Bukarest - kultureller Mittelpunkt

Bukarest ist die Hauptstadt Rumäniens und liegt in der Walachischen Tiefebene im Südosten des Landes. Knapp 1,9 Millionen Einwohner leben in der Stadt.

Rumänien Park in Bukarest
Park in Bukarest - Rumänien

Bukarest ist der politische und kulturelle Mittelpunkt Rumäniens. Im späten 19. Jahrhundert wurde das gesamte Stadtbild von Architekten aus Frankreich umgestaltet. Als Vorbild diente die städtebauliche Aufteilung französischer Städte, insbesondere von Paris. Der Prachtboulevard Kiseleff wurde in Anlehnung an die Avenue des Champs-Élysées in der französischen Hauptstadt gestaltet und ist länger als die Pariser Flaniermeile. An ihrem Ende erhebt sich ebenfalls ein Triumphbogen. Breite Prachtstraßen, weitläufige Grünanlagen und zahlreiche Jugendstilgebäude prägen das Stadtbild von Bukarest. Diesem einzigartigen Charakter verdankt die rumänische Hauptstadt den Beinamen "Paris des Ostens". Unter dem kommunistischen Diktator Nicolae Ceaușescu wurden einige historische Stadtviertel abgerissen, um den Monumentalbauten des sozialistischen Klassizismus Platz zu machen, der auch als stalinistischer Zuckerbäckerstil bezeichnet wird.

Die rumänische Hauptstadt liegt rund 100 Kilometer südlich des Karpatenbogens und rund 65 Kilometer nördlich des Flusslaufes der Donau. Die Küste des Schwarzen Meeres verläuft 250 Kilometer westlich von Bukarest. Das Stadtgebiet erstreckt sich am Ufer des Flusses Dambovita im Mündungsgebiet des Nebenflusses Colentina. Dieser bildet neun natürlichen Seen im nördlichen Bereich der Stadt. Die Region gehört zu den Gebieten Europas, die am häufigsten von Erdbeben betroffen sind und die Erschütterungen stellen eine permanente Bedrohung für die Bevölkerung dar. Seit 1940 ereigneten sich in der Walachischen Tiefebene vier starke Beben. Das Letzte sorgte im Jahr 1990 für kleinere Zerstörungen im Stadtgebiet.

In Bukarest herrscht gemäßigtes Kontinentalklima. Die Durchschnittstemperatur liegt in den Sommermonaten bei 20 °C, während die Werte im Winter regelmäßig unter den Gefrierpunkt absinken. Nicht selten sorgt die nordöstliche Luftströmung Crivat in den Wintermonaten für heftige Kälteeinbrüche. Sie trägt eisige Luftmassen aus Russland im Gepäck, die wochenlang für Dauerfrost sorgen und von Schneestürmen begleitet werden. Die Stadt verfügt über zwei internationale Flughäfen, die von den meisten Touristen für die Anreise nach Rumänien genutzt werden. Der Airport Henri Coanda ist das wichtigste Luftdrehkreuz des Landes und es bestehen Linienverbindungen in zahlreiche Länder Europas sowie in den asiatischen und arabischen Raum.

Die erstmalige urkundliche Erwähnung von Bukarest datiert auf das Jahr 1459. Damals wurde die Stadt zum Fürstensitz in der Walachei. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Bukarest zu einem bedeutenden Handelsplatz und wuchs ständig. Unter der Vorherrschaft des Osmanischen Reiches kam es zum Ende des 16. Jahrhunderts zu mehreren Aufständen, die mit einem Rückzug der Türken im Jahr 1595 endeten. Im Jahr 1659 wurde Bukarest Landeshauptstadt der historischen Region Walachei. Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt eine Blütezeit und es entstanden zahlreiche Manufakturen im Stadtgebiet. Im Jahr 1861 erfolgte die Gründung des Fürstentums Rumänien durch den Zusammenschluss der Fürstentümer Walachei und Moldau und Bukarest wurde als Hauptstadt ausgerufen.

Das Stadtbild der rumänischen Hauptstadt wird durch zahlreiche rumänisch-orthodoxe Kirchen und Kathedralen geprägt. Von den 124 Gotteshäusern, die es im Jahr 1885 in Bukarest gab, haben rund 100 das Bombardement im Zweiten Weltkrieg und die Bausünden zur Zeit der sozialistischen Diktatur überlebt. Zu den bedeutendsten Sakralbauten gehört die Patriarchalkathedrale, die im Jahr 1658 eingeweiht wurde. Das Gotteshaus besitzt den Grundriss eines griechischen Kreuzes und besitzt eine reiche Innenausstattung mit kunstvollen Fresken, zahlreichen Ikonen und Schnitzwerk. Aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt das Kloster Stavropoleos mit der gleichnamigen Kirche. Das rumänisch-orthodoxe Gotteshaus wurde von griechischen Mönchen erbaut und gehört wegen seiner kunstvollen Architektur zu den bedeutendsten Baudenkmälern in Bukarest.

Das Stadtgebiet von Bukarest ist eine Ansammlung unterschiedlicher Architekturstile aus verschiedenen Epochen der Entwicklungsgeschichte. Nach dem Ende der osmanischen Vorherrschaft entstanden zahlreiche Gebäude nach dem Vorbild der französischen und der österreichischen Architektur der Habsburger Monarchie. Die Altstadt erstreckt sich zwischen dem Platz der Revolution und dem Platz der Vereinigung. Das bedeutendste Gebäude ist das Opernhaus der rumänischen Staatsoper, die im Jahr 1919 gegründet wurde. Die Altstadt wird vom Prachtboulevard Unirii durchschnitten, den der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts anlegen ließ. Die Straße endet am Parlamentspalast, der zu den größten Gebäuden der Welt gehört. Rund 20 Prozent der Bausubstanz in der Altstadt wurde zur Zeit der kommunistischen Diktatur abgerissen und durch sozialistische Plattenbauten ersetzt.

Zu den auffälligsten Baudenkmälern in der Innenstadt gehört der Triumphbogen Arcul de Triumf, der nach Beendigung des Ersten Weltkrieges errichtet wurde. Das Bauwerk wurde im römischen Stil erbaut und im Jahr 1936 eingeweiht. Der Triumphbogen bildet den Abschluss des breiten Boulevards Kiseleff. Zwischen 1885 und 1888 wurde das rumänische Athenäum errichtet. Der Rundbau im römischen Baustil wird von einer Kuppel überspannt und ist heute ein Konzerthaus. Im neoklassizistischen Stil wurde das Bukarester Königsschloss zwischen 1927 und 1937 erbaut. Bis zum Jahr 1947 diente es als Wohnsitz für den rumänischen König Michael I. Heute ist in dem Gebäude das Nationale Kunstmuseum untergebracht.

Bukarest ist das kulturelle Zentrum Rumäniens und zahlreiche Museen und Kunstsammlungen laden in der Stadt zu einem Besuch ein. Alljährlich findet in der rumänischen Hauptstadt mit der Bucharest Biennale eine internationale Kunstausstellung statt. Zu den bedeutendsten Museen gehört das naturgeschichtliche Museum, das neben mehr als 300.000 Ausstellungsstücken eine der weltweit größten Schmetterlingssammlungen besitzt. In der Europäischen Galerie werden Gemälde und Skulpturen von berühmten Künstlern wie Rembrandt, Tintoretto und Claude Monet gezeigt. Das Nationalmuseum im Königspalast beherbergt wertvolle Kunstgegenstände und Gemälde russischer, flämischer und italienischer Künstler. Im Zambaccian-Museum können die Besucher das einzige Gemälde des Künstlers Paul Cézanne in Rumänien und bedeutende Werke russischer Maler und Bildhauer bewundern. Darüber hinaus ist in der ehemaligen Schneider-Synagoge das Jüdische Museum untergebracht.

Zahlreiche Parks, Seen und Grünanlagen laden im Stadtgebiet von Bukarest zu einem Bummel ein. Die älteste Grünanlage der Stadt ist der Cișmigiu-Park, dessen Ursprünge auf das späte 18. Jahrhundert zurückgehen. Sein heutiges Aussehen erhielt der Park im Jahr 1910. Das größte Naherholungsgebiet der rumänischen Hauptstadt ist der 187 Hektar große Herastrau-Park im Norden von Bukarest. Neben reizvollen Baumalleen und zahlreichen Brücken und Skulpturen befindet sich der Zoologische Garten auf dem Areal. Überreste mittelalterlicher Bausubstanz sind im Bereich der Leipziger Zone erhalten. Dieses Stadtviertel war einst ein bedeutender Handelsplatz und in den engen Gassen haben sich zahlreiche kleine Cafés und Restaurants angesiedelt. Den Namen erhielt der Bezirk von Händlern aus Siebenbürgen, die hier im Mittelalter Waren aus dem sächsischen Raum anboten.

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