Betancuria - komplett unter Denkmalschutz

Betancuria liegt im Westen von Fuerteventura und war bis zum Jahr 1834 die Hauptstadt der Kanareninsel. Die gesamte Innenstadt steht unter Denkmalschutz.

Betancuria
Betancuria - komplett unter Denkmalschutz

Die kleine Stadt Betancuria ist die älteste Ansiedlung auf Fuerteventura und gehört zu den historisch bedeutsamsten Städten auf der Insel. Einst war die Stadt das Verwaltungszentrum Fuerteventuras und die größte Stadt. Heute leben noch 770 Einwohner in dem Ort, der sich in einer geschützten Lage in einem Tal befindet. Namensgeber für die Siedlung war der spanische Eroberer Jean de Béthencourt, der im Jahr 1404 die Kanareninsel für Kastilien eroberte. Gemeinsam mit seinem Mitstreiter Gadifer de la Salle gründete der normannische Adlige noch im Jahr der Inseleroberung die Stadt Betancuria in einer Talsenke. Zu den ersten Bauwerken, die in der neuen Siedlung errichtet wurden, gehörte die Kirche Santa Maria de Betancuria. Sie wurde im Jahr 1410 eingeweiht und wurde 14 Jahre später die erste Kathedrale der Kanaren.

Die geschützte Lage in einer Talsenke im Binnenland Fuerteventuras hatte der Gründer bewusst gewählt, um die Gefahr von Piratenüberfällen zu minimieren. Die Ansiedlungen an den Küsten der Kanarischen Inseln waren immer wieder von den Übergriffen der Freibeuter betroffen. Die Hoffnung auf Sicherheit im Inselinneren erfüllte sich für Betancuria nicht. Im Jahr 1593 kam es zum bis dahin schwersten Angriff von Piraten, wobei ein Großteil der Gebäude zerstört und die Kirche stark beschädigt wurde. Sie wurde im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut und erhielt damals ihr heutiges Erscheinungsbild. Die Mehrzahl der historischen Gebäude in Betancuria stammt aus dem 17. Jahrhundert. In liebevoller Kleinarbeit wird an der Erhaltung der alten Bausubstanz gearbeitet. Das nostalgische Ambiente in der Stadt wird durch die weiß getünchten Häuser dominiert, die sich in den engen Gassen aneinanderdrängen. Den Status als Hauptstadt verlor Betancuria im Jahr 1834. Damals wurde der Ort Antigua als Regierungssitz festgelegt. Nur 26 Jahre später erfolgt der Umzug in die heutige Inselhauptstadt Puerto del Rosario.

Das Stadtbild von Betancuria wird von der Pfarrkirche Iglesia Nuestra Senora de la Concepcion dominiert, deren Turm bereits aus großer Entfernung sichtbar ist. Nach dem Wiederaufbau im 17. Jahrhundert übernahm die Kirche zusätzlich eine Schutzfunktion. Mit ihren dicken Mauern und den hoch gelegenen kleinen Fenstern ähnelt die Kirche einer Festung. Sie sollte damals der Bevölkerung als Zufluchtsort bei Piratenüberfällen dienen. Zu den ältesten und bedeutungsvollsten Kunstwerken Fuerteventuras gehört die Holzskulptur der Heiligen Katharina im Inneren der Kirche. Sehenswert ist darüber hinaus der barocke Hauptaltar. Mit dem Museo Arto Sacro und dem Casa Museo Arqueologico befinden sich zwei Museen in der Stadt, in denen die Geschichte des Ortes erzählt wird. Der Eingang des archäologischen Museums wird von zwei Kanonen flankiert, die im Jahr 1734 in der Schlacht von Tuineje erbeutet wurden.

Das Kunsthandwerk spielt in Betancuria bis heute eine wichtige Rolle. Das Centro Insular de Artesania ist das kunsthandwerkliche Zentrum Fuerteventuras. Angeschlossen sind einige Verkaufsräume, in denen die handgemachten Keramikwaren und Stickereien gekauft werden können. In derselben Straße können Sie noch einige Häuser aus der Gründerzeit der Stadt bewundern, die im Jahr 1593 die Plünderungen und Zerstörungen durch die Piraten überlebt haben. In der Casa Santa Maria am idyllischen Kirchhof im Stadtzentrum können Sie in der Manufaktur den Handwerkern bei der Herstellung von Keramik, Flechtarbeiten und kunstvollen Stickereien über die Schulter schauen. Im angeschlossenen Restaurant genießen Sie anschließend landestypische Spezialitäten. Beeindruckend ist die kunstvoll restaurierte Holzdecke des Gastronomiebetriebes. Einen Ausflug in die Geschichte unternehmen Sie mit einem Besuch der Ruinen des ehemaligen Franziskanerklosters Convento de San Buenaventura. Sie liegen am nördlichen Ortsrand von Betancuria und stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Von hier nahm nach der spanischen Eroberung der Insel die Missionierung Fuerteventuras durch die Mönche ihren Anfang. Einen traumhaften Ausblick über die Insel haben Sie vom Aussichtspunkt Mirador de Morro de Velosa.

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