Essen und Getränke auf Sardinien

Bis vor rund hundert Jahren waren viele Menschen der Meinung, dass die Sarden eine recht einfache Esskultur haben und sich ausschließlich von Brot, Käse, Zwiebeln und Gemüse ernähren. Die Sarden selbst schürten diese Gerüchte noch, da sie jeglichen kulinarischen Neuerungen zunächst ablehnend gegenüber standen. Das hat sich mittlerweile geändert, wobei es auch früher schon regionale Köstlichkeiten gab.

Heute findet die sardische Küche weltweit viele Fans. Eine besondere Bedeutung wird auf Sardinien dem Brot beigemessen und es gibt insgesamt rund 90 verschiedene Brotsorten. Neben Fladenbroten gibt es auch sogenannte Hochzeitsbrote, die zu feierlichen Anlässen in tagelanger Arbeit gebacken und mit allerlei Spezereien kunstvoll verziert werden. Die bekannteste sardische Brotsorte ist ein fast schon hauchdünnes Fladenbrot, das "Pane Carasau".

Zu einem guten Brot gehört ein guter Käse und auch in dieser Sparte sind die Sarden wahre Meister. In einer Kombination aus traditionellen Methoden und neuester Technik werden wohlschmeckende Käse hergestellt, die bei keinem Mahl fehlen dürfen. Der bekannteste Käse auf der Insel ist wohl der "Pecorino", der aus Schafs- oder Ziegenmilch hergestellt wird und bis zu sechs Monate reifen muss, um seinen charakteristischen Geschmack zu erlangen.

Darüber hinaus gibt es auf Sardinien viele Fleisch- und Wildgerichte, die mit verschiedenen Kräutern und Gewürzen schmackhaft zubereitet werden. Eine eher untergeordnete Rolle spielen dagegen Fisch und Meeresfrüchte, die trotz der Küstennähe eher selten auf den Tisch kommen.

Ein Gewürz, das typisch für die sardische Küche ist, ist der Safran. Safran ist eines der edelsten und teuersten Küchengewürze und wird unter anderem auf Sardinien angebaut. Der Preis ist ganz einfach auf den enormen Arbeitsaufwand und den dann noch immer geringen Ertrag zurückzuführen. Um Safran zu ernten, müssen die Blüten einer bestimmten Krokusart gepflückt werden. Von diesen Blüten werden die Stempelfäden gezupft und das ist dann der begehrte Safranfaden. Für ein Kilogramm Safran müssen fast 100.000 Blüten gezupft werden, und wenn man sich diese Zahlen vor Augen führt, dürfte der hohe Preis kaum mehr überraschen. Safran verleiht nicht nur Backwaren eine besonders schöne und appetitliche Farbe, er sorgt auch bei etlichen Reis- oder Nudelgerichten für einen ganz besonderen und unvergleichlichen Geschmack.

Neben Brot und Käse wird auf Sardinien auch ausgezeichneter Wein hergestellt. Bereits seit 700 v. Chr. wird auf Sardinien Wein gekeltert. Unlängst wurden hier jahrhundertealte Traubenkerne gefunden. Nun soll festgestellt werden, wo diese ihren Urspung haben. Wenn festgestellt werden kann, dass diese aus Sardinien stammen, dann ist die Weinkultur der Sarden sogar noch 500 Jahre älter als bisher vermutet. Die Geschmacksrichtungen gehen beim sardischen Wein aufgrund der klimatischen Bedingungen von süß bis frisch und fruchtig. Sehr bekannt ist der Moscato, ein süßer Dessertwein, der gut gekühlt getrunken werden sollte. Daneben gibt es auf der Insel auch kräftigen Rotwein und einen leichten Weißwein mit dem Namen Vermentino.

Die sogenannten Dolce, also die Süßigkeiten oder Desserts, spielen in der sardischen Küche ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine der bekanntesten Spezialitäten ist das "Torrone", ein Honignugat. Für "Torrone" wird Eiweiß mit dem hellen, süßen Honig Sardiniens vermischt, bis eine lockere schaumige Masse entsteht. Diverse Nuss- und Mandelsorten verfeinern die Masse, die anschließend im Backofen getrocknet wird. Die "Torrone" wurde bis vor 50 Jahren noch von den Frauen in Handarbeit hergestellt. Dazu trafen sich immer zwei Frauen und mit einem Holzlöffel wurde die bis zu 15 Kilogramm schwere Masse geschlagen. Dabei wechselten sich die Frauen ab. Heute hat auch hier die Technik Einzug gehalten und ein modernes Rührwerk übernimmt die schweißtreibende Arbeit.

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