Geschichte Korsikas - ein kurzer Überblick

Korsika blickt auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurück und die Insel ist noch heute voller geschichtsträchtiger Orte. Diese können mitunter auch besichtigt werden, beispielsweise in den historischen Ortschaften Filitosa und Bonifacio, die sich beide im Süden der Insel befinden. Bereits 8000 v. Chr. haben die ersten Kulturen hier ihre Spuren hinterlassen. Die ältesten, bis heute erhaltenen Gebäude stammen aus dem vierten Jahrtausend v. Chr.

Korsika Geschichte
Korsika weist eine bewegte Geschichte auf - Calvi

Riesige Statuen mit menschlichen Gesichtszügen und zum Teil mit Waffen ausgestattet, wurden um 1600 v. Chr. von Siedlern auf der Insel hinterlassen. Die ersten Ortschaften wurden vor rund 2.500 Jahren von Karthagern aus Nordafrika, Etruskern aus Italien und Griechen gegründet.

259 v. Chr. wurde Korsika schließlich von den Römern erobert und in das römische Weltreich integriert. Die Völkerwanderungen im frühen Mittelalter, die nicht zuletzt zum Niedergang des Römischen Reichs beitrugen, erfassten auch Korsika: Westgoten, Ostgoten, Vandalen, Langobarden und Sarazenen eroberten in der Folge die Insel, bis sie 774 schließlich durch Karl den Großen dem Frankenreich einverleibt wurde. Es folgte eine Herrschaft lokaler Feudalherren, bis der Papst Ende des 11. Jahrhunderts schlichtend eingriff, doch auch dies konnte die wechselvolle Geschichte nicht in ruhigere Bahnen lenken. Obwohl er sich darum bemühte, die Bistümer Korsikas gerecht aufzuteilen, sah sich Genua übervorteilt und stritt sich mit Pisa um die Vorherrschaft auf der Insel.

Auch Frankreich mischte sich ein, was aber nicht verhindern konnte, dass 1347 Genua die Oberhoheit erhielt. Die genuesische Herrschaft stand jedoch unter keinem guten Vorzeichen, denn zu jener Zeit wütete die Pest und tötete rund zwei Drittel der Bevölkerung. Außerdem begehrten die korsischen Feudalherren auf und erhielten Unterstützung durch Aragoneser Truppen, woraufhin Genua die Insel vorübergehend aufgeben musste. Bereits 1401 holte sich Genua die Insel aber wieder in seinen Herrschaftsbereich zurück und konnte über die nächsten Jahrhunderte seinen Machtanspruch aufrechterhalten. Die Korsen lehnten sich immer wieder, wenn auch erfolglos, gegen die Fremdherrschaft auf und phasenweise herrschte eine regelrechte Anarchie auf der Insel.

Dies verhalf schließlich 1736 Theodor von Neuhoff, einem deutschen Abenteurer, dazu, Korsika für sich zu proklamieren und ein Königreich auszurufen. Die Korsen übertrugen ihm die Königswürde, weil er sie mit Waffen und Vorräten gegen die fremden Herrscher unterstützt hatte. Sein Königreich blieb jedoch nur eine kurze Episode in der korsischen Geschichte, da Theodor von Neuhoff noch im selben Jahr in Ungnade fiel und von der Insel vertrieben wurde.

1754 wurde Korsika für kurze Zeit zu einem selbstständigen Staat ausgerufen, bis es 1769 an Frankreich fiel. Im selben Jahr wurde Napoleon Bonaparte auf der Insel geboren, der eine der wichtigsten Figuren seiner Zeit werden sollte. Nachdem Korsika zwischenzeitlich kurz unter englische Hoheit gelangte, fiel es 1815 wieder Frankreich zu. Seither gehört Korsika zu Frankreich, auch wenn es heute einen autonomen Status besitzt.

Als französische Staatsbürger kämpften die Korsen sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg für Frankreich und bezahlten vor allem im Ersten Weltkrieg einen hohen Blutzoll. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel von italienischen und später auch von deutschen Truppen besetzt.

Die Insel kam auch nach den beiden großen Kriegen nicht wirklich zur Ruhe. In den 1960er-Jahren verstärkten sich die Autonomiebestrebungen der Korsen und mitunter wurde auch auf terroristische Akte zurückgegriffen. Ein Grund für die erstarkende Autonomiebewegung war nicht zuletzt, dass die Zentralregierung auf dem Festland den Tourismus auf der Insel zwar stark ankurbelte, die Gewinne aber für sich behielt.

Vor allem die Nationale Front zur Befreiung Korsikas (FLNC) wollte die nationale Unabhängigkeit Korsikas mit Gewalt erkämpfen. Obwohl sie 1983 verboten wurde, verübte die Befreiungsorganisation in den 1990er-Jahren noch mehrfach Terroranschläge. Als bislang letzter Terroranschlag wurde 1998 der französische Präfekt auf der Insel ermordet. Auf Touristen wurden allerdings nie Anschläge verübt und angesichts der herrschenden Idylle ist es nur schwer vorstellbar, dass hier vor weniger als zwei Jahrzehnten blutige Auseinandersetzungen stattfanden.

1991 erkannte Frankreich die kulturelle Eigenständigkeit Korsikas in einem Selbstverwaltungsstatut an. Das Verwaltungszentrum der Insel befindet sich im Hauptort Ajaccio.

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