La Merced – die Kirche der Barmherzigkeit in Cuzco

Das Kloster La Merced mit der gleichnamigen Kirche wurde im Jahr 1539 in der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reiches Cuzco gegründet und gehört zu den populärsten Attraktionen in der historischen Altstadt.

Piazza de Armas in Cuzco in Peru
Piazza de Armas in Cuzco in Peru

Die Kirche der Barmherzigkeit La Merced liegt im historischen Zentrum der Stadt Cuzco in unmittelbarer Nähe der Plaza de Armas. Das Gotteshaus ist eine dreischiffige Basilika mit prächtigen barocken Altären und einem Altar, der im neoklassizistischen Stil gestaltet wurde. Die Bestuhlung des Chores, kunstvolle Holzschnitzereien und zahlreiche Gemälde im Innenraum der Kirche stammen aus der Kolonialzeit. Die Gründung des Klosters und der Bau der Kirche erfolgten im Jahr 1539 durch Fray Pedro Trujillo y Castañeda. Im Jahr 1650 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die Region um die alte Inka-Hauptstadt, dem zahlreiche Gebäude zum Opfer fielen. Auch die Kirche La Merced wurde damals schwer beschädigt. Der Wiederaufbau im Barockstil zog sich über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren hin. Damals erhielt die Basilika ihr heutiges Aussehen.

Die Schutzpatronin der Kirche ist die Jungfrau der Barmherzigkeit. Der zugehörige Orden wurde im 13. Jahrhundert von Don Pedro Nolasco in Spanien gegründet. Damals waren weite Teile der Iberischen Halbinsel von den Mauren besetzt. In blutigen Auseinandersetzungen mit den christlichen Truppen des spanischen Königreiches wurden die Muslime Schritt für Schritt zurückgedrängt. In dieser Zeit erwarb sich der Orden große Verdienste um die Befreiung und den Rückkauf christlicher Gefangener, die von den Mauren als Sklaven gehalten wurden. Der Glaube des Ordens beruhte auf vier Gelübden. Neben Armut, Keuschheit und Gehorsam war die Aufopferungsbereitschaft für die Rettung von Gefangenen elementarer Bestandteil der Glaubensrichtung. Bei der Missionierung des amerikanischen Kontinents spielte der Orden eine bedeutende Rolle und der Glaube an die Werte ist in der Gesellschaft tief verankert. Der Gründer des Ordens San Pedro Nolasco wurde im Jahr 1628 heiliggesprochen und alljährlich am 6. Mai wird ein Fest ihm zu Ehren ausgerichtet.

Das Kloster La Merced bestand zum Zeitpunkt der Gründung aus vier Komplexen. Ein Teilbereich beherbergt heute das Cuzco La Merced College und ist ein pädagogisches Zentrum Perus. Die Bildungseinrichtung wurde im Jahr 1894 gegründet und widmet sich der Bildung unter religiösen und gesellschaftspolitischen Aspekten. Der Glockenturm wurde nach dem Erdbeben von 1650 in barocken Baustil wieder aufgebaut. Die zugehörige Klosterkirche besitzt den Grundriss eines griechischen Kreuzes. Sie besteht aus einem höheren und einem tiefer gelegenen Teil. Im Inneren können Sie die Kunstwerke des Malers Ignacio Chacon bewundern, der in einem Freskenzyklus das Leben des Ordensgründers nachzeichnet. Don Pedro Nolasco wird mit einer weißen Robe des Ordens der Barmherzigkeit dargestellt. Die zerbrochenen Ketten stehen als Symbol für die Freilassung der Gefangenen. Eine Fahne mit dem Wappen des Königreiches Aragon, ein Kreuz und ein Ölzweig symbolisieren den Sieg der christlichen Truppen über die Mauren auf der Iberischen Halbinsel.

Mit der Custodia de la Merced wird ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert in der Kirche La Merced aufbewahrt. Die religiöse Reliquie besteht aus 24-karätigem Gold und ist mit kostbaren Edelsteinen besetzt. Bei einem Gesamtgewicht von 22 Kilogramm besitzt die Statue eine Höhe von 130 Zentimetern. Insgesamt wurden 230 Gramm Gold und Silber, mehr als 1.500 Diamanten und Edelsteine und 628 Perlen verarbeitet. Darunter befindet sich die zweitgrößte Perle der Welt. Dutzende Rubine, drei Smaragde und mehr als 300 Amethysten zieren die wertvolle Statue. Darüber hinaus befinden sich in der Kirche die Gräber des spanischen Eroberers Diego de Almagro und von Gonzalo Pizarro. Letzterer war ein jüngerer Bruder des Eroberers Francisco Pizarro, der mit seinen blutigen Feldzügen den Widerstand der Inkas brach und Peru für die spanische Krone in Besitz nahm. Überlieferungen zufolge sollen sich auch die sterblichen Überreste der Familie von Túpac Amaru I., dem letzten Inka-Herrscher, in der Kirche befinden.

TOP