jahrhundert der protestantische König Wilhelm II dem irischen König James II eine vernichtende Niederlage zufügte. Daraufhin wurden die katholischen Landbesitzer von den Protestanten abgelöst und ab nun wurde Irland von der englischen Aristokratie beherrscht. Das gezielte Handelsverbot für irische Wollerzeugnisse verwandelte Irland in ein Armenhaus. Hungersnöte und Aufstände waren die Folge und das irische Parlament wurde aufgelöst und die Staatskirchen zwangsvereinigt. Was blieb, war die Abhängigkeit von England.

In den Jahren 1845 bis 1850 grassierte die Kartoffelfäule, wodurch es zu einer der schlimmsten Hungersnöte der Geschichte kam. Zwei Millionen Iren verhungerten und weitere 1,5 Millionen wanderten nach Amerika aus. England half während der Hungersnot nicht, was zu weiteren Aufständen führte. Die Auseinandersetzungen hielten über Jahrzehnte an und ein Aufstand im Jahr 1914 führte kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs beinahe zu einem Bürgerkrieg. Ein weiterer Aufstand wurde von den Briten 1916 niedergeschlagen.

Der Unabhängigkeitskrieg von 1919 bis 1921 führte schließlich zur Gründung des Irischen Freistaats und in der Folge wurde die Insel zweigeteilt und Nordirland fiel an das Vereinigte Königreich. Nordirland zerfiel in zwei politische Lager: die katholisch-irischen Republikaner, welche die Wiedervereinigung mit der Republik Irland wünschten, und die Protestanten, die meist von britischen Zuwanderern abstammten und den Verbleib Nordirlands unter britischer Herrschaft befürworteten.

Die Republik Irland wurde 1949 offiziell ausgerufen und noch im selben Jahr trat die Republik aus dem Commonwealth aus. Die sechs Grafschaften in Nordirland verblieben im Vereinigten Königreich. Bis heute überschattet der Nordirlandkonflikt das politische Verhältnis zwischen Irland und dem Vereinigten Königreich. Eine Entspannung des Konfliktes wurde 1998 mit der Unterzeichnung des Karfreitagabkommens erreicht. In diesem Abkommen verzichtete die Republik Irland offiziell auf eine Wiedervereinigung mit Nordirland.

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