Zypern und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Spuren der ersten menschlichen Besiedlung Zyperns reichen zurück bis in die Altsteinzeit. Bedingt durch die geografische Lage zwischen Orient und Okzident übten unterschiedliche Kulturen ihren Einfluss auf der Mittelmeerinsel aus und hinterließen in Zypern ihre Spuren.

Zypern Geschichte
Zypern Geschichte - Ruinen am Schongebiet von Apollon Ylatis

Archäologische Funde belegen, dass die erste dauerhafte Besiedlung Zyperns vor rund 12.000 von der Levante aus erfolgte. Damals rotteten die Siedler endemische Tierarten wie das zypriotische Zwergflusspferd und den Zwergelefanten aus. In der Bronzezeit ab etwa 2500 v. Chr. wurde damit begonnen, die Kupfervorräte auf der Insel auszubeuten. Funde aus Felsengrabkammern dieser Zeit förderten Kupferwaffen und Gegenstände aus Keramik zutage, die deutliche anatolische Einflüsse zeigten. In der späten Bronzezeit entwickelte sich Zypern zu einer wichtigen Zwischenstation im Handel zwischen den griechischen Inseln, den Regionen im östlichen Mittelmeerraum und Ägypten.

In der frühen Eisenzeit ab dem 11. vorchristlichen Jahrhundert gründeten phönizische Seefahrer erste Siedlungen auf Zypern. Die heutige Hafenstadt Larnaka entstand auf den Grundmauern einer phönizischen Kolonie aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. In den folgenden Jahrhunderten stand Zypern unter griechischem, assyrischem und persischem Einfluss. Im Jahr 58 v. Chr. wurde die Mittelmeerinsel römische Provinz. Der Rohstoffreichtum sorgte für großen Wohlstand in Zypern. Bereits im ersten Jahrhundert n. Chr. erlangte das Christentum Bedeutung als neue Religion und nach der Teilung des Römischen Reiches im Jahr 330 n. Chr. fiel die Mittelmeerinsel an Byzanz. Nachdem die Angriffe arabischer Flotten erfolgreich abgewehrt werden konnten, folgte eine friedvolle Periode.

Im Mittelalter eroberte Richard Löwenherz im Jahr 1191 im Rahmen des Dritten Kreuzzuges die Insel, bevor er mit seinem Kreuzritterheer in das Heilige Land weiterzog. Ein Jahr später kaufte der französische Kreuzritter Guy de Lusignan die Insel und führte eine Alleinherrschaft auf Zypern. Nach dem Tod des Herrschers trat sein Bruder Amalrich die Nachfolge an und wurde im Jahr 1196 gegen den Willen des byzantinischen Kaisers von Kaiser Heinrich VI. zum König ernannt. In den folgenden Jahrhunderten wurden zahlreiche gotische Kirchen auf der Insel errichtet. Ab 1374 stand Zypern für rund 100 Jahre unter genuesischer Herrschaft, bis im späten 15. Jahrhundert die Seerepublik Venedig die Oberherrschaft über die Insel übernahm.

Die Venezianer gaben der orthodoxen Kirche volle Religionsfreiheit, beuteten die Landbevölkerung jedoch gnadenlos aus, was im Jahr 1562 zu einem Bauernaufstand führte. Zum Ende des 16. Jahrhunderts sah sich Zypern mit einer wachsenden Bedrohung durch die Osmanen konfrontiert. Als Bollwerk gegen die türkischen Truppen wurden die vorhandenen Festungen durch die Venezianer ausgebaut. Im Jahr 1570 kam es zu einem überraschenden Angriff der Osmanen. Nach einer zehnmonatigen Belagerung fiel die befestigte Stadt Famagusta und der venezianische Statthalter wurde getötet. Bis zum Jahr 1878 blieb die Mittelmeerinsel Teil des Osmanischen Reiches. Besitztümer des Johanniterordens wurden übernommen und türkische Ortschaften gegründet.

Mit der Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 stieg das Interesse der Briten an Zypern als Zwischenstation zwischen den Kolonien in British Indien und dem Heimatland Großbritannien. Im Jahr 1878 einigten sich der Sultan des Osmanischen Reiches und Großbritannien auf eine Abtretung der Insel an die Europäer. Im Gegenzug sicherten die Briten den Osmanen ihre Unterstützung gegen Vorstöße der russischen Truppen zu. Mit dem Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg an der Seite der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn annektierte Großbritannien Zypern im Jahr 1914. Die völkerrechtliche Legitimation der Annexion erfolgte im Jahr 1923, als die Türkei formell diesem Vorgang zustimmte. Im Jahr 1925 wurde Zypern britische Kronkolonie.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges stiegen in Zypern die Hoffnungen auf Selbstbestimmung und ein Ende der Kolonialherrschaft. Im Rahmen einer Volksabstimmung im Jahr 1950 stimmten 96 Prozent der zypriotischen Einwohner einem Anschluss an Griechenland zu. Nach einer Ablehnung des Anschlusses durch die UNO kam es zu zahlreichen terroristischen Anschlägen durch die griechische Untergrundbewegung EOKA. Im Jahr 1960 wurde Zypern unabhängig und den griechisch- und türkischsprachigen Volksgruppen wurden gleiche Rechte eingeräumt. Erster Staatspräsident wurde Erzbischof Makarios.

Die Auseinandersetzungen zwischen beiden Volksgruppen mündeten im Jahr 1963 in bürgerkriegsähnliche Zustände auf Zypern, was die Vereinten Nationen zur Entsendung von Friedenstruppen veranlasste. Staatspräsident Makarios wurde am 15. Juli 1974 durch einen Putsch der zypriotischen Nationalgarde abgesetzt, was die Türkei zum Anlass nahm, den Nordteil der Insel mit Invasionstruppen zu besetzten. Mehr als 200.000 griechischsprachige Einwohner wurden aus dem besetzten Gebiet vertrieben. Seit dieser Zeit ist die Mittelmeerinsel in einen griechischen und einen türkischen Teil unterteilt. Die von der Türkei ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird, außer von den Besetzern, von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt. Im Zuge der Beitrittsverhandlungen Zyperns mit der Europäischen Union gab es mehrere Versuche zur Wiedervereinigung, die jedoch an der Ablehnung der zypriotischen Griechen scheiterten. Seit April 2008 ist die Grenze an der Ledrastraße im Herzen der geteilten Hauptstadt Nikosia geöffnet.

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