Gullfoss – der Goldene Wasserfall

Gullfoss ist ein gewaltiger Wasserfall im Süden Islands, der an der stark frequentierten Besichtigungsroute Goldener Ring liegt und zu den eindrucksvollsten Naturwundern der Atlantikinsel gehört.

Gullfoss
Gullfoss

Gullfoss wird als Goldener Wasserfall bezeichnet. Diesen Beinamen hat der Wasserfall seiner charakteristischen Färbung bei einem bestimmten Sonnenstand zu verdanken. Aus der Entfernung schimmert das Wasser in der Nachmittagssonne in zahlreichen goldenen Facetten. Darüber hinaus wölbt sich bei sonnigem Wetter ein eindrucksvoller Regenbogen über den herabstürzenden Wassermassen. Der Goldene Wasserfall liegt im Haukadalur Tal unweit eindrucksvoller Geysire, die im Minutenabstand gewaltige Wasserfontänen in die Luft schießen. Gullfoss ist ein Wasserfall des Gletscherflusses Hvítá und besteht aus zwei Stufen, die im rechten Winkel zueinander liegen. Dieser geologischen Formation verdankt der Wasserfall sein imposantes Erscheinungsbild. Die obere Stufe besitzt eine Höhe von 11 Metern, die zweite Stufe ist 21 Meter hoch. Das Wasser stürzt in eine 70 Meter tiefe Schlucht, die sich auf einer Länge von 2,5 Kilometern unterhalb des tosenden Wassers entlangzieht.

In Abhängigkeit von der Jahreszeit rauschen unterschiedliche Wassermengen in die Tiefe. Im Sommer ist das Volumen, bedingt durch Schmelzprozesse auf dem Gletscher, am höchsten. Bis zu 1.200 m³ Wasser donnern an warmen Sommertagen über den Wasserfall talwärts. Im 20. Jahrhundert kam es zweimal zu sogenannten Gletscherläufen, die den Fluss Hvítá ungeheuer anschwellen ließen. Die Schlucht konnte die Wassermassen nicht mehr schnell genug abführen und füllte sich kontinuierlich, bis die unterste Stufe des Wasserfalls komplett in den Fluten versank. Als Gletscherlauf wird das plötzliche Entleeren eines Gletschersees in höheren Lagen bezeichnet. Dieses Phänomen trat in den Jahren 1930 und 1948 auf. Gullfoss entstand nach dem Ende der letzten Eiszeit, als sich die Gletscher langsam zurückzogen und die Landmasse durch das nachlassende Gewicht auftauchte. Am Rand des Wasserfalls befindet sich eine natürlich entstandene Plattform, von der Sie den besten Blick auf das überwältigende Naturphänomen haben.

Die Fallkante beider Stufen des Wasserfalls besteht aus unterschiedlichen Lavaschichten, zwischen denen sich eine Schicht aus weichem Flussschotter befindet. Die gewaltige Kraft des Wassers trägt die weichen Ablagerungen mühelos ab und unterspült auf diese Weise die Basaltschichten. Regelmäßig brechen aus diesem Grund Teile der Fallkanten weg. Auf diese Weise entstand seit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren die tiefe Schlucht. Für geologische Verhältnisse laufen diese Prozesse mit enormer Geschwindigkeit ab. Die Rückschreitung des Wasserfalls beträgt pro Jahr rund 30 Zentimeter. Im Fall von Gletscherläufen und nach der Schneeschmelze führt der Fluss besonders viel Wasser und die Strömungsgeschwindigkeit erhöht sich beträchtlich, was die Erosionsprozesse zusätzlich beschleunigt. Die Basaltschichten weisen an verschiedenen Stellen Brüche auf, die auf Erdbeben in der Vergangenheit zurückzuführen sind. Die rechtwinklig zueinanderstehenden Stufen des Wasserfalls markieren solche Bruchstrukturen und verleihen dem Gullfoss sein unverwechselbares Aussehen.

Dass der Goldene Wasserfall in seiner ganzen Schönheit heute noch existiert, ist einer mutigen Frau zu verdanken. Die Bauerntochter Sigríður Tómasdóttir kämpfte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts unerbittlich gegen englische Spekulanten, die am Wasserfall eine Staustufe mitsamt Kraftwerk errichten wollten. Mithilfe eines Rechtsanwaltes und der Unterstützung durch den damaligen isländischen Präsidenten gelang es ihr schließlich, das Vorhaben zu stoppen. In der Nähe des Wasserfalls erinnert eine steinerne Gedenktafel an die beherzte Frau. Ein weiteres Projekt zur Nutzung der Wasserkraft für die Energieerzeugung wurde im Jahr 1977 abgelehnt. Die Pläne sahen vor, rund drei Viertel der gesamten Wassermenge umzuleiten, um damit die Turbinen eines Kraftwerkes zu betreiben. Gullfoss steht seit 1979 unter Naturschutz. In der Nähe des Wasserfalls befindet sich ein Hotel, das Sie als Übernachtungsmöglichkeit nutzen können, wenn Sie einen längeren Aufenthalt in der Gegend planen. Das familiär geführte Haus liegt unmittelbar zwischen dem Geysirfeld und dem Wasserfall an der Besichtigungsroute Golden Circle.

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