Die Geschichte der Niederlande – ein Überblick

Die Geschichte der Niederlande beginnt mit dem Ende der letzten Eiszeit, als durch das Abschmelzen der Gletscher hier ein sumpfiges Gebiet entstand, das besiedelt werden konnte. Aufgrund der Gefahren, die vom Meer drohten, siedelten sich die ersten Bewohner jedoch nur an höher gelegenen Stellen an.

Niederlande Geschichte
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Die Bezeichnung "Niederlande" geht allerdings nicht, wie man meinen könnte, auf die geografischen Gegebenheiten zurück, sondern resultiert aus der Geschichte des Landes, denn im 15. Jahrhundert wurde das burgundische Herrschaftsgebiet unter Karl dem Kühnen in die oberen Lande (Burgund) und die niederen Lande (Flandern, Artois, Brabant, Holland, Luxemburg) aufgeteilt.

Im Jahr 50 v. Chr. eroberten die Römer das Land und gründeten erste Siedlungen. Die römischen Legionen drangen bis an den Rhein vor, der eine natürliche Landesgrenze bildete. Nördlich davon behaupteten sich die Friesen und setzten sich erfolgreich gegen alle Angriffe der Römer zur Wehr.

Mit dem Niedergang des Römischen Reichs erlangte das Frankenreich immer größeren Einfluss und gliederte den Süden schließlich in sein Reichsgebiet ein. Gegen die Franken waren die Friesen nicht so erfolgreich wie gegen die Römer. Nach der Teilung des Frankenreichs 843 n. Chr. in ein Westreich und ein Ostreich fiel eine Hälfte der Niederlande an das Ostreich unter der Herrschaft Lothar I und der andere Teil an das Westreich unter Karl II.

Aus dem Westreich sollte Frankreich hervorgehen, während aus dem Ostreich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation entstand. Mit Einzug der Franken im Bereich der heutigen Niederlande begann auch die Christianisierung der dort ansässigen Bevölkerung. Bis zum 12. Jahrhundert erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Weil die Bindungen zu den jeweiligen Herrschern nur schwach waren, konnten sich selbstständige und solide Territorien herausbilden, die gewährleisteten, dass sich Handel und Handwerk entfalten konnten.

Die schwachen Bindungen zu den Herrschaftshäusern bedingten allerdings auch zahlreiche Konflikte und so folgte ein Zeitalter der Wirren und Kriege. Das Land wurde aufgrund seines Reichtums zum Spielball der großen europäischen Mächte. Kaiser Karl V aus dem Hause Habsburg regierte ab 1500 auch über die Niederlande absolutistisch und schränkte die Religionsfreiheit ein, wogegen sich heftiger Widerstand formierte. 1579 gründeten die nördlichen Provinzen eine Republik, die schließlich 1648 unter dem Namen Republik der Vereinigten Niederlande ihre Selbstständigkeit erlangte.

Die Niederländer waren ein Volk von Seeleuten und Händlern und auf ihren Entdeckungsfahrten begannen sie einen regen Handel mit Ländern in Übersee. Mit der Gründung der Vereinigten Ostindischen Kompanie und der Westindischen Kompanie wurde der Handel mit Asien, Afrika und Amerika intensiviert und es entstanden zahlreiche Stützpunkte rund um den Globus. Dies brachte enormen Reichtum ins Land. Das 17. Jahrhundert wird deshalb auch als "Goldene Zeit" bezeichnet.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Niederlande in die Auseinandersetzungen des Spanischen Erbfolgekrieges verwickelt. Nach Kriegen gegen England und Frankreich waren die Ressourcen des kleinen Landes erschöpft und der Großmachtstatus konnte nicht länger aufrechterhalten werden. Als nach den napoleonischen Wirren die Großmächte 1815 Europa neu ordneten, wurde das Königreich der Niederlande unter König Wilhelm Friedrich gegründet. 1830 spalteten sich die südlichen Niederlande ab und aus ihnen entstand in der Folge das heutige Belgien.

Das Königreich florierte und wie alle europäischen Großmächte zu jener Zeit erweiterten auch die Niederlande ihr Kolonialreich. Die wichtigste Kolonie war dabei Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien.

Innenpolitisch gab es demokratische Reformen und das Wahlrecht wurde Schritt für Schritt ausgeweitet. 1917 bekamen alle Männer das Wahlrecht, die Frauen folgten 1922. Während des Ersten Weltkriegs mobilisierten die Niederlande zwar ihre Armee, erklärten aber ihre politische Neutralität, an der sie auch festhielten, als das benachbarte, ebenfalls neutrale, Belgien von den deutschen Truppen angegriffen wurde.

Trotz ihrer Neutralität, auch im Zweiten Weltkrieg, wurde das Land von der deutschen Wehrmacht angegriffen und fünf Jahre lang besetzt. Die Besatzungszeit hat tiefe Wunden hinterlassen. Bis heute können viele Niederländer diese Grausamkeiten der Deutschen nicht vergessen und selbst Generationen, die nach dem Krieg geboren wurden, machen dies mitunter noch zum Thema. Aber keine Sorge, inzwischen werden Sie auch als Deutscher in den Niederlanden gastfreundlich empfangen.

Nach dem Krieg erholte sich das Land nur langsam und wurde zusätzlich 1953 von einer schweren Flutkatastrophe getroffen, die Tausenden Menschen das Leben kostete. Die Monarchie haben die Niederländer bis heute erhalten. Allerdings übernimmt die Monarchin, Königin Beatrix, fast ausschließlich rein repräsentative Aufgaben. Regierungschef ist der demokratisch gewählte Ministerpräsident.

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