Paraty - Ensemble aus der Kolonialzeit

Paraty ist eine Küstenstadt zwischen den brasilianischen Metropolen Rio de Janeiro und Sao Paulo, deren komplett erhaltene koloniale Altstadt aus dem 17. Jahrhundert seit 1958 unter Denkmalschutz steht.

Paraty
Paraty - Ensemble aus der Kolonialzeit

Die rund 37.500 Einwohner zählende Stadt Paraty liegt unmittelbar am Atlantischen Ozean und abseits der Fernverkehrsstraße, die Rio de Janeiro mit der Hafenstadt Santos verbindet. Das genaue Datum der Stadtgründung ist nicht bekannt. Belegt ist lediglich, dass Paraty zum Ende des 17. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, als in der Nähe Gold- und Edelsteinvorkommen entdeckt wurden. Aus dieser Zeit stammen die meisten Häuser in der historischen Altstadt, die zusammen ein architektonisches Gesamtensemble aus der Kolonialzeit bilden. Im Jahr 1958 wurde von der brasilianischen Regierung beschlossen, den kompletten Altstadtkern unter Denkmalschutz zu stellen. Noch bis zum Jahr 1954 konnte die Küstenstadt ausschließlich über den Seeweg erreicht werden. Die Verbindung zur Fernverkehrsstraße wurde erst in diesem Jahr gebaut.

Das Stadtzentrum von Paraty beeindruckt mit schneeweiß getünchten Kolonialgebäuden, von denen sich die bunt gestrichenen Fensterläden und Türrahmen abheben. Die Stadt wird von Straßen mit historischem Kopfsteinpflaster durchzogen, die einst von den Sklaven der Plantagenbesitzer angelegt wurden. Die grob behauenen Steinquader weisen noch heute zahlreiche Unebenheiten auf und lehren die Bewohner, sich in den autofreien Straßen und Gassen nur langsam fortzubewegen. Die Altstadt von Paraty besteht aus Dutzenden weißen Villen mit kunstvoll verzierten Fassaden. Einige Dächer sind von blühenden Blumen bedeckt und hinter den Häuserfassaden befinden sich Restaurants, Cafés, Kunstateliers und Kulturstätten. In der Rua Marechal Santos Dias erhebt sich das älteste Gebäude der Stadt. Eine Inschrift an einem Holzbalken weist den Zeitpunkt der Errichtung als das Jahr 1699 aus. Neben prächtigen kolonialzeitlichen Wohnhäusern gehören die Kirchen Santa Rita und Nossa Senhora da Conceicao zu den reizvollsten Bauwerken in Paraty. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als die Stadt ihre Blütezeit erlebte.

Ein Bummel durch das Gassengewirr im historischen Stadtzentrum führt Sie über kurz oder lang an den Hafenkai, der ebenfalls zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Auf den Wellen schaukelt sanft eine Reihe größerer und kleinerer Boote im Rhythmus mit den anrollenden Wellen. Im 19. Jahrhundert erlebte die Küstenstadt einen wirtschaftlichen Niedergang. Der Hafen verlor durch den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Sao Paulo und Rio de Janeiro an Bedeutung als Warenumschlagsplatz für Gold und Edelsteine und durch das Fehlen einer Straßenanbindung verarmte Paraty zusehends und wurde jahrzehntelang vom Fortschritt abgeschnitten. Dieser Zustand änderte sich erst mit dem Beginn der Bauarbeiten an einer Verbindungsstraße zur Fernverkehrsroute Santos-Rio de Janeiro. Der atlantische Regenwald in der Umgebung der Stadt wurde durch die Baumaßnahmen nicht in Mitleidenschaft gezogen und die nahezu vergessene Küstenstadt mit der malerischen Altstadt entwickelte sich zu einem touristischen Anziehungspunkt im Süden Brasiliens. Heute ist die Stadt die Heimat vieler Künstler und Kulturschaffenden.

In zahlreichen Kunstgalerien präsentieren regionale Künstler ihre Werke in der Innenstadt von Paraty. Über das Jahr verteilt finden in der Stadt Lesungen und Diskussionsforen mit internationaler Beteiligung statt. Mehrere Nationalparks erstrecken sich in der Umgebung der Küstenstadt. Sie überzeugen mit einer intakten Natur und einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Vor der Küste liegt die zerklüftete Inselwelt Baia da Ilha Grande mit ihren farbenprächtigen Unterwasserwelten. Taucher und Schnorchler schätzen den ungeheuren Fischreichtum der Region und den vergleichsweise hohen Bestand an Meeresschildkröten. Der tropische Küstenwald Mata Atlantica ist über eine Zufahrtsstraße von Paraty aus zu erreichen. In den unberührten Naturlandschaften erwarten Sie eindrucksvolle Wasserfälle, eine üppige Vegetation und verschlungene Flussläufe. Nach Einbruch der Dunkelheit breitet sich eine geheimnisvolle Stimmung über der kolonialen Altstadt von Paraty aus. Die exzellenten Restaurants laden zum Genuss landestypischer Köstlichkeiten wie Tapiocas und Petiscos ein und am späten Abend haben Sie Gelegenheit, den brasilianischen Zuckerrohrschnaps Cachaça zu probieren.

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