Serra da Bocaina - Nationalpark mit Baumriesen

Der Nationalpark Serra da Bocaina erstreckt sich in einem bewaldeten Gebirgszug, der zwischen den brasilianischen Metropolen Rio de Janeiro und Sao Paulo an der Atlantikküste liegt.

Serra da Bocaina
Serra da Bocaina

Im Jahr 1971 wurde der Nationalpark Serra da Bocaina von der brasilianischen Regierung mit dem Ziel gegründet, die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt des atlantischen Regenwaldes und der höher gelegenen Mischwälder zu schützen. Das geschützte Areal erstreckt sich über eine Fläche von 134 Hektar und schließt das größte zusammenhängende Stück atlantischen Regenwaldes in Brasilien ein. Die Landschaftsformen variieren stark in Abhängigkeit von der Höhenlage. In den tieferen Lagen der Küstenregion dominiert der Regenwald mit bis zu 40 Meter hohen Baumriesen. Mit zunehmender Höhe lichtet sich die dichte Vegetation und geht in einen Mischwald mit einem reichen Bestand an Pinien und Araukarien über. Oberhalb von 2.000 Metern ziehen sich endlose Graslandschaften hin, die nur selten von einzelnen Kiefernhainen unterbrochen werden. Höchster Gipfel im Nationalpark Serra da Bocaina ist der Berg Tira-Chapeu mit einer Höhe von 2.200 Metern.

Der atlantische Regenwald in der Küstenregion des Nationalparks besitzt eine ungeheure Artenvielfalt. Die dichte Vegetation ist auf erhöhte Niederschlagsmengen zurückzuführen, die durch den Stau der Wolken an den Berggipfeln verursacht werden. Die bis zu 40 Meter hohen Baumwipfel bilden ein geschlossenes Blätterdach, unter dem ein immerfeuchtes Mikroklima in der schattigen Bodenregion existiert. Moose, Orchideen und Bromeliengewächse sind die häufigsten Vertreter der Flora in diesem Bereich. Der Nationalpark Serra da Bocaina ist die Heimat einer großen Anzahl endemischer Tier- und Pflanzenarten. Biologen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Baumarten, rund 40 Prozent der Säugetiere und 160 Vogelarten ausschließlich im atlantischen Regenwald Brasiliens vorkommen. Typische Vertreter unter den Säugetieren sind der Tapir, Faultiere, Jaguare und Brüllaffen. Löwenäffchen, Kragenfaultier und Büschelaffen sind im Nationalpark heimisch und stehen seit längerer Zeit auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Oberhalb von 1.600 Metern ändert sich das Landschaftsbild. Der Regenwald geht in einen Mischwald über, der von Zedern, Pinien und Araukarien dominiert wird. In dieser Region entstehen die meisten Wasserfälle, die für diese Region typisch sind. Die höchsten Niederschlagsmengen fallen zwischen Mai und August. Zu dieser Zeit erreichen auch die Temperaturen die niedrigsten Werte. Die Geschichte des Naturreservates ist eng mit der Kolonialisierung Brasiliens verbunden. Nach der Entdeckung von Gold- und Edelsteinvorkommen in den Bergen wurden Tracks durch den Dschungel angelegt, auf denen die Bodenschätze zum Atlantik transportiert wurden. In den Minen mussten Sklaven aus Afrika schuften. Später wurde entlang dieser Routen der Regenwald abgeholzt, um Kakao und Zuckerrohr anzubauen. Die einstigen Transportwege werden heute von den Besuchern des Nationalparks Serra da Bocaina genutzt, um in dem grünen Dschungel auf Entdeckungsreise zu gehen. Sie führen zu spektakulären Wasserfällen wie den Deer-Fällen und den Posses-Fällen und an alten, längst stillgelegten Plantagen vorbei.

Zu den Attraktionen des Nationalparks gehört der sogenannte Gold Trail, der am Parkeingang seinen Anfang nimmt und sich auf einer Länge von 73 Kilometern quer durch den Nationalpark zieht. Eine Trekking-Tour auf diesen Wanderweg dauert rund drei Tage und endet am Strand Mambucaba in der Ortschaft Angra dos Reis. Die Wanderung führt Sie an historischen Orten, alten Plantagen und Minen vorbei und erreicht am Pico do Tira Hut mit einer Höhe von 2.088 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt. Unterwegs passieren Sie eine Bananenplantage mit zahlreichen historischen Gebäuden, die Ihnen einen umfassenden Einblick in die Lebensweise der Menschen im frühen 19. Jahrhundert gibt. B & B Unterkünfte innerhalb des Nationalparks dienen Ihnen während der dreitägigen Tour als Übernachtungsmöglichkeit. Ein Informationszentrum mit einer Ausstellung zur geologischen Beschaffenheit des Parks und zur Tier- und Pflanzenwelt befindet sich am Eingang. Dort finden Sie auch Restaurants, einen Souvenirshop und Übernachtungsmöglichkeiten.

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