Rock of Cashel - einst Wohnort der Feen und Geister

Der Rock of Cashel mit der gewaltigen Ruine der mittelalterlichen Kathedrale ist eine Attraktion im Süden Irlands und besitzt eine magische Anziehungskraft auf Besucher der grünen Insel.

Rock of Cashel
Rock of Cashel - einst Wohnort der Feen und Geister

Sagen und Legenden ranken sich um den Rock of Cashel, der die Attraktion der gleichnamigen Gemeinde im Süden Irlands darstellt. Weithin sichtbar erheben sich auf dem Felsen die gut erhaltenen Überreste einer mächtigen gotischen Kathedrale aus dem Mittelalter. Mit ihren eindrucksvollen Türmen, filigranen Spitzgiebeln und mächtigen Zinnen steht die Kirche seit Jahrhunderten wie ein Monument in der flachen Ebene des Counties Tipperary. Der 65 Meter hohe Berg galt früher als Wohnort von Feen und mythologischen Geiserwesen und wurde wie ein Heiligtum verehrt. Die Geschichte des Rock of Cashel reicht weit zurück in die Vergangenheit und beginnt im 4. Jahrhundert. Die strategisch günstige Lage der Erhebung mit dem weiten Blick über die flache Ebene weckten Begehrlichkeiten. Der Überlieferung zufolge eroberte der Clan der Eoghanachta den Berg im 4. Jahrhundert und errichtete den Familiensitz an dieser Stelle. Fortan war der Rock of Cashel mit seiner Befestigungsanlage Sitz der Könige von Munster.

Eine Legende aus dem Jahr 445 berichtet von der Taufe des damaligen Königs Aengus durch den heiligen Patrick, der zu dieser Zeit den Bischofssitz innehatte. St. Patrick musste anlässlich der Feierlichkeiten eine Predigt abhalten und wollte zu diesem Zweck seinen Bischofsstab mit der Metallspitze in das weiche Erdreich rammen. Das Vorhaben misslang. Statt den Stab in den Boden zu stecken, bohrte sich die Metallspitze durch den Fuß des Königs, der unmittelbar neben dem Bischof stand. Dieser hielt die Maßnahme für einen Teil der Zeremonie und ertrug die Schmerzen wortlos bis zum Abschluss der Predigt. Als geschichtlich belegt gilt die Existenz einer Festung des Königs Brian Boru auf dem Felsen im 10. Jahrhundert. Im Jahr 1101 entschied der damalige König Muircheartach O'Brian, den Felsen der Kirche unentgeltlich zu überlassen.

Der erste Erzbischof von Cashel begann im Jahr 1127 mit einem ersten Kirchenbau auf dem Berg. Die Kapelle wurde im irisch-romanischen Stil errichtet und steht noch heute auf dem Rock of Cashel. Sie ist das älteste Bauwerk auf dem Felsen. Mit dem Bau der gewaltigen Kathedrale wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Das sakrale Bauwerk durchlebte in den folgenden Jahrhunderten turbulente Zeiten. Im Jahr 1495 steckte der Earl of Kildare die Kathedrale in Brand und musste sich anschließend vor dem König verantworten. Es genügte seine Aussage, er habe mit dem Brandanschlag den Erzbischof töten wollen, um den König zu einem Freispruch zu bewegen. Knapp 200 Jahre später, im Jahr 1647, diente die Kirche mehr als 3.000 Menschen als Zufluchtsort, die hier vor den angreifenden Truppen Cromwells Schutz suchten. Die Eroberer steckten das Gotteshaus in Brand und alle Menschen kamen ums Leben. Ab 1750 wurde die Kathedrale mehr und mehr dem Verfall preisgegeben.

Bei einer Besichtigung des monumentalen Bauwerks wird Ihnen auffallen, dass die Kathedrale aus mehreren älteren Gebäudeteilen besteht und von diesen eingerahmt wird. Der Bau des mächtigen Rundturmes am nördlichen Querschiff wird auf das 12. Jahrhundert datiert. Die kleine romanische Kapelle Cormac’s Chapel ist der Vorgängerbau der monumentalen Kirche und stammt ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert. Eine fein gearbeitete Steinskulptur befindet sich über dem Nordeingang. Die Kirche beherbergt ein mittelalterliches Tonnengewölbe und einen Säulengang. Die Kathedrale selbst wurde im Stil einer gotischen Kreuzkirche erbaut. Der Wohnturm im Westen und der Turm über der Vierung wurden im 15. Jahrhundert hinzugefügt. Im Keller des Gotteshauses wird ein stark erodiertes St. Patricks Kreuz aus dem 12. Jahrhundert aufbewahrt. Es ist mit einer Christusfigur und der Abbildung eines Bischofs versehen. Der Ort Cashel entstand im Zuge der Baumaßnahmen für die Kathedrale im 13. Jahrhundert. Am Fuß des Berges können Sie den Ruinen der Hore Abbey einen Besuch abstatten. In dem ehemaligen Kloster wurden im Mittelalter Mönche und Geistliche ausgebildet.

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