Sartène - korsischste aller Städte

Sartène gilt als die korsischste aller Städte und ist weit über die Landesgrenzen hinaus für die traditionelle Osterprozession am Karfreitag bekannt.

Sartene
Sartène - die korsischste aller Städte

Die korsische Kleinstadt Sartène liegt im Südwesten Korsikas auf einer Terrasse hoch über dem Golf von Valinco. Etwa 3.200 Einwohner leben in dem Städtchen, das sich mit seinen dicht aneinander gebauten Häusern an die Hänge des gebirgigen Hinterlandes schmiegt. Die Bezeichnung "korsischste aller Städte" geht auf den Schriftsteller Prosper Mérimée zurück. Von außen erinnert die Silhouette der Stadt mit ihrer engen Bebauung tatsächlich an eine Festung. Der schrittweise Ausbau von Sartène begann im 16. Jahrhundert unter genuesischer Herrschaft. Damals wurde die Stadt mit einem Befestigungsring umgeben, der bei einem Piratenüberfall zerstört wurde. Die heute sichtbaren Stadtmauern stammen aus dem 17. Jahrhundert. Traurige Berühmtheit erlangte Sartène im 18. und 19. Jahrhundert, als die Vendetta hinter den Stadtmauern herrschte. Die sogenannte Blutrache wurde unter verfeindeten Familien bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts praktiziert.

Sartène ist in eine Unter- und eine Oberstadt geteilt. Lebhaftes Zentrum der Stadt ist der Place de la Liberation mit seinen kleinen Cafés und Restaurants. An dem Platz befindet sich die Kirche Sainte-Marie Assunta. Hier werden mit dem Kreuz und der Kette die Reliquien aufbewahrt, die bei der Osterprozession eine wichtige Rolle spielen. Der frühere Gouverneurspalast ist heute das Rathaus von Sartène. Das Gebäude befindet sich direkt neben der Kirche und der Durchgang führt Sie in die ehemals wohlhabende und vornehme Altstadt Santa Anna. Schmale Gassen führen zwischen den hohen grauen Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert hindurch. Sie sind durch schummerige enge Durchgänge miteinander verbunden. Typisch für die Altstadt sind die Treppen an den Außenwänden der Gebäude. Sie führen zu den Wohnungseingängen bis in den zweiten Stock. Geschichtsinteressierte Besucher finden oberhalb der Altstadt das Museum für korsische Frühgeschichte. Hier werden zahlreiche Fundstücke der prähistorischen Ausgrabungsstätten aus der näheren Umgebung von Sartène ausgestellt. Der Stadtteil Borgo empfängt Sie mit einem mittelalterlichen Ambiente. In den engen gewundenen Gassen finden Sie Souvenirgeschäfte, kleine Boutiquen und Bistros.

Ein Highlight an den Osterfeiertagen ist die traditionelle Catenacciu-Prozession in Sartène. Dieses Schauspiel dürfen sie sich nicht entgehen lassen, wenn Sie sich zu dieser Zeit auf Korsika aufhalten. Bei dieser Prozession, die alljährlich am Karfreitag stattfindet, schleppt ein barfüßiger "Geketteter" ein 30 Kilogramm schweres Holzkreuz auf dem Rücken von der Kirche Sainte-Marie Assunta zur Kapelle Saint-Sebastien. Zusätzlich erschwert wird dem in ein rotes Kapuzengewand gekleideten Büßer der Marsch durch eine Kette an seinen Füßen. Die Identität des Geknechteten bleibt im Verborgenen und ist ausschließlich dem örtlichen Pfarrer bekannt. Das Ritual zieht alljährlich Schaulustige von der ganzen Insel an, die den Leidensweg des Büßers zu beiden Seiten säumen.

In der Umgebung von Sartène befinden sich die bedeutendsten prähistorischen Fundstätten auf Korsika. Auf dem Hochplateau von Cauria finden Sie vorgeschichtliche Grabmale, die sogenannten Dolmen, in ungeheurer Dichte. Zu den am besten erhaltenen Fundstätten zählt der Dolmen von Fontenaccia. Sechs aufrecht stehende Granitplatten und eine ca. drei Meter lange Deckplatte bilden die frühgeschichtliche Grabkammer. Neben dem steinernen Monument liegt ein Menhir, der einst die Grabkammer verschlossen haben könnte. Auf einem Rundgang auf dem Hochplateau kommen Sie auf kleinen Lichtungen immer wieder an monolithischen Menhiren vorbei, die halbkreisförmig angeordnet sind oder einzeln stehend aus der Wiese ragen. In der Nähe der Ortschaft Tizzano haben Sie die Gelegenheit, der größten Menhir-Ansammlung im gesamten Mittelmeerraum einen Besuch abzustatten. 268 Steinquader, die zum Teil umgestürzt sind, tauchen die Gegend ein mystisches Ambiente. Ein Relikt der genuesischen Vorherrschaft auf Korsika finden Sie rund acht Kilometer von Sartène entfernt im Rizzanese-Tal. Die Brücke Spin’ a Cavallu stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde aufwendig restauriert. Sie liegt in einer malerischen Gebirgslandschaft, die von einem Netz herrlicher Wanderwege durchzogen ist.

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