Island und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Island hat eine relativ junge Geschichte. Auch wenn archäologische Funde römische Münzen zutage förderten, die auf das 3. Jahrhundert n. Chr. datiert werden konnten, ist aus dieser Zeit sonst so gut wie nichts bekannt. Die nachgewiesene Besiedelung Islands sowie der vorgelagerten Westmänner-Inseln fand erst zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert durch aus Norwegen und von den nördlichen britischen Inseln kommenden Wikinger statt, die versklavte Kelten mitbrachten. Manche Historiker gehen davon aus, dass zu jener Zeit irische Mönche auf Island lebten, die dann von den Wikingern vertrieben wurden, aber dieser Umstand ist nicht belegt.

Die ersten Wikinger verirrten sich auf dem Weg auf die Färöer Inseln nach Island und als offiziell erster Siedler wird Ingólfur Arnarson genannt, der um das Jahr 870 mit seiner Familie und dem gesamten Hausstand aus Norwegen auswanderte, da er dort sein ganzes Land verloren hatte. Eine Statue Ingólfur Arnarsons als erstem Siedler auf Island steht heute in der Hauptstadt Reykjavik. Dort gründete Arnarson auch seine Siedlung, und es folgten rund 400 Häuptlingsfamilien aus Norwegen, um sich hier anzusiedeln. Schon bald nach der Landnahme bildeten sich erste Versammlungen heraus und 930 schlossen sich die einzelnen Stammesführer zu einem isländischen Freistaat zusammen und beriefen die erste Volksversammlung namens "Althing" ein, die in einem Gebiet namens Þingevellir stattfand. Dieser Ort kann heute besucht werden und ist besonders aus geologischer Sicht interessant, da hier die nordamerikanische und die eurasischen Platte aufeinandertreffen.

Das Althing tagte ab nun jährlich und bot den einzelnen Herrschern des Landes eine Plattform, um dort die Gesetzgebung und Rechtsprechung zu diskutieren und zu regeln. So gesehen kann man das Althing als ältestes – noch heute bestehendes – Parlament Nordeuropas bezeichnen. Ähnliche demokratische Strukturen kannte man zu jener Zeit beziehungsweise früher nur von den Hellenen in Griechenland sowie von den Sachsen.

965 beschloss das Althing die Aufteilung Islands in vier Gebiete, um die Verwaltung und auch die Rechtsprechung zu vereinfachen. Dazu gab es in jedem Landesteil eigene Richter, die sich um die Einhaltung der Gesetze kümmerten. Zeitgleich mit der Strukturierung Islands fand auch eine Missionierung der Einwohner statt und ein Großteil der Bevölkerung trat dem Christentum bei.

Ab dem Jahr 1262 befand sich Island mit seinen bereits rund 80.000 Einwohnern unter norwegischer Herrschaft, bis gute hundert Jahre später die Dänen nicht nur die Macht über Norwegen, sondern auch über Island ergriffen. Die Dänen sollten bis ins 20. Jahrhundert die herrschende Macht in Island bleiben. Während ihrer Regentschaft setzten sie unter anderem die Reformation durch und verhängten ein Handelsmonopol, das die einheimische Bevölkerung in die Armut trieb. Damit nicht genug, wurde das Land im frühen 15. Jahrhundert von der Pest heimgesucht, der rund zwei Drittel der gesamten Bevölkerung zum Opfer fielen. Ende des 18. Jahrhunderts herrschten bittere Hungersnöte und mehrere gewaltige Vulkanausbrüche verschlimmerten die Lage noch. Die Bevölkerung dezimierte sich aufgrund dieser Naturgewalten dramatisch.

1800 wurde das Althing aufgelöst und sollte erst 43 Jahre später wieder tagen. Die nun wieder funktionierende Versammlung der Insel-Oberen beschloss in den Folgejahren nicht nur die Freigabe des Einzelhandels, sondern auch das Aufsetzen einer eigenen Verfassung. 1904 gestand die dänische Regierung Island die Selbstverwaltung, allerdings unter dänischer Hoheit, zu. 1918 wurde Island in die faktische Unabhängigkeit in Form einer Personalunion mit der dänischen Monarchie entlassen. Im Jahr 1944 schließlich sprach sich die Mehrheit der Isländer in einem Referendum für die Unabhängigkeit aus und so wurde am 17. Juni desselben Jahres im Beisein tausender Menschen in Þingevellir die Republik ausgerufen.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Insel im Zweiten Weltkrieg aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage zwischen Nordamerika und Europa erst von den Briten und dann von den Amerikanern besetzt wurde, die übrigens noch heute dort einen Luftwaffenstützpunkt unterhalten.

Nach den schwierigen Kriegsjahren wandelte sich Island bald zu einer wirtschaftlich erfolgreichen Nation. Der wirtschaftliche Aufschwung war dabei vor allem dem Fischfang zu verdanken. Island dehnte seine Fischereigewässer immer weiter aus, bis es in den 1970er-Jahren zu den sogenannten Kabeljau-Kriegen mit Großbritannien kam, die erst 1985 geschlichtet werden konnten. Diese Auseinandersetzungen sind bis heute ein Grund, weshalb Island nicht der EU beitritt. Im Falle eines Beitritts müsste das Land nämlich seine Gewässer für die internationale EU-Flotte öffnen. Der Wohlstand im Land führte zu einem hohen Lebensstandard und einer extrem starken Währung. Die isländische Krone wurde jedoch im Zuge der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 derart entwertet, dass das Land schließlich zahlungsunfähig wurde. Seitdem hat sich die Haltung Islands gegenüber einem EU-Beitritt sowie einer daraus folgenden Einführung des Euro als alleiniges Zahlungsmittel stark geändert und seit 2010 befindet sich das Land in Beitrittsverhandlungen mit der EU.

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