Sizilien und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Die wechselvolle Geschichte Siziliens wurde maßgeblich durch die strategisch günstige Lage zwischen Europa und Afrika geprägt. Die italienische Mittelmeerinsel gehörte seit der Antike verschiedenen Herrschaftsbereichen an.

Sizilien Geschichte
Sizilien Geschichte - Concordia-Tempel

Um das Jahr 800 v. Chr. begann die Besiedlung Siziliens durch die Griechen. Sie errichteten Siedlungen und Handelsstützpunkte an der Küste. Die bedeutendste griechische Ansiedlung auf der Mittelmeerinsel war die Stadt Syrakus an der Ostküste. Sie sollte über Jahrhunderte das geistige und kulturelle Zentrum Siziliens bleiben. Bedingt durch die zentrale Lage im Mittelmeer kam es zum Ende des 5. Jahrhunderts auf Sizilien zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Griechen und den Karthagern, der nahezu alle griechischen Ansiedlungen auf der Insel zum Opfer fielen. Im Rahmen des Ersten Punischen Krieges im Jahr 241 v. Chr. wurde Sizilien von den Römern erobert, die die Mittelmeerinsel zu ihrer ersten Provinz machten. Nach der Aufgabe der Insel durch die Karthager wurde Sizilien zur kleinen Kornkammer der antiken Großmacht und versorgte die römischen Städte auf dem Festland mit Getreide, Gemüse und Obst.

Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert herrschten zunächst Ostgoten und Vandalen auf Sizilien, bevor die Insel im 6. Jahrhundert an das Byzantinische Reich fiel. Die Handelsstützpunkte und Städte an den Küsten erlebten zu dieser Zeit einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im 7. Jahrhundert residierte zwischenzeitlich der Byzantinische Kaiser in der Hafenstadt Syrakus.

Im 9. Jahrhundert eroberten die Araber Sizilien. Syrakus verlor an Bedeutung und Palermo wurde die wichtigste Metropole auf der Mittelmeerinsel. Dank neuer Bewässerungstechniken, die von den Arabern eingeführt wurden, erlebt die Landwirtschaft einen ungeheuren Aufschwung. Bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts machte der muslimische Bevölkerungsanteil auf Sizilien ein Drittel an der Gesamtbevölkerung aus. Im 11. Jahrhundert eroberten die Normannen die Mittelmeerinsel und vertrieben die Araber. Unter dem Nordvolk wurde die Insel ein eigenständiges Königreich. In der Folge vermischten sich arabische, byzantinische und normannische Einflüsse auf Sizilien und die Insel erlebte eine kulturelle Blütezeit. Mit König Wilhelm II. endete die Herrschaft der Normannen auf Sizilien und im Jahr 1194 übernahmen die Staufer die Macht.

Auf die Staufer folgte im 13. Jahrhundert die Herrschaft von Anjou und Aragon. Im Jahr 1504 wurde Sizilien das Vizekönigreich von Aragon und Spanien, nachdem sich der sizilianische König zum König von Neapel ernannt hatte. Mehr als 200 Jahre lang übte Spanien die Vorherrschaft auf der Mittelmeerinsel aus. Dabei kam es mehrfach zu Aufständen der Bevölkerung gegen die Herrscher von der Iberischen Halbinsel. Als eine Folge des Spanischen Erbfolgekrieges geriet Sizilien im frühen 18. Jahrhundert an Savoyen, bevor im Jahr 1735 die Spanier Sizilien wieder zu ihrem Herrschaftsgebiet erklärten. Neapel und Sizilien wurden zum Königreich Neapel-Sizilien vereint und von König Ferdinand regiert. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand durch die großen Gegensätze zwischen der herrschenden Aristokratie und der armen Landbevölkerung die Mafia auf Sizilien.

Die Vereinigung mit Italien erfolgt im Jahr 1861 nach der Invasion durch Giuseppe Garibaldi. Obwohl die Invasoren zunächst als Befreier gefeiert wurden, folgten nach der Einführung neuer Gesetze durch die italienische Zentralregierung erste Aufstände. Sie wurden meist mit Militäreinsätzen niedergeschlagen. Mit der Machtergreifung durch Benito Mussolini im Jahr 1922 begann ein erbitterter Kampf gegen die Mafia, wobei zahlreiche Unbeteiligte zu den Opfern der kompromisslosen Methoden des Diktators wurden. Im Zweiten Weltkrieg trat das damals wirtschaftlich schwache Italien an der Seite Deutschlands in den Krieg ein. 1943 landeten alliierte Truppen von Afrika kommend auf der Insel und leiteten damit den Sturz Mussolinis und die Kapitulation Italiens ein.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde Sizilien im Jahr 1946 zu einer autonomen Region innerhalb Italiens mit umfangreichen Selbstverwaltungsrechten. Der wirtschaftliche Niedergang der strukturschwachen Mittelmeerinsel begann und Hunderttausende Sizilianer wanderten in den wirtschaftlich starken Norden des Landes oder in die USA aus. Später folgte eine Emigrationswelle in den Westen Deutschlands. Sizilien wurde nach der Gründung der EWG in den 50er Jahren zu einem dauerhaften Empfänger von Hilfsgeldern aus dem europäischen Topf. Bemühungen, die Wirtschaftskraft der Insel an den industriellen Norden Italiens anzugleichen, sind bis in die Gegenwart wenig erfolgreich. Darüber hinaus gelang es der Regierung in Rom nicht, die Mafia-Strukturen auf Sizilien nachhaltig zu bekämpfen. Erst in den 1980er Jahren wurden im Rahmen der sogenannten Maxi-Prozesse Hunderte Angehörige der Cosa Nostra verurteilt. In der Gegenwart hat Sizilien sowohl mit dem Kampf gegen die Mafia als auch mit illegaler Einwanderung über das Mittelmeer zu kämpfen.

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