Kanada und seine Geschichte – ein kurzer Überblick

Die ersten Siedler kamen vermutlich vor 30.000 bis 15.000 Jahren über eine Landbrücke, die Sibirien mit Alaska verband, in das Gebiet des heutigen Kanada. Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass sowohl die Inuit als auch einige der nordamerikanischen Indianervölker asiatische Vorfahren haben. Die ersten europäischen Siedler waren norwegische Wikinger, die über die britischen Inseln, Island, Grönland und schließlich Neufundland circa 1000 n. Chr. nordamerikanischen Boden erreichten.

Sie ließen sich für kurze Zeit im Norden nieder und trieben Handel mit den dort ansässigen Inuit. Sie blieben jedoch nicht lange und es dauerte bis 1497, bis neuerlich Europäer, diesmal im Auftrag des englischen Königs, kanadischen Boden betraten.

Die reichen Fischgründe vor der Küste Neufundlands zogen bald nicht nur Engländer, sondern auch Franzosen an. Mitte des 16. Jahrhunderts fuhren die Franzosen erstmals auf dem St.-Lorenz-Strom weiter ins Landesinnere vor und erhoben bald Gebietsansprüche. Da das Land aber den erhofften Reichtum an Mineralien und Rohstoffen nicht erfüllte, erlosch das französische Interesse relativ schnell wieder und erst mit Beginn des 17. Jahrhunderts gründeten sie einen ersten Handelsposten an der Küste der heutigen Provinz Nova Scotia.

1608 folgte die Gründung von Quebec, das innerhalb kurzer Zeit zu einem regen Handelszentrum anwuchs. Im Jahr 1663 nahm die französische Krone schließlich die ganze Region entlang des St.-Lorenz-Stroms bis an die Großen Seen und sogar bis zum Mississippi in Besitz und verwaltete die neue Kolonie von Quebec aus.

Es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen um Gebietsansprüche zwischen den Engländern und den Franzosen. Beide Seiten wurden von unterschiedlichen Indianerstämmen unterstützt und die Streitigkeiten gipfelten im Siebenjährigen Krieg. Dieser fand sein Ende im Frieden von Paris des Jahres 1763, bei dem Frankreich den Osten Kanadas an England verlor. Die Engländer gewährten den hier ansässigen Franzosen jedoch Religionsfreiheit, um sich so deren Neutralität im Konflikt mit den nach Unabhängigkeit strebenden Kolonien in Nordamerika zu sichern.

Nach der Erreichung dieser Unabhängigkeit wurde die Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten im Vertrag von Versailles 1784 festgeschrieben. Schon bald darauf wurde eine erste kanadische Legislative eingeführt, die einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Autonomie Kanadas darstellte. 1791 teilten die Briten Kanada in die Provinzen Ober- und Unterkanada auf und es kam sowohl zu internen als auch zu grenzüberschreitenden Konflikten.

Diese gipfelten 1812 im Versuch der USA, die kanadischen Besitzungen der Engländer zu erobern, was diese jedoch verhindern konnten. Die internen Konflikte konnten jedoch nicht unterdrückt werden und 1837 kam es zu einer bewaffneten Revolte. Auch wenn diese von regierungstreuen Truppen niedergeschlagen werden konnte, so wurde allmählich immer deutlicher, dass Reformen notwendig waren.

1840 vereinigten sich die beiden Provinzen und führten eine parlamentarische Regierung ein. 1867 schlossen sich Ontario, das französischsprachige Quebec, Nova Scotia und New Brunswick zum sogenannten "Dominion of Canada" zusammen und der Constitution Act aus dem Gründungsjahr gilt als erste Verfassung Kanadas. Es folgten die Provinzen Manitoba, Alberta und Sakatchewan, die alle der Hudson’s Bay Company abgekauft wurden und in den Jahren 1871 und 1873 schlossen sich auch British Columbia sowie Prince Edward Island der kanadischen Vereinigung an. Neufundland als zehnte Provinz Kanadas folgte erst im Jahr 1949. Bereits 1885 gab es eine durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen der Atlantik- und der Pazifikküste. Diese beschleunigte einerseits die Expansion in den Westen und trug andererseits zur Stabilität des neuen Staatengebildes bei.

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts Gold im Klondike River gefunden wurde, war dies der Beginn eines stetigen Stroms an Einwanderern, die in erster Linie aus den Vereinigten Staaten, aber auch aus Europa in den Nordwesten Kanadas kamen. Neben Gold wurden auch zahlreiche Rohstoffe gefunden, die dem Land zu einem enormen wirtschaftlichen Aufschwung verhalfen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem Kanada auf Seiten der Briten teilnahm, begann das Land, sich außenpolitisch neutral zu positionieren und gleichzeitig die internen Konflikte zwischen der englisch- und der französischsprachigen Bevölkerung einzudämmen. Nachdem Kanada 1931 seine Unabhängigkeit von England erlangte, trat es auf Seiten der Alliierten in das Kriegsgeschehen ein. Nach dem Krieg orientierte sich Kanada immer mehr weg vom Mutterland England in Richtung der Vereinigten Staaten und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung.

In den 1960er-Jahren kam es jedoch vermehrt zu separatistischen Bewegungen der Frankokanadier. Diese wurden in den 1970er-Jahren zunehmend stärker, in einem Referendum wurden sie jedoch 1980 mehrheitlich von der Bevölkerung abgelehnt. Zwei Jahre später trat ein für ganz Kanada gültiges Verfassungsgesetz in Kraft, das jedoch von der Provinz Quebec nicht unterzeichnet wurde und bis heute nimmt Quebec einen Sonderstatus innerhalb Kanadas ein. Einen Sonderstatus haben auch die Inuit und die als "First Nations" bezeichneten Indianer Kanadas, die teilweise über selbstverwaltete Territorien im Norden und Nordwesten des Landes verfügen.

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