Talamanca-Gebirge - Nebelwälder und Felslandschaft

Das Talamanca-Gebirge ist das größte nichtvulkanische Gebirgsmassiv Mittelamerikas und gehört gemeinsam mit dem Nationalpark La Amistad zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Talamanca Gebirge
Talamanca Gebirge

Das Talamanca-Gebirge erstreckt sich über eine Fläche von 800.000 Hektar im Landesinneren Costa Ricas. Die höchsten Gipfel ragen mehr als 3.500 Meter hoch in den Himmel und die Gebirgsregion ist die Heimat zahlreicher indigener Volksgruppen. Bedingt durch häufige Regenfälle und Winderosion ist das Talamanca-Gebirge eine zerklüftete Felslandschaft, die von tropischen Nebelwäldern und einer artenreichen Flora und Fauna bedeckt wird. In Abhängigkeit von der Höhe befinden sich mehrere unterschiedliche Lebensräume in dem Gebirgsmassiv. In den Niederungen und Talsenken dominiert tropischer Regenwald das Landschaftsbild. Ab einer Höhe von 3.000 Metern erstrecken sich Nebelwälder und subalpine Graslandschaften an den Flanken der Berge. Daneben liegen in den Höhenzügen klare Bergseen, Hochmoore und immergrüne Laubwälder. Bedingt durch die klimatischen und topografischen Unterschiede konnte sich im Talamanca-Gebirge eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt entwickeln.

In dem Gebirgsmassiv befinden sich die höchsten Berge Costa Ricas. Der Cerro Chirripo ragt 3.820 und der Kamuk Berg 3.549 Meter hoch in den Himmel. An den Bergspitzen stauen sich regelmäßig die Wolken und es fallen in der Region oft ergiebige Niederschläge. In den Nebelwäldern unterhalb der Berggipfel leben große Raubkatzen wie der Puma, das Ozelot und der Jaguar. In den Baumwipfeln tummeln sich Brüll- und Klammeraffen und die Bodenregionen werden von Bergziegen und Ameisenbären bewohnt. Weit verbreitet ist das Faultier, das in den Wäldern einen perfekten Lebensraum gefunden hat. Darüber hinaus ist im Talamanca-Gebirge eine riesige Tapirpopulation beheimatet. Insgesamt wurden mehr als 140 Säugetierarten in den Gebirgsregionen gezählt. Dazu kommen 29 verschiedene Arten von Reptilien und 45 Amphibienarten. Über 400 Vogelarten haben ihren Lebensraum zwischen den tropischen Regenwäldern in den Tälern und den Nebelwäldern in alpiner Höhe. Zu ihnen gehören farbenprächtige Papageienarten, Tukane, Quetzale und Kolibris. Schätzungen gehen davon aus, dass rund die Hälfte aller Vogelarten endemisch ist.

Das Talamaca-Gebirge ist die Heimat von etwa 10.000 Angehörigen verschiedener indigenen Volksgruppen. Sie gehören den Stämmen der Bribri, Guaymi, Cabecar und Teribe an. Als Lebensraum dienen ihnen die abgelegenen Gebiete im Hochland. An der Lebensweise der Ureinwohner hat sich seit Jahrtausenden nur wenig geändert. Die meisten Stämme leben noch heute von Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei. Bekannt sind die meisten indigenen Volksgruppen durch ihre Malereien und kunsthandwerklichen Arbeiten. Keramik und Töpferwaren werden nach traditionellen Methoden in Handarbeit hergestellt, ohne auf technische Hilfsmittel zurückgreifen zu müssen. Archäologen gehen davon aus, dass das Talamanca-Gebirge bereits vor Jahrtausenden besiedelt war. Die Mehrheit der Stämme besitzt eine eigene Sprache und eigene Rituale, die sich seit Jahrtausenden kaum verändert haben. In Costa Rica erfolgte im Jahr 1992 eine Reform der Gesetzgebung, die den indigenen Völkern mehr Rechte einräumten und den Weg für eine weitestgehende Gleichstellung bereiteten.

Mitten im Gebirgsmassiv der Talamanca liegt mit dem Nationalpark La Amistad ein größtenteils unerforschtes und schwer zugängliches Naturschutzgebiet. Der Park erstreckt sich auf einer Fläche von 190.000 Hektar und befindet sich im Süden Costa Ricas an der panamaischen Grenze. Im Jahr 1983 wurde der Nationalpark von der UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen. In den riesigen Ökosystemen vermuten Forscher noch einige unentdeckte Tierarten. Die höchste Erhebung im Nationalpark bildet der 3.549 Meter hohe Cerro Kamuk. Der zweithöchste Berg Costa Ricas ist nicht vulkanischen Ursprungs und ein beliebtes Ziel von Bergwanderern und Kletterern. Für den gesamten Aufstieg bis zum Gipfel werden rund vier Tage benötigt. Die Tour besitzt keinen hohen technischen Schwierigkeitsgrad, führt jedoch durch unwegsames Gelände auf kleinen Wildpfaden. Wegweiser gibt es nicht und unerfahrene Outdoor-Aktivisten sollten die Strecke nur in Begleitung eines ortskundigen Guides antreten. Darüber hinaus erfordert das empfindliche Ökosystem mit zahlreichen endemischen Tier- und Pflanzenarten Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit.

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