Nationalpark Timanfaya - bizarre Steinwüste

Der Nationalpark Timanfaya liegt im Südwesten der Kanareninsel Lanzarote und erstreckt sich in einem Gebiet, das im 18. Jahrhundert von verheerenden Vulkanausbrüchen verwüstet wurde.

Kanaren Lanzarote Timanfaya Nationalpark
Nationalpark Timanfaya

Auf keiner anderen Insel der Kanaren sind die geologischen Aktivitäten tief unter der Erdoberfläche so präsent wie auf Lanzarote. Als Montanas del Fuego, oder Feuerberge, werden die Regionen des Nationalparks Timanfaya bezeichnet. Es handelt um ein 167 km² großes Gebiet im Südwesten der Insel, das bei verheerenden Vulkanausbrüchen im 18. Jahrhundert mit einer dicken Lavaschicht überzogen wurde. Sechs Jahre dauerten die Ausbrüche zwischen 1730 und 1736 an. Damals entstanden auf dem Areal des heutigen Nationalparks 32 Vulkankegel, die unaufhörlich Lava ausspien und Asche in den Himmel stießen. Die Lava wälzte sich in endlosen Strömen über die Ebene bis ins Meer. Die Ausbrüche gehören wegen des langen Zeitraums und der großen Menge an ausgestoßenem Material zu den bedeutendsten Ereignissen in der Geschichte des Vulkanismus.

Als die Ausbrüche im Jahr 1736 endlich nachließen und schließlich ganz aufhörten, hatte sich die Oberfläche im Südwesten der Kanareninsel für immer verändert. Es blieb eine bizarre Steinwüste mit schwarzen Lavafeldern, vulkanischen Röhren und zerklüfteten Kratern zurück, die im Jahr 1974 zum Nationalpark erklärt wurde. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 51 km² und reicht bis an die Grenze des kleinen Örtchens Yaiza im Inselinneren. Im Nationalpark Timanfaya ist die zerstörerische Kraft der Vulkanausbrüche bis heute spürbar. Wie monumentale Stelen erheben sich erkaltete Lavasäulen aus der Ebene. Scharfkantiges Geröll bedeckt die Hänge der Vulkankrater und über dem gesamten Gebiet liegt eine apokalyptische Stimmung. Nach den Ausbrüchen wurde die Region als Malpais (schlechtes Land) bezeichnet. Auch knapp 300 Jahren nach den Ausbrüchen sind die einzigen Pflanzenformen in den Lavafeldern lediglich anspruchslosen Flechten und kleine dornige Sträucher. Der damalige Pfarrer der Gemeinde Yaiza hielt die Ereignisse im 18. Jahrhundert schriftlich fest und hinterließ der Nachwelt damit einen detaillierten Augenzeugenbericht.

Durch den Nationalpark Timanfaya führt eine asphaltierte Straße, die in den 1950er Jahren angelegt wurde. Sie endet am Aussichtspunkt Islote de Hilario, einem zentral gelegenen Besucherzentrum. Hier nehmen Busrundfahrten ihren Anfang, die Sie auf einer Rundfahrt zu den spektakulärsten Kratern und Lavatürmen führt. Im Rahmen dieses 45-minütigen Ausfluges kommen Sie an der Feuerschlucht, dem Tal der Ruhe und am Krater des Berges Timanfaya vorbei, wo die Ausbrüche vor 300 Jahren ihren Anfang nahmen. Die Fahrt wird untermalt mit dramatischer Musik und nachgesprochenen Augenzeugenberichten. Die Rundfahrt ist bereits in der Nationalparkgebühr enthalten und muss nicht gesondert bezahlt werden. Am Islote de Hilario befindet sich ein Restaurant mit Lavagrill, bei dem die noch immer eklatant hohe Hitze im Erdinneren zum Garen des Fleisches genutzt wird. Nur wenige Meter unter der Erdoberfläche werden Temperaturen von um die 400 Grad gemessen.

Zur Demonstration der ungeheuer hohen Temperaturen werden von der Parkverwaltung am Aussichtspunkt einige eindrucksvolle Experimente inszeniert. Mitarbeiter des Parks spießen trockene Dornenbüsche auf lange Gabeln und halten das Gebinde in ein wenige Meter tiefes Loch. Das trockene Geäst geht durch die enorme Hitze in Sekundenschnelle in Flammen auf. Bei einer weiteren Demonstration wird Wasser in ein in das Erdreich abgesenktes Rohr gegossen. Binnen weniger Sekunden verdampft das Wasser in der Tiefe und schießt unter lautem Zischen als weiße Dampfsäule in die Höhe. An der Zufahrtsstraße zum Islote de Hilario liegt die Station Echadero de los Camellos. Hier können Sie in einer Karawane an einem kleinen Spaziergang auf dem Kamelrücken teilnehmen. Die Rundreise führt über einen kleinen Hang im Kreis wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die vorerst letzten Ausbrüche im Nationalpark Timanfaya ereigneten sich im Jahr 1824. Damals brach eine 14 Kilometer lange Eruptionsspalte auf, aus der sich die dünnflüssige Lava ins Meer wälzte. Aus den Öffnungen im Boden schossen damals gewaltige Dampfsäulen aus kochendem Meerwasser in den Himmel.

TOP