Nationalpark Los Haitises

Dichte Mangrovenwälder, tiefe Grotten und eine üppige tropische Vegetation prägen das Antlitz des Nationalparks Los Haitises im Nordosten der Dominikanischen Republik.

Nationalpark Los Haitises
Nationalpark Los Haitises

Der Nationalpark Los Haitises erstreckt sich über eine Fläche von knapp 830 Quadratkilometer am Rande der Bucht von Samaná und ist ausschließlich über den Wasserweg zu erreichen. Die unberührte Naturlandschaft an der Mündung des Flusses Yuna gehört zu den Hauptattraktionen der Karibikinsel und hat sich seit der Eröffnung im Jahr 1976 zu einem Touristenmagneten entwickelt. Die Landschaft ist geprägt von üppig bewachsenen grünen Hügeln mit einer Höhe von bis zu 100 Metern. Es gibt ausgedehnte Mangrovensümpfe, tropische Regenwälder und kristallklare Lagunen. Geheimnisvolle Tropfsteinhöhlen befinden sich in Küstennähe und die gesamte Region wird von einem weitverzweigten Netz an kleinen Wasserstraßen und Flussläufen durchzogen. Das Gelände ist stark zerklüftet und die Hügel erheben sich wie die Buckel von Schildkröten aus der grünen Vegetation. Geologisch besteht der Nationalpark Los Haitises aus einem vulkanischen Untergrund, über dem sich eine Kalksteinschicht befindet. Diese Besonderheit führte zum Entstehen unterirdischer Wasserläufe, die an manchen Stellen aus dem Boden treten und sich in kleinen Wasserbecken sammeln.

Die Vegetation ist äußerst vielschichtig. Auf den Hügeln gedeihen wegen der fehlenden Humusschicht flache Sträucher und niedrige Palmenarten, während in den Senken Mahagoni- und Kapokbäume wachsen. Zahlreiche Bromeliengewächse und Orchideen sorgen für bunte Farbtupfer im grünen Dschungel. Zählungen ergaben einen Bestand von mehr als 200 Orchideenarten, von denen rund ein Drittel als endemisch eingestuft werden. Charakteristisches Merkmal des Nationalparks sind die ausgedehnten Mangrovenwälder, die sich kilometerlang an der Küste entlangziehen. In Los Haitises sind sowohl Weiße als auch Rote Mangroven beheimatet. Wegen der topografischen Besonderheiten kommen in dem geschützten Areal keine größeren Säugetierarten vor. Bis zum Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden noch regelmäßig Seekühe im seichten Wasser gesichtet, die mittlerweile in der Region als ausgestorben gelten.

Im Nationalpark Los Haitises sind rund 110 Vogelarten heimisch. Damit lebt knapp die Hälfte aller in der Dominikanischen Republik bekannten Vogelarten in dem Naturschutzgebiet an der Nordostküste der Karibikinsel. Die Sumpfgebiete werden von Braunen Pelikanen bevölkert, die in den schwer zugänglichen Bereichen ihre Nistplätze haben. Daneben kommen Fregattvögel, weiße Seeschwalben, Kormorane und der seltene Haiti-Bussard im Nationalpark vor. Die häufigsten Säugetiere sind Fledermäuse, die in großen Kolonien in den Grotten und Tropfsteinhöhlen zusammenleben.

Die einzigartigen Landschaften des Nationalparks können Sie ausschließlich im Rahmen geführter Touren besuchen. Schiffe legen in den Ortschaften Sánchez und Sabana de la Mar ab. Einige Höhlen sind für die Öffentlichkeit zugänglich und können im Rahmen einer geführten Tour besichtigt werden. In der Cueva de la Arena haben sie die Gelegenheit, eine große Fledermauskolonie in ihrem natürlichen Lebensraum zu bewundern. Einige Bereiche des Parks sind für Besucher komplett gesperrt. Ein Besucherzentrum, das über die Flora und Fauna sowie über die topografischen Besonderheiten des Naturschutzgebietes informiert, befindet sich in Sabana de la Mar.

Das Areal des Nationalparks Los Haitises wurde bereits vor der Ankunft der ersten Europäer von den indianischen Ureinwohnern besiedelt. Die sogenannten Tainos hinterließen in einigen Höhlen Felszeichnungen und Ritzungen zurück. In einigen zugänglichen Grotten, wie der Cueva de las Linias, können Sie die frühen Zeugnisse menschlichen Schaffens bewundern. Nachdem die spanischen Eroberer auf der Karibikinsel Hispaniola gelandet waren und die meisten Ureinwohner bei blutigen Auseinandersetzungen mit den Kolonialherren getötet wurden, blieb die Region an der Mündung des Yuna-Flusses lange Zeit unbewohnt. Erst im späten 19. Jahrhundert wurden Teile des heutigen Nationalparks landwirtschaftlich genutzt. Um die Ernte abtransportieren zu können, wurde eine Bahnlinie eingerichtet, deren Überreste heute noch an einigen Stellen zu erkennen sind. Mit der Einrichtung einer sogenannten "Reserva Forestal" im Jahr 1968 wurde der Grundstein zur Einrichtung eines Nationalparks gelegt.

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