Mývatn - von aktivem Vulkanismus geprägt

Die Myvatn-Region im Nordosten Islands besteht aus dem Mývatn-See und der aktiven Vulkankette des Krafla-Systems.

Myvatn
Myvatn

Das als Mückensee bezeichnete Binnengewässer Mývatn-See liegt im Nordosten Islands inmitten einer Region, die von aktivem Vulkanismus geprägt ist. Der See bedeckt eine Fläche von 37 Quadratkilometern und ist damit der viertgrößte Süßwassersee der Atlantikinsel. Er liegt auf einer Höhe von 288 Metern über dem Meeresspiegel und entstand durch vulkanische Aktivität. Durch die Region verläuft die Grenze zwischen der Amerikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatte. Beide Platten driften mit einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Zentimetern pro Jahr auseinander. Der Mývatn-See entstand vor etwa 3.500 Jahren als Folge eines Ausbruchs des Ketildyngja-Vulkans. Die entweichende Lava blockierte damals den Abfluss des Mývatn-Beckens und staute den See auf. 1.500 Jahre später ereignete sich ein weiterer Ausbruch zweier Vulkane, deren Lava den Mückensee zum Teil überfloss und dem Gewässer seine heutige Form verlieh.

Die Bezeichnung Mückensee rührt von den beachtlichen Mückenschwärmen her, die in den Sommermonaten über dem See kreisen. Bei der Mehrheit der Insekten handelt es sich um sogenannte Zuckmücken, die nicht stechen. In bestimmten Perioden zwischen Juli und August bilden die Mücken riesige Schwärme in den Uferregionen, die aus der Ferne wie schwarze Rauchsäulen über dem See zu schweben scheinen. Die Larven der Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für eine große Fischpopulation und zahlreiche Entenarten, die im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses von Ornithologen stehen. Am See befinden sich die Brutgebiete von Pfeif-, Kragen und Eisenten. Ursache für die riesige Mückenpopulation ist die geringe Tiefe des Mývatn-Sees von durchschnittlich nur 2,5 Metern und die vergleichsweise hohen Wassertemperaturen. Das Gewässer wird von heißen unterirdischen Quellen gespeist, die dafür sorgen, dass der See selbst in den Wintermonaten nur selten zufriert. Die Mývatn-Region ist von einem Netz von Wanderwegen durchzogen, die in Gebiete mit aktivem Vulkanismus führen. Die letzten Ausbrüche ereigneten sich in den Jahren 1975 und 1984.

Östlich des Mývatn-Sees erhebt sich der Krater des Hverfjall, den Sie im Rahmen einer Wanderung besteigen können. Er besitzt einen Durchmesser von 1.000 Metern und entstand während eines einzigen Ausbruchs vor rund 2.500 Jahren. Die geschmolzenen Gesteinsmassen aus dem Erdinneren gerieten damals in Kontakt mit dem Grundwasser, was heftige Dampfexplosionen auslöste. In der Folge wurden Millionen Kubikmeter zertrümmertes Gestein innerhalb weniger Tage ausgeworfen. Am Fuß des Kraters liegen die als Dimmuborgir bezeichneten Tuffsteingebilde. Diese sogenannten "Dunklen Burgen" sind eine Region mit bizarren Lavatürmen, geheimnisvollen Grotten und steilen Wänden, die mit ihrem Aussehen an die Strukturen mittelalterlicher Burgen erinnern. Die sogenannten Pseudokrater bei Skútustaðir am Südufer des Mývatn-Sees entstanden etwa zur gleichen Zeit wie die "Dunklen Burgen". Die Entstehung der kleinen Krater geht nicht auf das Entleeren von Magmakammern zurück. Sie wurden durch Dampfexplosionen in die erkaltende Lavaoberfläche gesprengt.

Im östlichen Bereich des Mývatn-See ist der Grabenbruch der Kontinentalplatten sehr gut zu erkennen. Zahlreiche Spalten in der Erdoberfläche markieren den geografischen Verlauf zwischen dem amerikanischen und europäischen Kontinent. An vielen Stellen künden dünne Rauchsäulen von den enormen Temperaturen, die bereits wenige Meter unter der Erdoberfläche herrschen. Einige Spalten mit der Bezeichnung Grjotagjá haben sich mit Wasser gefüllt und bilden kleine heiße Badeseen. Hier nimmt eine 20 Kilometer lange Erdspalte ihren Anfang, die den kontinentalen Grabenbruch markiert. Wie eine Hexenküche mutete das Solfatarenfeld von Námaskarð an. Dabei handelt es sich um brodelnde Schlammtümpel, die aufgrund der heißen Temperaturen im Erdinneren dampfen und zischen und den Schlamm teilweise meterhoch in die Luft spritzen. Das Gebiet des Krafla-Vulkansystems ist äußerst aktiv. Im 18. Jahrhundert kam ein Lavastrom erst unmittelbar vor der Kirche des Ortes Reykjahlíð zum Stillstand. Die Einwohner entgingen damals nur knapp einer Katastrophe. Das Dorf existiert heute noch. Allerdings stammt die Kirche des Ortes aus dem Jahr 1962. Am Mývatn-See wurde im Jahr 2004 ein Thermalbad wiedereröffnet, das Teil der isländischen Badekultur ist.

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