Portugal und seine Geschichte – ein Überblick

Die bekannte Geschichte Portugals beginnt etwa 2000 v. Chr. mit der Einwanderung der Iberer, die vermutlich aus Nordafrika stammten. Ab 1200 v. Chr. gründeten die aus Karthago stammenden Phönizier Kolonien an der Küste, ehe sie um 450 v. Chr. das gesamte Gebiet eroberten, das zwischenzeitlich auch von Kelten besiedelt worden war.

Portugal Geschichte
Portugal Geschichte - Aquädukt in Coimbra

Nach dem Sieg über Karthago im zweiten Punischen Krieg übernahmen die Römer die Herrschaft und gründeten 197 v. Chr. zwei Provinzen auf der iberischen Halbinsel. Allerdings gelang es im Jahr 60 v. Chr. erst Cäsar, die letzten Widerstände der einheimischen Stämme in Portugal zu brechen. Um 400 n. Chr. setzten die germanischen Völkerwanderungen ein, die das römische Reich schließlich zu Fall brachten. 409 n. Chr. fielen Wandalen, Sueben und Alanen auf der iberischen Halbinsel ein. 416 n. Chr. folgten die Westgoten, die den westlichen Teil der Halbinsel schließlich 585 n. Chr. in ihr Reich eingliederten. Im Jahr 711 überfielen Mauren die Region und das heutige Portugal wurde für rund 400 Jahre Teil der muslimischen Provinz Al-Andalus.

Als Stammvater der portugiesischen Königsdynastie gilt Heinrich von Burgund. Unter der Herrschaft seines Sohnes erlangte Portugal 1143 die Unabhängigkeit. Damit war auch der Grundstein für die zukünftige Seefahrernation und Kolonialmacht gelegt. Portugal gründete ein riesiges Kolonialreich, das bis nach Afrika, Südamerika und Asien reichte und stieg zu einer der reichsten und mächtigsten Nationen Europas auf. Der im Auftrag der Krone handelnde Seefahrer Vasco di Gama entdeckte 1498 den Seeweg nach Indien.

Aber der Ruhm und die Macht des portugiesischen Königreichs währten nicht allzu lange. Vorübergehend unterstand Portugal spanischer Herrschaft und wurde später zum Kriegsschauplatz zwischen England und Frankreich. 1807 verlegte das Königshaus seinen Sitz sogar für mehrere Jahre in die brasilianische Kolonie nach Rio de Janeiro, um den durch Napoleon angefachten kriegerischen Auseinandersetzungen auf heimischem Boden aus dem Weg zu gehen. Faktisch stand Portugal anschließend unter britischer Herrschaft und verlor nach und nach Macht und Einfluss und auch einen Teil seiner Kolonien. Republikanische Bewegungen forderten außerdem bald die Abschaffung der Monarchie und 1910 wurde die erste Republik ausgerufen.

Nach 45 verschiedenen Regierungen und acht Präsidenten in nur 16 Jahren war die Demokratie 1926 nach einem Militärputsch schon wieder beendet. Antonio de Oliveira Salazar schwang sich zum starken Mann auf und regierte mehr als vierzig Jahre lang bis 1968 als Diktator. Sein Nachfolger, Marcello Caetano, konnte diesen "Estado Novo" nicht mehr lange aufrechterhalten. Portugal war politisch isoliert, die wirtschaftliche Lage war desolat und in den Kolonien gab es blutige Aufstände. 1974 putschte das Militär erneut, was unter dem Namen "Nelkenrevolution" in die Geschichtsbücher einging. Portugal entließ seine Kolonien in die Unabhängigkeit und ist seit den Wahlen von 1976 eine stabile Demokratie.

Zur anhaltenden Stabilität hat nicht zuletzt die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft 1986 beigetragen. Der EU-Beitritt war für dieses einstige Armenhaus Europas wichtig, denn mit ihm endete die Isolation und die Wirtschaft erfuhr vor allem durch den anziehenden Tourismus einen Aufschwung. Im Vergleich zu anderen EU-Staaten ist Portugal zwar nach wie vor nicht wohlhabend, aber die Situation hat sich im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert und ist stabil.

Als einer der ältesten Nationalstaaten Europas kann Portugal auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten zeugen noch heute von dieser wechselvollen Vergangenheit. Die ersten Siedler haben ihre Spuren genauso hinterlassen wie die Römer und die Araber, die phasenweise das Land beherrschten. Der Ruhm der einst stolzen Seefahrernation ist überall sichtbar. Neben den wundervollen Landschaften und den sonnigen Stränden hat Portugal für Touristen auch auf dem Gebiet der Architektur und Kultur einiges zu bieten.

Die Römer haben zahlreiche Monumente ihrer Baukunst in Form von Straßen und Brücken hinterlassen, die Sie heute noch besichtigen können. Dazu gehört unter anderem der Diana-Tempel in Evora. Im Ort Silves an der Algarve erinnert hingegen das zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert erbaute Castello dos Mouros an die Herrschaft der Muslime. Die Christusburg bei Tomar stammt aus dem 12. Jahrhundert und war rund 500 Jahre Landsitz der Tempelritter. Sie gehört heute ebenso zum UNESCO-Weltkulturerbe wie zahlreiche andere historische Bauten.

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