Loch Ness - sagenumwobender See

Loch Ness ist ein schottischer Süßwassersee, der im Norden des Landes liegt und aufgrund der angeblichen Sichtungen eines Seeungeheuers weit über die Ländergrenzen Schottlands hinaus bekannt ist.

Loch Ness
Loch Ness - sagenumwobener See

Loch Ness ist der wasserreichste See Schottlands. Die Entstehung des Gewässers geht auf die letzte Eiszeit zurück, als sich die Gletscher aus Mitteleuropa zurückzogen und dabei abschmolzen. Loch Ness besitzt eine lang gestreckte Form und ist verhältnismäßig schmal. In seiner größten Länge misst der See rund 37 Kilometer bei einer durchschnittlichen Breite von 1,5 Kilometern. Es wird vermutet, dass Loch Ness einst eine Verbindung zum offenen Meer besaß. Durch den nachlassenden Druck der schmelzenden Gletscher auf die Landmasse kam es zu einer Hebung des Geländes und der Zugang wurde abgeschnitten. Mit einer durchschnittlichen Tiefe von 132 Metern gehört Loch Ness zu den tiefsten Seen Schottlands. Der See liegt inmitten einer urwüchsigen Naturlandschaft im sogenannten Great Glen. Das Tal bildet die natürliche Trennungslinie zwischen den nördlichen und südlichen Regionen der schottischen Highlands.

In den See mündet der Fluss Foyer, dessen Sedimentablagerungen auf der Hälfte von Loch Ness das Gewässer in zwei große tiefe Becken teilt. Im Mündungsdelta des Flusses erhebt sich die einzige natürliche Insel des Sees. Mit Cherry Island befindet sich im südwestlichen Bereich von Loch Ness eine künstliche kleine Insel, die in der Bronzezeit aufgeschüttet wurde. Seit 1822 ist Loch Ness Teil eines künstlich angelegten Wasserweges, der die Nordsee mit dem Atlantischen Ozean verbindet. Der Kaledonische Kanal wurde angelegt, um den Schifffahrtsweg zwischen beiden Meeren zu verkürzen und der sturmgepeitschten See an der Nordküste Schottlands auszuweichen. Zur Überwindung der Höhenunterschiede war der Bau von 29 Schleusen erforderlich. Der 97 Kilometer lange Kanal erlangte jedoch nie die erhoffte wirtschaftliche Bedeutung. Heute wird er vornehmlich zu touristischen Zwecken genutzt. Für den Kanalbau wurde der Wasserspiegel von Loch Ness um rund drei Meter angehoben.

Aufgrund der Sagen und Legenden, die sich um das angebliche Seeungeheuer "Nessie" ranken, übt Loch Ness eine riesige Anziehungskraft auf Schottland-Urlauber aus. Seit Jahrhunderten berichten Augenzeugen in unregelmäßigen Abständen von Sichtungen des Seeungeheuers. Wissenschaftliche Bestätigungen über die Existenz eines solchen Lebewesens gibt es indes nicht. Im Ort Drumnadrochit befinden sich zwei Besucherzentren, die sich inhaltlich und thematisch mit dem Seeungeheuer beschäftigen. Etwas außerhalb des Ortes liegen am Seeufer die Ruinen von Urquhart Castle. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert erbaut und zählte einst zu den bedeutendsten mittelalterlichen Befestigungsanlagen Schottlands. Nachdem die letzten Garnisonstruppen im Jahr 1692 abgezogen waren, wurde die Anlage dem Verfall preisgegeben. Die Burgruinen sind touristisch gut erschlossen. In der Nähe befinden sich ein Parkplatz und ein Besucherzentrum mit Museum und Souvenirverkauf. Darüber hinaus finden Sie hier ein Kino und ein Café.

Das angebliche Ungeheuer von Loch Ness ist nicht das einzige Mysterium, das mit dem See in Verbindung gebracht wird. Ein Naturphänomen der besonderen Art ist die Gezeitenbewegung im Loch Ness. Sie folgt dem Rhythmus von Ebbe und Flut an der Nordsee, obwohl der Süßwassersee mit dem Meer nicht in Verbindung steht. An den Ufern des Sees können Sie dieses Phänomen beobachten, denn alle 32 Minuten schwappt eine Welle durch das Gewässer. Außerdem ist der Wasserstand im Abstand von zwei Tagen periodischen Schwankungen unterworfen. Das Rätsel wurde im Jahr 2011 durch Forscher des Liverpooler Oceanography Centre gelöst. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Last des Meeres eine Bewegung des schottischen Bodens im Rhythmus der Nordsee-Gezeiten verursacht. Möglich wurde die Begründung dieses Phänomens durch hochsensible Sensoren, die auf dem Grund des Sees platziert wurden und millimetergenaue Schwankungen der Wasserhöhe aufzeichneten. Die Messungen ergaben, dass mit dem Eintreffen der Flut der Druck auf die Landmasse Schottlands ansteigt und der Boden einsinkt. Bei Ebbe zeigt sich mit einer Hebung des Bodens der gegenteilige Effekt.

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