Biertan - Kirchenburg als Weltkulturerbe

Die rumänische Gemeinde Biertan liegt in der historischen Region Siebenbürgen und besitzt mit der Birthälmer Kirchenburg aus dem 15. Jahrhundert ein bedeutendes Baudenkmal, das von der UNESCO im Jahr 1993 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Rumänien Biertan
Rumänien - Biertan

Die Gemeinde Biertan liegt rund 80 Kilometer nordöstlich von der Stadt Sibiu-Hermannstadt in der historischen Region Siebenbürgen. Das Gemeindegebiet schließt neben der Ortschaft Biertan die Dörfer Copsa Mare und Richis ein. Die Gründung des Ortes wird auf die Zeit zwischen 1224 und 1283 datiert. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde Biertan unter der Bezeichnung Birthälm im Jahr 1283. Im Anschluss entwickelte sich der Ort zu einem bedeutenden regionalen Marktflecken und im 16. Jahrhundert stand Biertan kurz vor der Verleihung des Stadtrechtes. Damals besaß der Ort eine deutlich größere Ausdehnung als in der Gegenwart und zählte rund 5.000 Einwohner. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde mit der Errichtung einer Hallenkirche begonnen, die eine gotische Kirche ersetzte. Die heutige Gestalt erhielt das Gotteshaus im 16. Jahrhundert.

Biertan Rumänien
Rumänien - Biertan

Die Kirchenburg in Biertan ist ein Sakralbau mit einer enormen kulturhistorischen Bedeutung. Sie ist die größte Wehrkirche Siebenbürgens und erhebt sich auf einem 25 Meter hohen Kirchenhügel im Zentrum des Ortes. Die Kirche wird von drei Mauerringen umgeben, in die sechs Wehrtürme mit einer pyramidenförmigen Dachkonstruktion eingelassen sind. Im Jahr 1572 wurde das Gotteshaus Sitz der evangelischen Sachsenbischöfe und blieb es bis zum Jahr 1867. Entsprechend großes Augenmerk wurde auf die Ausstattung der Kirchenburg gelegt. Im Zentrum der Anlage erhebt sich die gotische Hallenkirche. Sie wird von drei Ringmauern und einer Bastei umgeben. Der erste Innenhof wurde von einer 12 Meter hohen Mauer umschlossen. Von den einst sieben Türmen wurden bei einer Belagerung im Jahr 1704 vier zerstört. Die Tür zur Sakristei ist über ein Sperrsystem mit 13 Schlössern gesichert, die alle mit einem Schlüssel geöffnet werden konnten.

Im inneren Mauerring erhebt sich neben dem Kirchengebäude der sogenannte Mausoleumsturm mit der Bischofsgruft. Im Jahr 1913 wurden die sterblichen Überreste der Bischöfe auf dem anliegenden Friedhof exhumiert und in der Gruft im Turm bestattet. Neun steinerne Grabplatten mit Skulpturen der Verstorbenen stehen an den Wänden. Den Figuren wurden vermutlich während der Belagerung durch die Türken die Nasen abgeschlagen. Der katholische Turm steht im mittleren Innenhof. Im untersten Stockwerk befindet sich ein Raum, der mit einem Tonnengewölbe ausgestattet ist und deren Wände mit mittelalterlichen Fresken verziert sind. Unweit vom katholischen Turm erhebt sich der sogenannte Rathausturm, an dessen Außenfront Fresken aus dem 16. Jahrhundert zu erkennen sind. Um in den inneren Mauerring zu gelangen, musste zunächst ein Tor in der Mitte des Turmes passiert werden. Im Fall kriegerischer Auseinandersetzungen konnte das Tor mit einer Falltür versperrt und die Eindringlinge auf Distanz gehalten werden. Die drei Kirchenportale sind seit ihrer Errichtung im Originalzustand erhalten. Die Türen stammen alle aus dem 16. Jahrhundert.

Die Innenausstattung der Hallenkirche gehört zu den besterhaltenen in Rumänien und der Flügelaltar ist ein Prunkstück spätmittelalterlicher Baukunst. Die Kanzel wurde aus einem einzigen Sandsteinblock hergestellt und stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie ist mit kunstvollen Steinmetzarbeiten verziert, die Elemente der Gotik und Renaissance aufweisen. Zu den wertvollsten Ausstattungsgegenständen der Kirchenburg in Biertan zählt die Sakristeitür aus dem Jahr 1515. Sie ist mit kunstvollen Holzeinlegearbeiten verziert und besitzt auf der Innenseite ein Schloss, das mit filigran gearbeiteten Nilpferdköpfen eingefasst ist. Das sogenannte Scheidungshaus befindet sich in inneren Mauerring neben der Kirche. In diesem Gebäude wurden trennungswillige Paare so lange eingeschlossen, bis sie die Scheidungspläne wieder verwarfen. Die Einrichtung war äußerst spartanisch und bestand lediglich aus einem Tisch mit Stuhl, einem Bett, Essbesteck und Tischgeschirr. Das Scheidungshaus wurde mehr als 400 Jahre lang genutzt und der Überlieferung zufolge soll es in diesem Zeitraum nur eine Scheidung gegeben haben.

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