Costa Rica und seine Geschichte – ein Überblick

Die nachweisbare Geschichte Costa Ricas beginnt um 10.000 v. Chr. Um 2000 v. Chr. begannen die Ureinwohner damit, erste Pflanzen zu kultivieren und anzubauen. Es wird angenommen, dass sich anfangs eine Art Kommunen-Gesellschaft entwickelte, in der Gleichberechtigung und Gemeinschaftseigentum herrschten.

Costa Rica Geschichte
Costa Rica Geschichte

Um circa 500 v. Chr. wurde allmählich damit begonnen, Handel zu treiben und erste territoriale Ansprüche wurden begründet. Aus dieser Zeit stammende Ausgrabungen und Funde belegen, dass bereits damals mit Jade und anderen Steinen gearbeitet wurde.

Die familiäre Kommunengesellschaft entwickelte sich zu einer Mehrklassengesellschaft unter Herrschaft der sogenannten Kaziken. Es gab politische und religiöse Ämter mit festgelegter Aufgabenverteilung, wie zum Beispiel der Verantwortung für Landwirtschaft, Bau oder Handel. Diese Gesellschaft bestand bis circa 1550. Vereinzelt leben auch heute noch Stämme in einer von Kaziken regierten Gesellschaft.

Christoph Columbus entdeckte auf seiner vierten Erkundungsreise im Oktober 1502 die karibische Küste des heutigen Costa Rica und auf ihn geht auch der heutigen Name des Landes zurück. Im Jahr 1522 begannen von Panamá aus die ersten spanischen Siedlungsexpeditionen, die ab circa 1560 zur Besiedlung des Hochlandes und der damit verbundenen Gründung der ersten Hauptstadt Cartago führten. Die Hoffnung der Siedler auf die Bergung wertvoller Rohstoffe wurde jedoch nicht erfüllt. Die Suche nach einem international vermarktungsfähigen Exportprodukt führte zum Ausbau der einheimischen Kakao- und Tabakkulturen. Jedoch störten Raubzüge der karibischen Piratenflotte auf der Atlantikseite während des 17. und 18. Jahrhunderts die wirtschaftlichen Kontakte nach Europa und verhinderten einen frühen Aufschwung. Der Wirtschaftsschwerpunkt wurde in der Folge auf die pazifische Seite des Landes verlagert.

Im 18. Jahrhundert traten die USA einen Eroberungsfeldzug nach Mittelamerika an, der in Costa Rica von einer 9.000 Mann starken Freiwilligenarmee zurückgedrängt wurde. Zu Beginn und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich verstärkt bäuerliche, größtenteils aus Nordspanien stammende Einwanderer in Costa Rica an. So entstand ein gleich verteilter landwirtschaftlicher Kleinbesitz, der Costa Rica von seinen Nachbarländern unterscheidet.

1821 wurde Costa Rica von der spanischen Herrschaft unabhängig, was zu Kämpfen zwischen den alten Kolonialisten und den neuen Machthabern führte. Bemühungen dieser Zeit, die mittelamerikanischen Länder nach ihrer Unabhängigkeit zu einigen, scheiterten. Juan Mora Fernandez wurde zum ersten Staatschef des unabhängigen Costa Rica ernannt.

Als der effiziente Bergbau nach einer kurzen Hochphase wieder eingestellt werden musste, setzte sich 1832 eine, auch politisch geförderte, Kaffee-Expansion in Gang. Durch die Kleinbesitzstruktur blieb diese in den ersten Jahren gering. Erst mit der Vergabe der Konzession für die Atlantik-Eisenbahn und der anschließenden Entwicklung größerer Bananenplantagen um 1878 entwickelte sich Costa Rica zu einem exportorientierten Land. Nun konnte Kaffee aus dem Hochland wirtschaftlich an den Atlantikhafen in Puerto Limón transportiert werden. Noch heute stellt Kaffee ein Schwerpunkt der Wirtschaftskraft Costa Ricas dar. Die weitere politische Entwicklung des 19. Jahrhunderts war durch den Zerfall der zentralamerikanischen Föderation, einige Diktaturen und außenpolitische Konflikte geprägt. Im Verlauf des Kaffee-Booms war eine "Kaffee-Aristokratie" entstanden, die bis 1870 die politische Führungsschicht stellte. Um 1890 wurde das öffentliche kostenlose Schulwesen eingeführt, und es entwickelte sich eine unabhängige kritische Presseöffentlichkeit.

Nach einem kurzen Bürgerkrieg 1948 wurden die gesellschaftlichen Machtverhältnisse umgeformt und neue soziale Schichten in das politische System aufgenommen. Historisch gewachsene demokratische Strukturen wurden in der Zweiten Republik ab 1949 gefestigt und ausgebaut. Mit der Partido Liberación Nacional (PLN) kam eine sozialdemokratisch orientierte Partei an die Macht. Dank ihrer breiten sozialen Basis prägte die PLN in den folgenden Jahrzehnten weitgehend die gesellschaftliche und politische Entwicklung Costa Ricas. Die in dieser Zeit vorangetriebene Entwicklung bildete die Grundlage eines bis Ende der 70er-Jahre dauernden sozialen Wirtschaftswachstums, von dem breite Bevölkerungsschichten profitierten.

Die ökonomische Krise der 80er-Jahre erzwang eine neuerliche Umstrukturierung der politischen Landschaft, in der mit der Partido Unidad Social Cristiana, PUSC, nun eine etwa gleich starke bürgerliche Partei neben der PLN steht. Das Land blieb auch während der Krise weitgehend stabil und es entzog sich, nicht zuletzt dank einer aktiven neutralen und unbewaffneten Außenpolitik, den politischen Konflikten der Nachbarländer.

Costa Rica setzte sich ab Mitte der 80er-Jahre für eine Lösung des Zentralamerika-Konflikts ein und Präsident Oscar Arias Sanchez (1986-90) erhielt für sein Engagement 1987 den Friedensnobelpreis. 2004 unterzeichnete Costa Rica das Zentralamerikanische Freihandelsabkommen (CAFTA) zwischen den zentralamerikanischen Staaten und den USA.

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