Schwarze Kirche - bedeutendster gotischer Sakralbau

Die Schwarze Kirche ist eine gotische Hallenkirche in der rumänischen Stadt Brasov, die gemeinsam mit dem Alten Rathaus zu den bedeutendsten historischen Bauwerken im Stadtzentrum gehört.

Rumänien Schwarze Kirche
Rumänien - Schwarze Kirche

Die Schwarze Kirche ist der bedeutendste gotische Sakralbau in Rumänien. Das Gotteshaus erhebt sich am historischen Marktplatz in der Altstadt von Brasov. Einst stand an dieser Stelle eine romanische Basilika, die zur Gründungszeit der auch als Kronstadt bezeichneten rumänischen Stadt in Siebenbürgen errichtet wurde. Sie wurde im frühen 13. Jahrhundert durch Mitglieder des Deutschen Ordens erbaut und im Jahr 1241 zur Zeit des Mongolensturms zerstört. Im Jahr 1383 wurde mit dem Wiederaufbau in Form einer gotischen Hallenkirche begonnen. Knapp 100 Jahre später, um das Jahr 1480, wurde das Bauwerk fertiggestellt und eingeweiht. Zur Mitte des 16. Jahrhunderts schlossen sich die Siebenbürger Sachsen, die damals die größte Volksgruppe in Brasov stellten, der Reformation an und in der Schwarzen Kirche wirkte mit Johannes Honterus ein bedeutender siebenbürgischer Reformator und Gelehrter. Unter ihm wurde das Gotteshaus zur evangelischen Kirche und zum Zentrum der Reformation in der historischen Region Siebenbürgen.

Im Jahr 1689 waren in Kronstadt österreichische Truppen stationiert und im gleichen Jahr brach aus bis heute ungeklärten Ursachen in der Stadt eine verheerende Feuersbrunst aus. Es wird vermutet, dass die kaiserlichen Truppen das Feuer gelegt hatten. Weite Teile des Stadtgebietes fielen den Flammen zum Opfer und die gotische Kirche brannte vollständig aus. Lediglich ein Fresko über dem Seiteneingang und die eisenbeschlagenen Eichenportale überstanden den Brand. Mit der Orgel, dem Altar und der Kanzel wurden sämtliche Einrichtungsgegenstände des Gotteshauses ein Raub der Flammen. Selbst der Kirchturm brannte lichterloh und die Hitze brachte die Glocken teilweise zum Schmelzen. Die Feuersbrunst ließ von der Kirche nur rußgeschwärzte Ruinen zurück, die der Schwarzen Kirche ihren Namen gaben. Rund 80 Jahre lang ragten die schwarzen Mauern der Marienkirche am Marktplatz in den Himmel, bevor das Gotteshaus in seinem ursprünglichen Zustand wieder aufgebaut wurde.

Im frühen 20. Jahrhundert fanden Restaurierungsarbeiten an der Schwarzen Kirche statt, die vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterbrochen wurden. Abgeschlossen wurden sie erst im Jahr 1969, wobei zahlreiche Mauersteine der Fassade ersetzt wurden. Im Inneren der Kirche befindet sich eine Ausstellung, in der die Arbeiten anhand von Fotos und Aufzeichnungen dokumentiert werden. Darüber hinaus können die Besucher der Schwarzen Kirche in den Innenräumen die größte europäische Sammlung orientalischer Teppiche besichtigen. Sie wurden im Lauf der Jahrhunderte von siebenbürgischen Handelsreisenden aus Kleinasien mitgebracht und der evangelischen Kirche geschenkt. In einer Höhe von 30 Metern befinden sich die beiden Turmuhren, die mit lateinischen Inschriften versehen sind. Die Schwarze Kirche besitzt eine Länge von 90 Metern und ist mit einer Buchholz-Orgel und einer Hesse-Orgel ausgestattet. Der Sakralbau ist das bedeutendste gotische Gotteshaus in Südosteuropa.

Neben der Schwarzen Kirche ist das Alte Rathaus am Rathausplatz ein markantes Wahrzeichen der Stadt Brasov. Die ältesten Gebäudeteile und der Turm stammen aus dem 14. Jahrhundert. Im Lauf der Jahrhunderte wurde das Rathaus um zahlreiche Anbauten wie die Verkaufslaube der Kürschner und die Hundertmannstube erweitert. Das historische Stadtzentrum von Brasov besteht aus einer Ansammlung prunkvoller Bürgerhäuser aus dem Spätmittelalter und eleganten Bauwerken aus dem 19. Jahrhundert. Die Altstadt ist von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben. Gut erhalten und aufwendig restauriert wurden unter anderem das Katharinentor aus dem Jahr 1559, der Weiße und der schwarze Turm sowie die Weberbastei. In den historischen Bauwerken sind heute Museen und Ausstellungen untergebracht. Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt erhebt sich die mittelalterliche Burg Bran auf einem steilen Felsen. Das Schloss wird von vielen Besuchern irrtümlich mit dem Wohnsitz des Fürsten Vlad III. Draculea in Verbindung gebracht, der als Graf Dracula im gleichnamigen Roman von Bram Stoker weltberühmt wurde. Eine Anwesenheit des rumänischen Fürsten auf der Burg Bran wurde allerdings nie belegt.

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