Santa Maria la Menor

Santa Maria la Menor ist eine Kathedrale in der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo, die im Jahr 1540 eingeweiht wurde und die älteste Kathedrale auf dem amerikanischen Kontinent ist.

Kathedrale Santa Maria la Menor
Kathedrale Santa Maria la Menor

Die Kathedrale Santa Maria la Menor befindet sich in der als Zona Colonial bezeichneten historischen Altstadt von Santo Domingo. Die Gründung der Hauptstadt der Dominikanischen Republik geht auf den Bruder von Christoph Kolumbus zurück, der im Jahr 1492 als erster Europäer den Fuß auf den amerikanischen Kontinent setzte. Das koloniale Stadtzentrum gehört mit seinen zahlreichen Gebäuden aus dem 16. und 17. Jahrhundert zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Grundsteinlegung für das Gotteshaus erfolgte im Jahr 1523. Im Jahr 1540 wurde die Kathedrale Santa Maria la Menor eingeweiht. Sie ist der Heiligen Maria von der Menschwerdung gewidmet und liegt neben dem Kolumbus-Park zwischen der Calle Arzobispo Merino und Isabel la Católica.

Den Bau der Kirche leitete der damalige Bischof Fray García Padilla. Federführender Architekt war der Spanier Luis Moya. Sechs Jahre nach der Fertigstellung weihte der damalige Papst Paul III. das Gotteshaus zur ersten erzbischöflichen Kathedrale der neuen Welt. Die Kathedrale hatte als erste Kirche auf den damaligen Westindischen Inseln für lange Zeit eine Vormachtstellung gegenüber später errichteten Kirchen auf dem amerikanischen Kontinent inne. In der Schlacht von Santo Domingo im Jahr 1585 nahm der englische Freibeuter Francis Drake die Hauptstadt der Karibikinsel ein und nutzte die Kathedrale Santa Maria la Menor als Hauptquartier in den bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Spaniern. Der Pirat ließ ein Drittel der Gebäude zerstören und die Kathedrale plündern.

Die Kathedrale Santa Maria la Menor wurde im Stil der Renaissance errichtet und enthält einige gotische Elemente. Die Mauern bestehen aus Kalkstein, der in den Bergen des Hinterlandes abgebaut wurde. Die Kirche besitzt drei Eingänge. Zwei Eingangsportale weisen gotische Architekturelemente auf und ein Eingang wurde im Stil der Renaissance erbaut. Auf den ersten Blick wirkt die ockerfarbene Fassade der Kathedrale eher schlicht. Auf prunkvolle Verzierungen wurde weitestgehend verzichtet. Im Inneren des Gotteshauses befinden sich 12 Seitenkapellen, drei parallel verlaufende Gänge und ein Kirchenschiff. Die Seitenschiffe wurden mit Kreuzgewölbedecken ausgestattet. Die Kathedrale besitzt eine Länge von 54 Metern und eine Breite von 23 Metern. Die Gewölbedecken sind 16 Meter hoch. Die seitlich liegenden Kapellen stammen nicht aus der Gründungszeit der Kirche. Sie wurden erst in späteren Jahrhunderten hinzugefügt.

Trotz der Plünderungen durch die Piraten im 16. Jahrhundert ist die Kathedrale mit einigen wertvollen Insignien und Skulpturen ausgestattet. Das Mobiliar besteht zum Teil aus Mahagoniholz und der versilberte Altar gehört zu den kostbarsten Einrichtungsgegenständen der Kathedrale. In der Schatzkammer des Gotteshauses werden wertvolle Altarbilder, Gemälde und Skulpturen von Heiligen aufbewahrt. Ein überraschender Fund wurde bei Renovierungsarbeiten gemacht, die im Jahr 1877 durchgeführt wurden. Damals wurde in der Kirche eine Urne entdeckt, die mit dem Namen Christoph Kolumbus beschriftet war. Sie ruht heute im Leuchtturm Faro Colón in Santo Domingo. Ob es sich tatsächlich um die Gebeine des Amerika-Entdeckers handelt, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden, weil die Genehmigungen, den Sarg zu öffnen und eine DNA-Analyse durchzuführen zwar mehrmals erteilt, jedoch kurz vor der Exhumierung jedes Mal zurückgezogen wurden.

Die Kathedrale Santa Maria la Menor steht unmittelbar am Plaza de Colòn. Den kleinen gepflasterten Platz im Zentrum der Inselhauptstadt ziert ein Denkmal von Christoph Kolumbus und hier nimmt die Fußgängerzone Calla de Conde ihren Anfang. Der Plaza de Colòn ist der lebhafte Mittelpunkt der kolonialen Altstadt. Unter schattigen Bäumen treffen sich die älteren Einwohner der Stadt zu einem Plausch, Familien füttern die Tauben und Touristen suchen nach dem besten Winkel für ein Erinnerungsfoto vor der Kathedrale. Der Platz wurde anlässlich des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas nach Christoph Kolumbus benannt und trug vorher die Bezeichnung Plaza de Armas.

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