Ecuador und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Die Geschichte Ecuadors reicht wahrscheinlich bis in das 12. Jahrhundert v. Chr. zurück. Es wird vermutet, dass asiatische Nomaden den südamerikanischen Kontinent bereits zu dieser Zeit erreichten. Die erste sesshafte Kultur bildeten die Valdivia, die sich circa 6000 v. Chr. in der Nähe der Halbinsel Santa Elena ansiedelten und wahrscheinlich aus Brasilien im Westen kamen. Ab dem 8. Jahrhundert n. Chr. entwickelten sich komplexe Kulturen mit mehreren hierarchischen Gesellschaftsschichten. Zu ihnen zählten die Mantenos, Huancavilcas, Caras und die Quitus, denen die heutige Hauptstadt ihren Namen verdankt.

Genauere Aufzeichnungen existieren erst ab dem 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Sie berichten von einer Folge von Kriegen und Allianzen der verschiedenen Stämme, die dann letztlich in einer 150-jährigen, mehr oder weniger friedlichen Regentschaft der Duchicela-Dynastie endete.

Im 15. Jahrhundert begannen die Inka unter der Führung von Tupac Yupanqui damit, ihr Reich von Peru aus auf weite Teile des nördlichen Südamerikas auszudehnen und kamen so auch nach Ecuador. Sie erreichten trotz heftigen Widerstands der hier ansässigen Bevölkerung die Küste und eroberten innerhalb weniger Jahre das Hochland. Durch eine starke Führung und geschickte Heirats- und Vererbungspolitik konnten sich Tupac Yupanqui und seine Nachkommen lange Zeit an der Spitze halten und ihr Reich erweitern. In dritter Generation wurde das Reich unter Yupanqui‘s Enkelsöhnen Atahualpa (aus Quito) und Huascar (aus Cusco) aufgeteilt. Aus einem Krieg um den jeweils anderen Teil des Landes ging letztendlich Atahualpa als alleiniger Herrscher über das Inka-Reich hervor.

Mit Francisco Pizarro landeten um das Jahr 1530 die ersten Spanier im Norden Ecuadors. Mit Pferden, Rüstungen und Waffen ausgestattet, verbreiteten seine Mannen schon bald Angst und Schrecken unter der indigenen Bevölkerung. Bei einem Treffen mit dem Inkaführer Atahualpa wurde dieser gefangen genommen und schließlich nach dem Erpressen von Gold und anderen Schätzen ermordet. Der Inka-Kriegsgeneral Ruminahui soll, nachdem er vom Tod Atahualpas hörte, einen riesigen Bestandteil der Inkaschätze im heutigen Llanganates National Park versteckt haben. Damit war das Ende der Inkaherrschaft besiegelt. Noch heute existiert in Ecuador mit der Stadt Ingapirca und dem Quechua (eine Sprache, die noch von vielen Einwohnern Ecuadors gesprochen wird) ein lebendiges Inka-Erbe.

Spanien reagiert seine Kolonie bis 1563 vom peruanischen Lima aus. Danach wurde Ecuador zur Audiencia de Quito und bekam solange politische Entscheidungsgewalt, bis sie schließlich 1739 der Vizeregentschaft Kolumbiens unterstellt wurde. Von nun an florierten die von Zwangsarbeitern bewirtschafteten Landgüter mit importierten Bananen und Rindern. Noch heute spielt dieser Wirtschaftszweig eine wichtige Rolle in Ecuador. Außerdem entstanden imposante koloniale Kirchen sowie die Escuela Quiteña, eine bedeutende Kunstrichtung. Mit der Bildung einer kreolische Mittelschicht gab es mehrere Versuche, Ecuador von der spanischen Herrschaft zu befreien.

Der Freiheitskämpfer Simón Bolívar gewann schließlich 1822 die entscheidende Schlacht gegen die spanischen Kolonialisten am Pichincha und Ecuador erhielt die vollständige verfassungsrechtliche Unabhängigkeit acht Jahre später. In den Folgejahren war das Land von vielen innerpolitischen Kriegen und Auseinandersetzungen geprägt. Viele Völker der Region wollten sich nicht unter einer Regierung zusammenschließen und beharrten auf ihrer Unabhängigkeit. Erst zwölf Präsidenten später gelang es Eloy Alfaro um 1900 den schon früher begonnen Bau der Eisenbahnverbindung zwischen Quito und Guayaquil die Moreno zu beenden und damit die nationale Einheit voranzutreiben.

Während der letzten Jahre des 18. Jahrhunderts bis 1925 wuchs die ecuadorianische Wirtschaft und es entwickelte sich ein regelrechter Kakao-Boom. Ecuador war zu dieser Zeit der erste Kakao-Exporteur der Welt und deckte circa 25 Prozent des weltweiten Bedarfs. Dies förderte die Einführung eines Bankwesens und lockte europäische Investoren ins Land. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs verringerte sich die Nachfrage und somit das Exportvolumen deutlich. Zusätzlich wuchs die Konkurrenz durch Kakao anbauende Regionen in Afrika. In den letzten hundert Jahren blieben die politischen Unruhen allgegenwärtig. Kleinkriege, Militärregierungen und Grenzstreitigkeiten führten immer wieder zu wirtschaftlichen Rückschlägen, da Investoren nicht in die regionalen Konflikte einbezogen werden wollten.

Ab 1960 begann die Erdölförderung und machte Ecuador in kurzer Zeit zu einem vergleichsweise reichen mittelamerikanischen Land. Das wirtschaftliche Wachstum Ecuadors war während der folgenden Jahre beispielhaft. Als 1982 der internationale Erdölpreis fiel, erlitt Ecuador einen wirtschaftlichen Rückfall, der Ende des Jahrtausends zur Staatsverschuldung und zu einer extremen Inflation führte. Unter Protest vieler einflussreicher Strömungen wurde damit begonnen, sich an den US-Dollar zu binden, der seither auch offizielles Zahlungsmittel ist. Mit Hilfe des IWF konnten seitdem strukturelle Änderungen im Wirtschaftssystem eingeführt werden.

TOP