Heilige Linde - ein Wallfahrtsort

Heilige Linde ist ein Dorf im Norden Polens, das zu den bekanntesten Wallfahrtsorten des Landes gehört und alljährlich von Hunderttausenden Pilgern besucht wird.

Polen Heilige Linde
Polen Heilige Linde

Heilige Linde liegt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und die Wallfahrtskirche im Dorf gehört zu den bedeutendsten sakralen Barockbauten in Polen. Im Jahr 1983 wurde die Kirche in den Rang einer Basilika minor erhoben. Dieser Ehrentitel wird Kirchengebäuden mit besonderer Bedeutung durch den Papst verliehen. Der Wallfahrtsort Heilige Linde erlangte die große Bedeutung im 14. Jahrhundert. Alte Überlieferungen berichten von einem Verurteilten, der auf Geheiß "Unserer Lieben Frau" die Figur eines Kindes aus einem Stück Holz schnitzte. Das Kunstwerk ermöglichte ihm die Freilassung und der Verurteilte hängte die geschnitzte Holzfigur an die Äste einer Linde, die am Weg zwischen den Ortschaften Rastenburg und Rößel stand. Den Legenden nach ereigneten sich zahlreiche Wunder an der Figur des Marienkindes und die Gläubigen errichteten rund um die Linde eine kleine Kapelle.

Die Priester, die in der Kapelle ihren Dienst versahen, gehörten dem Deutschen Orden an. Erstmalig erwähnt wird die Kapelle in einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1491 und schon bald entwickelte sich das Gotteshaus zu einem Wallfahrtsort. Unter anderem stattete der Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, der Kapelle einen Besuch ab. Während der Reformationsbewegung am Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Kapelle zerstört und im Jahr 1619 auf den Überresten wieder aufgebaut. Der Fürstbischof von Ermland weihte sie im November des gleichen Jahres ein und übergab sie in die Obhut der Jesuiten. Aus dem weit entfernten Warschau und aus Litauen kamen in der Folge die Pilger, um dem Dorf Heilige Linde einen Besuch abzustatten.

Der Bau der heutigen Basilika wurde zwischen 1688 und 1693 geplant. Sie sollte auf einem Hügel errichtet werden, dessen Untergrund sich allerdings als nicht tragfähig erwies. Zur Stabilisierung wurden vor Baubeginn 10.000 Holzpfeiler in den Boden gerammt, um den sumpfigen Untergrund zu stabilisieren. Anschließend wurde die dreischiffige Basilika im barocken Baustil errichtet. Sie enthält seitliche Emporen und besitzt einen Kreuzgang mit einer Kapelle an den jeweiligen Ecken. Die reich verzierten Innenräume sind mit Deckenmalereien des Künstlers Matthias Johann Meyer ausgestattet, die der Maler zwischen 1722 und 1727 aufbrachte. Das Hauptschiff und das Presbyterium sind mit kunstvollen Bildern berühmter Barockmaler geschmückt.

Der Hauptaltar der Basilika im Dorf Heilige Linde wurde in den Jahren zwischen 1712 und 1714 angefertigt. Es handelt sich um eine Arbeit von Christoph Peucker. Dort befindet sich ein Bildnis der Mutter Gottes, das der Künstler Bartholomäus Pensa im Jahr 1640 schuf. Die silbernen Tabernakel entstanden in einer Königsberger Goldschmiede. Die wertvolle Orgel in der Basilika stammt aus dem Jahr 1721. Sie wurde in der Werkstatt des bedeutenden deutschen Orgelbauers Johann Josua Mosengel angefertigt. Sie verfügt über bewegliche Figuren, die sich zu einer Verkündigungsszene gruppieren und besitzt 40 Stimmen. Darüber hinaus befindet sich eine Skulptur von "Unserer Lieben Frau" in dem Gotteshaus. Vor dem Kirchengebäude wurde ein Gedenkstein platziert, der an den polnischen Komponisten Feliks Nowowiejski erinnert, der im Jahr 1946 in Posen verstarb und einst Klosterschüler in der Ortschaft Heilige Linde war.

Die Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg hat die Kirche weitestgehend unbeschadet überstanden. Lediglich die hölzerne Bestuhlung wurde schwer beschädigt, als Soldaten der Roten Armee das Gotteshaus als Übernachtungsort nutzten. Die Basilika wird durch ein schmiedeeisernes Tor betreten, das reich mit Blumenornamenten verziert ist. Das Tor wurde im 18. Jahrhundert in den Werkstätten des Schmieds Johann Schwartz in Rößel angefertigt. 44 Steinskulpturen säumen die Arkadengänge linker und rechter Hand vom Hoftor. Insbesondere in den Sommermonaten ist die Basilika stark besucht. An manchen Tagen versammeln sich bis zu 1.000 Pilger vor dem Tor, um die Wallfahrtskirche von innen zu besichtigen.

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