Newgrange im Boyne Valley - eine Kultstätte

Newgrange ist eine prähistorische Grabhügelanlage im Boyne Valley. Das Tal beherbergt eine große Ansammlung frühzeitlicher Kultstätten und Grabhügel, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören.

Newgrange
Newgrange - eine Kultstätte

Newgrange gehört zu den weltweit bedeutendsten Megalithanlagen aus prähistorischer Zeit. Es liegt im Boyne Valley, das vom gleichnamigen Fluss durchflossen wird und gehört zu einer ganzen Reihe von Hügelgräbern, deren Alter auf mehr als 5.000 Jahre geschätzt wird. Newgrange liegt in der Nähe einer Flussbiegung inmitten einer fruchtbaren Talebene. Die Entstehungszeit der Megalithanlage wird auf das Jahr 3150 v. Chr. datiert. In der näheren Umgebung befinden sich mit dem Hügelgräbern Knowth und Dowth weitere Anlagen, die noch älter sind als Newgrange. Jahrhundertelang wurde die vorgeschichtliche Grabanlage nicht als solche wahrgenommen. Die Bauern der Umgebung hielten den Berg für eine natürliche Erhebung am Flussufer. Der Hügel diente als Weideland und war von hohen Bäumen umgeben. Die zufällige Entdeckung durch den Grundbesitzer Charles Campbell ereignete sich im Jahr 1699, als er einen Steinhaufen an der Anlage entfernen ließ. Im gleichen Jahr setzten erste Untersuchungen der Oxford University an der Megalithanlage ein.

Der Physikprofessor Sir Thomas Molyneux beschrieb später zwei menschliche Skelette, die am Boden des Grabes gefunden wurden. Im Jahr 1882 trat in Irland das Gesetz zum Schutz antiker Monumente in Kraft und die Anlage wurde unter Schutz gestellt. Eine systematische Erforschung ließ jedoch weiter auf sich warten. Am Ende des 19. Jahrhunderts förderten kleinere Grabungen verzierte Steine zutage. In den Jahren 1928 und 1956 fanden weitere Grabungen am äußeren Steinring statt. Dabei wurden prähistorische Werkzeuge entdeckt. Im Jahr 1962 begannen die Forscher mit einer systematischen Untersuchung der Grabanlage. Die gewonnenen Erkenntnisse belegten, dass der Eingang von Newgrange nach astronomischen Koordinaten ausgerichtet war. Im Inneren der Grabanlage wurden die Skelette von fünf weiteren Menschen sowie diverse Grabbeilagen gefunden. Nach der gründlichen Erforschung wurde im Jahr 1975 mit der Rekonstruktion und Sicherung des steinernen Monuments begonnen.

Ziel der Rekonstruktionsmaßnahmen war es, die Anlage den Besuchern zugänglich zu machen. Es sollte ein möglichst realistisches Bild von der Größe und Ausstattung der Grabanlage vermittelt werden. Der Innenbereich wurde mit Betonstützen gesichert und der Eingang wurde neu gestaltet. Heute kann Newgrange besichtigt werden und die Anlage gehört zu den meistbesuchten Attraktionen Irlands. Der Grabhügel besitzt den beeindruckenden Durchmesser von etwa 90 Metern. Der Hügel selbst besteht zum größten Teil aus mit Gras bewachsenen Steinen. Ein Steinring bildet die äußere Begrenzung. Forscher vermuten, dass der Ring früher als Fundament für eine Granitmauer diente. Der Steinring wurde nach den Ausgrabungen originalgetreu nachgebildet. In das Innere der Anlage führt ein 22 Meter langer Gang, der in einer kreuzförmigen Grabkammer endet. Die Kammer selbst ist rund sieben Meter hoch und liegt unter einem frühgeschichtlichen Kraggewölbe, das nach rund 5.000 Jahren noch immer wasserdicht ist. Die präzise astronomische Ausrichtung von Newgrange lässt an 13 Tagen im Jahr zur Zeit der Wintersonnenwende einen Lichtstrahl durch eine kleine Öffnung in der Nähe des Eingangs dringen. Der Lichteinfall erhellt für rund 15 Minuten die Kammer und den Gang.

Neben Newgrange gehören die Megalithanlagen von Dowth und Knowth zu den bedeutendsten prähistorischen Zeugnissen im Boyne Valley. Dabei handelt es sich um ältere Anlagen. In den Hügelgräbern wurden aufwendig verzierte Steine gefunden, die mit kunstvollen Ornamenten bedeckt waren. Im kleinen Dorf Donore befindet sich das Besucherzentrum im Boyne Valley. Hier nehmen die geführten Touren zu den vorgeschichtlichen Grabanlagen ihren Anfang. Der Besuch von Newgrange und weiteren Kultstätten und Megalithgräbern ist nur im Rahmen einer öffentlichen Führung möglich. Im Boyne Valley befindet sich die größte Ansammlung vorgeschichtlicher Monumente auf so engem Raum in Irland. Die Großstein-Anlagen gehören seit 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO. In der näheren Umgebung der prähistorischen Anlagen wurden darüber hinaus zahlreiche Gräber jüngeren Datums sowie unterirdische Bauten aus dem Mittelalter entdeckt.

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