Donaudelta - ein intaktes Ökosystem

Das Donaudelta befindet sich an der rumänischen Schwarzmeerküste und ist ein Biosphärenreservat. Die Donau bildet in ihrem Mündungsgebiet das zweitgrößte Flussdelta Europas.

Rumänien Donaudelta
Rumänien - Donaudelta

Das Donaudelta erstreckt sich auf einer Fläche von rund 5.800 Quadratkilometern und mehr als 70 Prozent des Areals stehen unter Naturschutz. Die Donau teilt sich in ihrem Mündungsgebiet in drei große Flussarme auf. Der Chiliaarm befindet sich im Norden und bildet die Staatsgrenze zwischen Rumänien und der Ukraine. Das Zentrum des Donaudeltas wird vom Sulinaarm durchflossen und im Süden mündet der Sfantu-Gheorghe-Arm in das Schwarze Meer. Zwischen 75 und 80 Prozent des gesamten Donaudeltas stehen ständig unter Wasser. Im südlichen Bereich liegt der ausgedehnte Lagunenkomplex Razim-Sinoie, der von zahlreichen Kanälen und Wasserläufen gespeist wird. Im Jahr 1991 nahm die UNESCO das Donaudelta in die Liste des Weltnaturerbes auf und stellte die Seen, Sümpfe, Flussläufe und Feuchtgebiete mit ihrer ungeheuren Artenvielfalt unter besonderen Schutz.

Die Entstehung des Donaudeltas liegt rund 10.000 Jahre zurück, als der Meeresspiegel rund 50 bis 60 Meter tiefer lag als in der Gegenwart. Verschiedene Landschaftsformen prägen heute das Antlitz des riesigen Flussdeltas. Nördlich des Flussarmes Chilia liegen die ältesten Bereiche, die bereits bei der Entstehung des Donaudeltas gebildet wurden. Dabei handelt es sich um Sandbänke, die durch Lössablagerungen entstanden sind. An den Ufern der drei großen Flussarme ziehen sich Sandbänke entlang, die in Abhängigkeit vom Wasserpegel überflutet werden. Parallel zur Küste des Schwarzen Meeres erstrecken sich Meeressandbänke, die durch den Einfluss verschiedener Meeresströmungen ständigen Veränderungen unterworfen sind.

Neben den Sandbänken spielen die Flussläufe und Kanäle eine große Rolle für das intakte Ökosystem im Donaudelta. Der nördlich gelegene Chiliaarm ist mit 116 Kilometern der längste Donau-Arm. Er ergießt sich an der Küste in 25 kleineren Flussarmen ins Schwarze Meer. Für die Schifffahrt besitzt der mittlere Sulinaarm die größte Bedeutung. Der 62 Kilometer lange Wasserweg wurde mehrfach begradigt, um die Bedingungen für den Schiffsverkehr zu verbessern. Der südlich gelegene Sfantu-Gheorghe-Arm besitzt eine Länge von 70 Kilometern und liegt im landschaftlich reizvollsten Teil des Donaudeltas. Die Region wird von unzähligen kleineren Kanälen und Flussläufen durchzogen, die kleine Inseln bilden und sich an einigen Stellen zu größeren Seen ausweiten. Rund 87 Prozent des Donaudeltas bestehen aus Sumpflandschaften, die damit das größte zusammenhängende Feuchtgebiet Europas bilden.

Das Donaudelta ist ein einzigartiges Ökosystem mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Neben rund 550 Wirbeltierarten kommen in dem Biosphärenreservat etwa 3.500 wirbellose Tierarten vor, von denen Insekten die größte Gruppe stellen. Unter den mehr als 100 Fischarten befinden sich sowohl Süß- als auch Salzwasserarten. Unter anderem leben verschiedene Störarten in den Flussläufen. Unter ihnen befindet sich der Donaustör, aus dessen Rogen schwarzer Kaviar gewonnen wird. Der größte Süßwasserfisch Rumäniens ist der Donauwels. Daneben gibt es große Populationen an Hechten, Karpfen und Flussbarschen. Nattern, Schlangen und Schildkröten stellen die größte Gruppe der Amphibien und die Feuchtgebiete sind die Heimat von mehr als 300 verschiedenen Vogelarten. Das Donaudelta liegt unmittelbar auf den Vogelzugrouten und ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel.

Die größten Säugetierarten im Donaudelta sind Wölfe, Wildschweine, Mönchsrobben und Marderhunde. Daneben sind Luchse und Europäische Nerze in den Feuchtgebieten heimisch. Bei Hochwasser werden die zahlreichen schwimmenden Inseln von den Säugetieren zum Schutz aufgesucht. In den Feuchtgebieten des Flussdeltas dominiert eine typische Sumpfvegetation mit ausgedehnten Seerosenfeldern und Schilfgürteln. Eine Besonderheit bilden die schwimmenden Inseln in der Flusslandschaft. Sie bestehen aus einem dicken Wurzelgeflecht, die sich mit Schlamm und abgestorbenen Pflanzenteilen verbinden und auf der Wasseroberfläche treiben. Sie erreichen eine beachtliche Größe und sind mit einer Humusschicht bedeckt, die den Nährboden für zahlreiche Krautpflanzen und Farne bildet. Im Schwemmland gehören Weiden zu den am meisten vertretenen Baumarten, während in der Deichlandschaft Pappeln und Stieleichen gedeihen.

Der Tourismus spielt für die Bevölkerung im Donaudelta eine wichtige Rolle. An vielen Stellen werden Ruderboote und Kanus ausgeliehen, mit denen Sie die Flusslandschaften befahren können. Für diese Ausflüge ist vorher eine Genehmigung der Reservatsleitung einzuholen. Bestimmte Gebiete im Donaudelta sind zum Angeln freigegeben. Mit einem gültigen Berechtigungsschein können Sie sich dort auf die Jagd nach Hechten, Zander und Karpfen begeben. Das Tor zum Donaudelta ist die Ortschaft Tulcea. Von hier verkehren Linienschiffe und Ausflugsboote in das Flussdelta, die dem Verlauf des mittleren Flussarmes folgen. Zu den meistbesuchten Regionen gehört der Lagunenkomplex Razim-Sinoie im Süden des Donaudeltas.

Neben den faszinierenden Naturlandschaften hat die Region des Donaudeltas einige Kulturdenkmäler zu bieten, denen Sie während Ihres Aufenthaltes einen Besuch abstatten können. In der Stadt Babadag unweit der Schwarzmeerküste befindet sich die zweitälteste Moschee Rumäniens. Das islamische Gotteshaus wurde im Jahr 1609 erbaut und ist noch heute das religiöse Zentrum für die türkischstämmigen Bewohner. Im Fischerdorf Jurilovca haben Sie die Gelegenheit, die Überreste der griechisch-römischen Siedlung Orgame-Argamum zu besichtigen, die bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. besiedelt war. Über dem Dorf Enisala erheben sich die Ruinen einer mittelalterlichen Festung aus dem 14. Jahrhundert und in der Nähe befindet sich eine griechische Nekropole mit mehreren Grabstellen.

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