Wolfsschanze - Bunkeranlage in den Masuren

Die Wolfsschanze ist ein militärischer Bunkerkomplex in den Masuren, der im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Besatzungsmacht als Lagezentrum für die deutsche Wehrmacht angelegt wurde.

Polen Wolfsschanze
Polen Wolfsschanze

Die Bunkeranlage Wolfsschanze befindet sich in der Nähe des Dorfes Görlitz im ehemaligen Ostpreußen. Sie liegt versteckt in einem Wald in den Masuren im Norden Polens. Die Wolfsschanze war eines von mehreren Führerhauptquartieren und Adolf Hitler hielt sich mehrfach in der Bunkeranlage auf. Rund 20 Kilometer von dem Standort entfernt befand sich im Dorf Mauerwald ein weiterer Bunkerkomplex, der von 1941 bis 1944 das Hauptquartier des Oberkommandos des deutschen Heeres war. Mit der Feldkommandostelle Hochwald, dem Quartier des Reichskanzleichefs und der Abwehrzentrale in Lötzen befanden sich weitere Gefechts- und Kommandostationen der Wehrmacht in der Umgebung der Wolfsschanze. Bei diesem Begriff handelte es sich um einen Decknamen, den Adolf Hitler in Anlehnung an sein selbst gewähltes Synonym Wolf der Anlage gab.

Mit dem Bau des Bunkerkomplexes wurde im Jahr 1940 begonnen. Für die Ausführung war die sogenannte Organisation Todt zuständig. Dabei handelte es sich um einen straff organisierten Bautrupp, der zahlreiche Bauvorhaben unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in die Tat umsetzte. Die Standortwahl in der Nähe des Dorfes Görlitz wurde bewusst getroffen, da sich der Ort unweit der russischen Grenze befand und Hitler direkt vor Ort die Operationen der Wehrmacht während des Russland-Feldzuges leiten konnte. Große Teile der Wolfsschanze wurden oberirdisch in einem dichten Kiefernwald erbaut. Der Komplex wurde durch Tarnnetze aus nicht brennbarem Material und zahlreiche Flakstellungen geschützt. Rund 100 Gebäude wurden in den Kriegsjahren zwischen 1940 und 1944 in der Wolfsschanze errichtet. Der Deckname für das Bauprojekt lautete Chemische Werke Askania. Nach dem Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion im Jahr 1941 hielt sich Hitler regelmäßig in der Bunkeranlage auf. Das Hauptquartier Hitlers befand sich im Bunker mit der Nummer 13. Dieses Gebäude befand sich im inneren von drei Sperrkreisen, die zum Schutz der Wolfsschanze angelegt wurden.

Insgesamt befanden sich in der Anlage 47 leichte und massive Bunker sowie rund 40 Verwaltungs- und Nebengebäude. Auf dem Gelände befand sich ein Bahnanschluss und zum Areal gehörte ein eigener Flugplatz. Ein Minengürtel mit einer Breite von bis zu 150 Metern und ein Stacheldrahtzaun umgab den gesamten Komplex. Hitler verließ die Wolfsschanze am 20. November 1944, nachdem absehbar war, dass der Vormarsch der Roten Armee nicht mehr aufzuhalten war. Das Kommando übernahm anschließend der Generalstab der 4. Armee. Am 24. Januar 1945 wurden die Gebäude im Bunkerkomplex von der deutschen Wehrmacht gesprengt, als sich die Rote Armee bis auf wenige Kilometer der Anlage genähert hatte. Nach Kriegsende wurden zwischen 1945 und 1955 rund 54.000 Minen entschärft, die den gesamten Komplex umgaben. Die Überreste der Wolfsschanze entwickelten sich zu einer Touristenattraktion in den Masuren und ziehen alljährlich rund 200.000 Besucher an.

Am 20. Juli 1944 rückte der Bunkerkomplex in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Wolfsschanze ein Attentat auf Adolf Hitler verübte. Stauffenberg war Offizier der deutschen Wehrmacht und wurde während des Zweiten Weltkrieges zu einer der führenden Persönlichkeiten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Aktion wurde unter dem Decknamen Operation Walküre bekannt. Zum Zeitpunkt des Attentates war Stauffenberg Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres. Er platzierte während einer Lagebesprechung in der Wolfsschanze eine Aktentasche mit einem Sprengsatz unter dem Tisch einer Baracke, in der sich Adolf Hitler aufhielt. Im folgenden Staatsstreich sollten die Nationalsozialisten entmachtet werden. Stauffenberg entkam rechtzeitig und mit dem Flugzeug nach Berlin. Hitler überlebte den Sprengstoffanschlag und noch am selben Abend wurde Stauffenberg in Berlin verhaftet und einen Tag später hingerichtet. Im Jahr 1992 wurde in der Bunkeranlage Wolfsschanze eine Gedenkstelle eingerichtet, die an das missglückte Attentat erinnert.

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