Athabasca Gletscher - bizarre Welt aus Eishöhlen

Der Athabasca Gletscher ist ein Teil des Columbia-Eisfeldes und eine der größten Attraktionen im kanadischen Jasper National Park.

Athabasca Gletscher
Athabasca Gletscher - bizarre Welt aus Eishöhlen

Der Athabasca Gletscher liegt in den kanadischen Rocky Mountains und ist die Hauptattraktion im Jasper National Park. Die gute Erreichbarkeit durch seine Lage in unmittelbarer Nähe des Icefields Parkways macht ihn zu einem der meistbesuchten Gletscher Nordamerikas. Klimatische Veränderungen haben dazu geführt, dass der Athabasca Gletscher in den letzten 125 Jahren rund die Hälfte seines Volumens eingebüßt hat. Die Gletscherzunge befindet sich auf dem Rückzug und liegt heute etwa 1,5 Kilometer tiefer in den Bergen als zur Mitte des 19. Jahrhunderts. An der Strecke, die vom Columbia Icefield Center bis zur Gletscherzunge führt, wurden von der Nationalparkverwaltung Tafeln aufgestellt, die den Rückzug des Eises dokumentieren. Die älteste Jahreszahl stammt aus dem Jahr 1844 und befindet sich in unmittelbarer Nähe des Besucherzentrums. Die Tafeln markieren Punkte, bis zu denen sich der Gletscher einst ausdehnte. Sie belegen eindrucksvoll die enorme Geschwindigkeit des Abschmelzens.

Vom Columbia Icefield Center aus werden geführte Touren in die Welt des ewigen Eises angeboten. Sie haben die Möglichkeit, unter Leitung eines ortskundigen Führers den Gletscher zu Fuß zu erkunden oder den Athabasca Gletscher im Rahmen eines Ausfluges mit speziellen Fahrzeugen zu besichtigen. Die sogenannten Snowcoaches sind bis zu 20 Tonnen schwere Busse mit extrem breiten Reifen, die über den 300 Meter dicken Eispanzer fahren. Das geschätzte Volumen des Athabasca Gletschers beträgt 640 Millionen Kubikmeter. Stück für Stück bewegt sich der Gletscher talwärts. Ein Eiskristall benötigt für die Wanderung vom oberen Bereich des Gletschers bis zur Gletscherzunge etwa 180-200 Jahre. Der Athabasca Gletscher ist eine Hauptzunge des Columbia-Eisfeldes. Die Eisfläche bedeckt rund 325 Quadratkilometer und gehört zu den gewaltigsten Eisansammlungen südlich des Polarkreises. Vom Columbia-Eisfeld werden zahlreiche Gletscherflüsse gespeist, die sich in hoch gelegenen Seen sammeln und sich als reißende Bergflüsse ihren Weg ins Tal bahnen.

Vom Icefield Parkway führt eine Stichstraße zum Parkplatz unterhalb der Endmoräne. Hier weist eine Tafel mit der Jahreszahl 1956 auf das ehemalige Ende der Gletscherzunge hin. Über den Forefield Trail führt ein Wanderweg bis an den Rand der riesigen Eisfläche. Am Wegesrand wird auf Schautafeln die Geschichte des Athabasca Gletschers dokumentiert. Der Weg führt über steinige Geröllfelder, die der zurückweichende Gletscher hinterlassen hat. Teilweise sind erhebliche Steigungen zu überwinden, die von lockerem Schutt bedeckt sind. Festes Schuhwerk ist für diese Wanderung unabdingbare Voraussetzung. Der Weg endet direkt vor der Gletscherzunge. Absperrungen weisen auf die Gefahren beim eigenständigen Betreten des Eises hin. Insbesondere zu Beginn des Sommers bedecken noch lockere Schneeschichten Gletscherspalten und tiefe Löcher auf dem Eis. Die Gefahr wird von vielen Besuchern unterschätzt. Der Sturz in eine Gletscherspalte kann lebensgefährliche Verletzungen zur Folge haben und der Kälte kann der Körper nur wenige Stunden widerstehen.

Am Ende der Gletscherzunge treten kleine Bäche aus, die als Gletschermilch bezeichnet werden. Im Tal vereinigen sich die Rinnsale zum Fluss, der in den Lake Sunwapta mündet. Später gewinnt der Fluss durch den Zufluss zahlreicher weiterer Bäche an Größe und schwillt zum Athabasca River an. Die gewaltige Kraft des Wassers wird an den Athabasca Falls sichtbar. Hier stürzt das Wasser des Flusses mit Urgewalt 23 Meter in die Tiefe. Die Wasserfälle sind nur 18 Meter breit, was dazu führt, dass sich gewaltige Wassermengen innerhalb kürzester Zeit durch dieses Nadelöhr zwängen. An den Athabasca Falls befindet sich ein Besucherparkplatz, der als Ausgangspunkt für Exkursionen zu den Wasserfällen dient. Auf einer Tafel sind Pfade verzeichnet, die zu herrlich gelegenen Aussichtspunkten führen. An der Zunge des Athabasca Gletschers haben die Bäche und Rinnsale eine bizarre Welt aus Eishöhlen geschaffen. Fällt das Sonnenlicht durch den Eispanzer, funkeln die Eiskristalle in allen erdenklichen Blauschattierungen.

TOP