Sibiu-Hermannstadt - mittelalterliches Stadtzentrum

Die rumänische Stadt Sibiu wurde von deutschsprachigen Siedlern aus Sachsen im 12. Jahrhundert in der historischen Region Siebenbürgen als Hermannstadt gegründet.

Rumänien - Sibiu Hermannstadt
Rumänien - Sibiu Hermannstadt

Sibiu-Hermannstadt liegt am Kreuzungspunkt zweier bedeutender Handelsstraßen in Siebenbürgen am Ufer des Flusses Zibin. Mit dem sogenannten Königsboden befindet sich ein alter Siedlungsraum der Siebenbürger Sachsen östlich der Stadt. Das Fagaras-Gebirge erstreckt sich am südwestlichen Rand der Stadt und im Süden liegen die Bergrücken des Cibinului-Gebirges und des Lotrului-Gebirges. Die ersten deutschstämmigen Siedler ließen sich um das Jahr 1147 in den Hügeln oberhalb des heutigen Stadtgebietes nieder. Die erste urkundliche Erwähnung von Sibiu-Hermannstadt stammt aus dem Jahr 1191. Bis zum 14. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden mittelalterlichen Handelszentrum und geriet immer wieder ins Visier der Türken, die Sibiu mehrfach belagerten. Zur Abwehr der permanenten Bedrohung wurden drei Mauerringe um den Stadtkern errichtet, die noch heute teilweise erhalten sind. Bis zur Angliederung Siebenbürgens an Österreich im 19. Jahrhundert war Sibiu-Hermannstadt das wirtschaftliche und politische Zentrum der Siebenbürger Sachsen.

In der Stadt waren bis zum Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts noch 20.000 Siebenbürger Sachsen deutscher Abstammung beheimatet. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu Beginn der 90er Jahre sank der Bevölkerungsanteil drastisch. In der Stadt erscheint mit der Hermannstädter Zeitung noch heute eine deutschsprachige Tageszeitung und die Beschriftung der Ortstafeln und Hinweisschilder erfolgt in rumänischer und deutscher Sprache. Dank großer Investitionen aus Deutschland und Österreich gehört Sibiu-Hermannstadt zu den am dynamischsten wachsenden Städten in Rumänien. Im Jahr 2007 war die Stadt gemeinsam mit Luxemburg europäische Kulturhauptstadt. Sibiu-Hermannstadt besitzt ein gut erhaltenes mittelalterliches Stadtzentrum, das derzeit mit ausländischen Geldern saniert wird. Ihrem Ruf als kulturelles Zentrum Siebenbürgens wird Sibiu mit zahlreichen Festivals gerecht, die alljährlich in der Stadt stattfinden. Dazu gehören das Internationale Theaterfestival, das Sibiu Jazzfestival und das Carl-Filtsch-Festival.

Zahlreiche Baudenkmäler aus verschiedenen Jahrhunderten prägen das Antlitz der Innenstadt. Zu den bedeutendsten Bauwerken des Barock in Rumänien gehört das Brukenthal-Palais, das zwischen 1778 und 1788 in einer zehnjährigen Bauzeit errichtet wurde. Als Bestandteil der alten Stadtmauer zählen viele mittelalterliche Türme zu den ältesten Bauwerken der Stadt. Der sogenannte Verbindungsturm wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ermöglicht über zwei bogenförmige Zugänge den Zugang vom Kleinen zum Großen Marktplatz. Im 16. Jahrhundert wurde der Turm nach einem Einsturz wieder aufgebaut. Der zweistöckige Goldschmiedstiegen-Turm wurde im 15. Jahrhundert erbaut und ermöglichte den Zugang zum Goldschmiedeplatz. Zu den imposantesten Bauwerken gehört der sogenannte Dickenturm, der von außen an eine wehrhafte Festung erinnert. In seinem Innenraum entstand im Jahr 1778 das erste Theater in Sibiu-Hermannstadt. Als Lagerraum für Schießpulver diente der Pulverturm, der im Jahr 1522 fertiggestellt wurde. Darüber hinaus sind mit dem Töpferturm, dem Gerberturm und dem Armbrusterturm mehrere Türme erhalten, deren Bezeichnung auf einzelne Handwerkerviertel hindeutet.

Zu den bedeutendsten Sakralbauten in Sibiu-Hermannstadt gehören die römisch-katholische Biserica Romano-Catolica aus dem 18. Jahrhundert und die evangelische Kathedrale Biserica Evanghelica, die im 14. Jahrhundert im gotischen Baustil errichtet wurde. Zahlreiche Gebäude im Barockstil und im Stil des Klassizismus säumen die Straßen von Sibiu-Hermannstadt. Im alten Rathaus der Stadt mit seinem eindrucksvollen Innenhof ist heute das Historische Museum untergebracht. Die älteste Bildungseinrichtung der Stadt ist das Brukenthal-Lyzeum. Das deutsche Gymnasium wurde bereits im Jahr 1380 gegründet und ist heute noch eine Lehrstätte. Der Hauptplatz von Sibiu-Hermannstadt, an dem sich zahlreiche aufwendig sanierte Gebäude erheben, wird als Großer Ring bezeichnet und seit 2006 einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Die Brukenthal-Museen verteilen sich über das ganze Stadtgebiet und zeigen Kunstwerke berühmter Maler und Bildhauer unter anderem mit Werken von Jan van Eyck, Lucas Cranach und Paul Troger.

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