Brasilien und seine Geschichte – ein kurzer Überblick

Die Geschichte Brasiliens beginnt mit der Besiedelung durch unterschiedliche Indianerstämme vor Tausenden von Jahren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die ökologischen Bedingungen im Amazonasbecken das Aufkommen von bevölkerungsstarken Hochkulturen wie in den Anden nicht zuließen. Es wird daher vermutet, dass das Gebiet in erster Linie von nomadischen oder halbnomadischen Jägern und Fischern besiedelt wurde, die in geringem Umfang auch Ackerbau betrieben.

Brasilien Geschichte
Brasilien Geschichte - Rio de Janeiro

Nachdem der Seefahrer Pedro Álvares Cabral im Jahr 1500 die Küste für die portugiesische Krone beanspruchte, machte sich Martim Alfonso de Sousa ab 1532 an die Besiedelung des Gebietes, damit keine anderweitigen Kolonialansprüche gestellt werden konnten. Riesige Landgüter wurden von adligen Privatpersonen übernommen und die Ureinwohner gewaltsam vertrieben, versklavt oder aber auch getötet.

Die angelegten Großplantagen waren mit einer Menge Arbeit verbunden und so wurden neben den einheimischen auch afrikanische Sklaven zur Arbeit auf den Plantagen eingesetzt. Die portugiesischen Kolonialgebiete dehnten sich immer weiter aus, denn Goldsucher und Sklavenjäger wagten sich mehr und mehr ins Landesinnere vor.

Im Vertrag von Madrid wurden 1750 die Kolonialgrenzen in Südamerika neu festgelegt und 1763 verlegte die portugiesische Kolonialverwaltung ihren Sitz von Salvador nach Rio de Janeiro. Im Jahr 1789 erfolgte der erste Aufstand der indigenen Bevölkerung gegen die portugiesische Herrschaft, dieser wurde jedoch sehr schnell zerschlagen. Während der Eroberungszüge Napoleons verlegte die portugiesische Regierung ihren Sitz kurzerhand von Lissabon nach Rio de Janeiro. Nachdem die napoleonischen Truppen abgezogen waren, kehrte 1821 auch der Hof wieder nach Lissabon zurück.

Pedro I, der Sohn des portugiesischen Königs, erklärte kurz darauf die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal und ließ sich 1822 zum brasilianischen Kaiser krönen. 1888 wurde das Goldene Gesetz verabschiedet, mit dem die Sklaverei offiziell abgeschafft wurde. Eine Wirtschaftskrise und Unruhen unter den Streitkräften führten 1889 zu einem Militärputsch, in dessen Folge Brasilien zur Republik wurde. Nun wurde auch erstmals eine Verfassung erarbeitet und 1891 wurden die Vereinigten Staaten von Brasilien ausgerufen. Zu einer wirtschaftlichen Blüte kam es während des Ersten Weltkrieges durch den ausgeprägten Kaffee-Export. In der Nachkriegsdepression verelendeten viele Menschen, was zu innenpolitischen Unruhen führte, die das Land in der Entwicklung um Jahre zurückwarfen.

Getulio Vargas nutzte die Weltwirtschaftskrise 1930 und machte sich zum Alleinherrscher. Er schaffte nicht nur die Verfassung, sondern auch sämtliche Parteien im Land ab. Seine großen Vorbilder waren Hitler und Mussolini und seine politischen Entscheidungen stark vom faschistischen System beeinflusst. Die USA setzten Vargas jedoch 1942 so stark unter Druck, dass Brasilien der Koalition gegen Hitler beitrat. Die Herrschaft von Vargas, die als "Stado Novo" in die Geschichte einging, endete schließlich 1945. Er wurde der Korruption und der Misswirtschaft beschuldigt, hielt dem Druck nicht mehr stand und beging schließlich Selbstmord.

Einen Neuanfang gab es mit Kubitschek de Oliveira, der das zurückgelassene Trümmerfeld neu zu ordnen versuchte. Unter seiner Regierung wurde Brasilien ab 1956 zunehmend stärker industrialisiert und mit Brasilia wurde eine neue Hauptstadt erbaut, die am Reißbrett geplant worden war. Das noch immer oder schon wieder brachliegende Binnenland sollte damit erschlossen werden. De Oliveiras Politik brachte dem Land eine Produktivitätssteigerung, von der jedoch nur die wenigsten Menschen profitierten. Die Auslandsverschuldung stieg stetig an und die Inflationsrate nahm rapide zu.

Der nachfolgende Präsident Joao Goulart versuchte eine Bodenreform durchzusetzen, die vor allem den landlosen Bauern zugutekommen sollte. Die Ölindustrie sollte unter ihm verstaatlicht werden. Nach einem Putsch der Opposition im Jahr 1964 übernahm das Militär schließlich die Macht und wandelte die pluralistische Parteienlandschaft in ein Zweiparteiensystem um, in dem jegliche Opposition unterdrückt wurde. Eine Lockerung trat erst zwischen 1974 und 1979 ein, als General Ernest Geisel Staatspräsident war. In dieser Zeit blühte Brasilien erneut auf und erzielte ein zweistelliges Wirtschaftswachstum.

Dem Aufschwung folgte erneut eine Depression, bis das Militär die politische Bühne um 1985 verließ und allmählich ein Demokratisierungsprozess einsetzte. Seit den 1990er-Jahren erlebt Brasilien große ökonomische Erfolge, die unter anderem auf die Wirtschaftsreformen der zivilen Regierung zurückzuführen sind. Große Ölvorkommen tragen ebenso wie die Abholzung weiter Teile des Urwalds einen nicht unerheblichen Teil zum Wirtschaftsaufschwung bei. Die Kehrseite ist allerdings die Zerstörung der Umwelt, die weitreichende Probleme nach sich zieht.

Bis heute besteht im Land ein sehr großes Sozialgefälle mit enormen Unterschieden zwischen Arm und Reich. Die Auslandsverschuldung ist noch immer sehr hoch und dazu kommen interne Probleme wie Korruption und Drogenhandel.

Der Beginn einer neuen Ära ist seit Präsident Luis Inácio da Silva zu verzeichnen. Er stand für die linksgerichtete Arbeiterpartei seit 2003 an der Spitze seines Landes und wurde 2011 von Dilma Rousseff im Amt abgelöst. Der Rückhalt, den er und seine Nachfolgerin von allen Schichten erfahren, ist gigantisch.

TOP