Danzig - einst bedeutende Hansestadt

Danzig ist eine polnische Hafenstadt, die im Mittelalter zu den bedeutendsten Hansestädten im Ostseeraum gehörte.

Polen Danzig
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Danzig liegt im Gebiet der Weichselmündung an der Danziger Bucht. In der Hafenstadt leben rund 461.000 Einwohner. Gemeinsam mit den Städten Sopot, Gdynia und Tromiasto bildet Danzig einen industriellen Ballungsraum an der Ostseeküste, in dem mehr als eine Million Menschen leben. Das Stadtrecht wurde Danzig im Jahr 1295 vom polnischen König Przemyslaw II. verliehen. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt von deutschen Ordensrittern besetzt, was zu einer starken Zuwanderung deutschstämmiger Einwanderer führte. Im Jahr 1361 schloss sich Danzig dem mittelalterlichen Städtebund der Hanse an und stieg bald zu einem der wichtigsten Mitglieder auf. Bis zur Auflösung des Städtebundes im Jahr 1669 blieb die Stadt Mitglied. Im Jahr 1793 fiel die polnische Hafenstadt an das Königreich Preußen. Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt unabhängig und im Jahr 1920 zur Freien Stadt Danzig erklärt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden rund 90 Prozent des Stadtgebietes von Danzig zerstört. Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten befinden sich in der sogenannten Rechtstadt. Der Stadtteil wird von zahlreichen Toren begrenzt, die zu den Wahrzeichen des historischen Stadtkerns gehören. Das bekannteste Tor ist das Krantor, das nach dem Zweiten Weltkrieg im Stil der Backsteingotik wieder aufgebaut wurde. Charakteristisches Merkmal des Tores ist die doppelte Kranfunktion. Das sogenannte Grüne Tor ist ein ehemaliges Stadttor, das in der Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Das Gebäude besitzt vier nebeneinanderliegende Durchgänge und die Architektur orientiert sich am flämischen Baustil. Ein imposantes Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert ist das Rechtstädtische Rathaus am Langen Markt. Es wurde nach einem verheerenden Brand im Jahr 1556 neu aufgebaut und ersetzte damals einen Vorgängerbau, der im 14. Jahrhundert als Hansekontor errichtet wurde. Die prunkvolle Innenausstattung der Räume entstand im frühen 17. Jahrhundert und zahlreiche bekannte Architekten, Künstler und Schmiede waren an der Ausgestaltung beteiligt.

Im Zentrum Danzigs liegt der sogenannte Lange Markt. An diesem lang gezogenen Platz hatten ab dem 17. Jahrhundert wohlhabende Danziger Bürger ihren Wohnsitz. Der Lange Markt wird an einer Seite vom Grünen Tor begrenzt. Neben dem Rechtstädtischen Rathaus liegen das Speymannhaus und der Artushof an diesem zentralen Platz. Er bildet die Verlängerung der Langgasse, die einst von den polnischen Königen genutzt wurde, wenn sie mit ihrem Gefolge in die Hafenstadt einzogen. Die Langgasse war im 13. Jahrhundert ein Handelsweg und wurde ab dem 14. Jahrhundert beidseitig mit prächtigen Bürger- und Handelshäusern bebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde die historische Bausubstanz in der Langgasse nahezu vollständig zerstört. Nach dem Wiederaufbau ist die Straße heute wieder ein Touristenmagnet in Danzig. Sie wird an einer Seite vom Langgassertor begrenzt. Das Steintor wurde zwischen 1612 und 1614 im Stil des flämischen Manierismus erbaut und ersetzte einen gotischen Vorgängerbau.

Neben den Sehenswürdigkeiten in der Danziger Rechtstadt ist ein Besuch der Altstadt lohnenswert, die erst nach der Rechtstadt entstand und im Jahr 1370 das Stadtrecht verliehen bekam. Lange blieb die Stadt eigenständig und unterhielt eine eigene Verwaltungsstruktur. Das Rathaus der Altstadt gehört zu den wenigen Gebäuden in Danzig, die im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurden. Es wurde am Ende des 16. Jahrhunderts fertiggestellt und besitzt auffällige unregelmäßige Fensterformen und einen schlanken Turm. Die Speicherinsel ist ein vollständig vom Wasser umschlossenes Stadtviertel, das im 16. Jahrhundert angelegt wurde und ausschließlich mit Speichergebäuden bebaut war. Einst befanden sich 300 Speicher auf der Insel. Bis auf einen wurden die historischen Bauwerke im Jahr 1945 von russischen Truppen zerstört. Das älteste Gotteshaus in Danzig ist die Katharienkirche, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Originalzustand wieder aufgebaut. Danzig wurde zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts weltweit bekannt, als die Arbeiter in den Werften die Arbeit niederlegten und die Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc den Beginn der friedlichen Revolution einleitete, die im Jahr 1989 im Fall des Eisernen Vorhangs mündete.

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