Tortuguero Nationalpark - "Platz der Schildkröten"

Der Tortuguero Nationalpark liegt an der Karibikküste Costa Ricas und besitzt eine weitverzweigte Kanal- und Lagunenlandschaft, deren Gewässerränder von einem dichten tropischen Regenwald gesäumt werden.

Tortuguero Nationalpark
Tortuguero Nationalpark - "Platz der Schildkröten"

Rund 40 Kilometer von der nicaraguanischen Grenze entfernt erstreckt sich der Tortuguero Nationalpark im Nordosten Costa Ricas. Der Name für das etwa 20.000 Hektar große Naturschutzreservat leitet sich vom spanischen Wort Tortuga für Schildkröte ab und bedeutet so viel wie "Platz der Schildkröten". Die Bezeichnung gibt einen Hinweis auf das reiche Vorkommen an Schildkröten, die die Strände des Nationalparks regelmäßig zur Eiablage aufsuchen. Zum Naturschutzreservat gehört ein etwa 35 Kilometer langer Küstenstreifen, an dem sich zwischen Juni und September Tausende grüne Meeresschildkröten einfinden, um im Schutz der Dunkelheit, ihr Gelege im Sand zu vergraben. Die größten Exemplare dieser Art werden rund einen Meter lang und wiegen bis zu 200 Kilogramm. Alle zwei bis drei Jahre legen die Meeresbewohner an den Stränden bis zu 100 Eier ab, aus denen rund zwei Monate später die jungen Schildkröten schlüpfen.

Mit den bis zu zwei Meter langen Lederschildkröten nutzt eine weitere Schildkrötenart die Strände im Tortuguero Nationalpark zur Eiablage. Ausgewachsene Exemplare bringen ein Gewicht von bis zu 700 Kilogramm auf die Waage. Mitten im Nationalpark liegt das kleine Dorf Tortuguero, das erst im Jahr 1930 von kolumbianischen Einwanderern gegründet wurde. Zehn Jahre später begannen die ersten Rodungen im tropischen Regenwald. Zum besseren Transport der Baumstämme wurden schmale Flussarme zu breiten Kanälen ausgebaut, die heute ein weitverzweigtes Wasserstraßennetz bilden. Im Jahr 1975 wurde schließlich der Tortuguero Nationalpark gegründet. Die Ufer der Kanäle und Lagunen sind mit einem dichten tropischen Regenwald bewachsen, der die Heimat für eine breit gefächerte Tierwelt bildet. Etwa die Hälfte aller in Costa Rica lebenden Vogel- und Reptilienarten sind im Tortuguero Nationalpark beheimatet. Ausgangspunkt für Dschungelexpeditionen ist das Dorf Tortuguero mit seinen etwa 700 Einwohnern.

Das Dorf besitzt keine Straßenverbindung zu anderen Ortschaften und ist ausschließlich auf dem Wasserweg oder aus der Luft mit Wasserflugzeugen zu erreichen. Am schnellsten gelingt der Transport von Cariari oder Moin mit dem Boot. Auf dem breiten Fluss, der an dem Dorf in das Karibische Meer mündet, verkehren Wassertaxis, die herangewunken werden können. Die Eiablageplätze der Schildkröten dürfen nur in Begleitung eines ortskundigen Führers aufgesucht werden. Zur Zeit der Eiablage ist das nächtliche Betreten der Strandabschnitte untersagt und das Fotografieren bei Strafe verboten, weil die Tiere sich durch das Blitzlicht gestört fühlen könnten. Zwischen September und Dezember schlüpfen die Jungtiere und begeben sich auf den gefährlichen Weg zum Meer. Die besten Zeiten zur Beobachtung der frisch geschlüpften Schildkröten liegen in den frühen Morgenstunden kurz nach Sonnenaufgang. Ein fantastischer Aussichtspunkt befindet sich auf der Erhebung Cerro Tortuguero. Der kleine Berg ragt 119 Meter hoch aus dem Dschungel und ist über einen schmalen Urwaldpfad zu erreichen.

Der Regenwald an dem weitverzweigten Wasserstraßennetz beherbergt eine artenreiche Tierwelt und ist über kleine Wanderwege für den Besucherverkehr erschlossen. Der sicherste Weg, die Flora und Fauna kennenzulernen, besteht im Rahmen einer geführten Tour. Exkursionen unterschiedlicher Länge werden im Dorf Tortuguero angeboten. Bei einer Erkundung des Regenwaldes auf eigene Faust sind Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten. Auf den fleischigen Blättern, in den Büschen und auf den Baumstämmen am Wegesrand verbergen sich häufig giftige Lanzenottern und Palmvipern. Die Schlangen sind Meister der Tarnung und häufig erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Sie beißen zwar nur, wenn sie sich bedroht fühlen, doch bereits eine unbedachte Handbewegung kann diesen Verteidigungsreflex auslösen. Beliebt sind neben der Erkundung des Regenwaldes auf den Wanderwegen Kanutouren auf dem Wasserwegesystem. Einheimische Fischer übernehmen gegen ein Trinkgeld gern die Führung auf den Kanälen und chauffieren die Gäste sicher durch die grünen Dschungellandschaften.

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