Viseu - Touristenmagnet Wassertalbahn

Viseu de Sus ist eine rund 15.000 Einwohner zählende Kleinstadt im Norden Rumäniens, die durch die Wassertalbahn bekannt wurde. Die Schmalspurbahn führt auf einer Länge von 40 Kilometern durch dichte Wälder bis an die ukrainische Grenze.

Rumänien Viseu
Rumänien - Viseu

Das Stadtgebiet von Viseu liegt am Zusammenfluss der Flüsse Viseu und Vaser im Norden Rumäniens. Im Jahr 1362 wurde der Ort erstmalig urkundlich erwähnt und im 18. Jahrhundert siedelten sich zahlreiche Familien aus dem deutschen Sprachraum in der Stadt an. Den ersten Siedlern aus den österreichischen Regionen bei Gmunden und Bad Ischl folgten deutschstämmige Einwanderer aus der heutigen Slowakei. Noch heute leben deutschstämmige Familien in der kleinen Stadt am Rand der Karpaten. Viseu liegt auf einer Höhe von knapp 430 Metern über dem Meeresspiegel. Es dominiert kontinentales Klima mit mäßig warmen Sommern und kalten Wintern. Eine ständige Gefahr stellt das Hochwasser in der Stadt dar. Nach hefigen Regenfällen schwellen die Flüsse zu reißenden Strömen an und rissen in der Vergangenheit bereits mehrfach Brücken und Gebäude mit sich.

Viseu wurde bekannt als Startpunkt für die sogenannte Wassertalbahn, die zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Rumäniens gehört und sich zu einem Touristenmagneten entwickelt hat. Bei der Wassertalbahn handelt es sich um eine Schmalspurbahn, die seit 2010 als rumänisches Kulturgut unter Denkmalschutz steht. Die Strecke führt von der rumänischen Stadt Viseu de Sus durch das Wassertal in die Karpaten und endet an der ukrainischen Grenze. Die Schmalspurbahn ist die letzte in Betrieb befindliche Waldbahn des Landes. Die Strecke wurde im Jahr 1932 fertiggestellt. Bereits im 18. Jahrhundert wurde das Tal des Flusses Vaser von der österreichischen Monarchie als Transportweg für Holz durch die tiefen Wälder der Karpaten genutzt. Bis zum Bau der Eisenbahnlinie wurden die Baumstämme von Flößern auf dem Fluss transportiert. Die Wassertalbahn durchfährt ein wildromantisches Tal und überquert zahlreiche Brücken. Die gesamte Strecke ist nahezu unbesiedelt und wird von tiefen Urwäldern gesäumt.

Die Wassertalbahn erfüllt noch heute ihre Funktion als Holztransport. Unterhalb der Woche verkehrt die Schmalspurbahn mehrmals täglich zwischen den Verladestellen in den Wäldern und dem Sägewerk im Tal. Darüber hinaus befördert die Eisenbahn die Waldarbeiter zu ihren Einsatzgebieten. Sie bleiben die Woche über in den Wäldern und kehren am Samstag nach einer harten Arbeitswoche zurück. Als Triebwagen kommen sowohl historische Dampflokomotiven rumänischer und deutscher Bauart als auch modernere Diesellokomotiven zum Einsatz. Die Spurbreite beträgt nur 760 Millimeter und die Schienen wurden auf leichte Holzschwellen genagelt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit der Schmalspurbahn beträgt wegen der schlechten Streckenbedingungen nur rund 15 km/h. Im Jahr 2008 verursachten schwere Unwetter große Zerstörungen an der Bahnstrecke. Damals wurden Brücken weggerissen und weite Teile des Gleisbettes unterspült. Als letzte Waldbahn der Karpaten bildete die Wassertalbahn Viseu in jüngerer Vergangenheit mehrfach dem Mittelpunkt von internationalen Filmdokumentationen.

Von Mai bis Juni, in den Sommermonaten und von September bis Oktober werden Fahrten mit der Wassertalbahn für Touristen angeboten. Im Juli und August sowie in der ersten Hälfte des Monates September verkehren die Züge täglich. Die Abfahrt erfolgt am Bahnhof des Sägewerkes im Tal und die Zugfahrt endet am Bahnhof Paltin in der Wassertalschlucht. Dort wurden ein Picknickplatz und eine Grillmöglichkeit für die Besucher eingerichtet. Spezielle Fotowochen werden für Anhänger historischer Eisenbahnromantik angeboten. Gegen eine Gebühr können Interessierte eine Woche lang die Fahrten der Wassertalbahn von den Verladestationen zum Sägewerk begleiten. Der Passagierzug wird von einer alten Dampflokomotive gezogen und verkehrt dreimal wöchentlich auf einer Gesamtstrecke von rund 31 Kilometern. Aufgrund des geringen Platzangebotes ist eine vorherige Reservierung erforderlich, die am Vortag im Bahnhofsgebäude erfolgen kann. Für die touristischen Ausflüge werden original erhaltene Karpaten-Waldbahn Personenwaggons und mehrere offene Sommerwaggons eingesetzt. Das Besteigen der Holztransporte und eine Mitfahrt außerhalb der Sonderfahrten ist für Touristen aus Sicherheitsgründen strikt untersagt.

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